Pädokriminalität: «Hinter jedem Bild steckt ein schlimmes Schicksal eines Kindes»

Aktualisiert

Pädokriminalität«Hinter jedem Bild steckt ein schlimmes Schicksal eines Kindes»

Die Luzerner Polizei hat innert zwei Wochen bei 26 Hausdurchsuchungen rund 300 Datenträger mit pädophilem Material drauf beschlagnahmt. Die Auswertung ist eine enorm belastende Arbeit für die Ermittler.

Die Luzerner Polizei hat 300 Datenträger mit Tausenden Fotos und Videos mit kinderpornografischem Inhalt beschlagnahmt.
Die Auswertung der Dateien sei «grauenhaft und enorm belastend», sagt Kopp. «Hinter jedem Bild steckt ein schlimmes Schicksal eines Kindes. Jedes solche Foto oder Video ist ein Verbrechen für sich.»
Gesucht wird auch nach Hinweisen, ob die Verdächtigen allenfalls sogar selbst kinderpornografische Szenen gedreht haben.
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Die Luzerner Polizei hat 300 Datenträger mit Tausenden Fotos und Videos mit kinderpornografischem Inhalt beschlagnahmt.

Getty Images/EyeEm

Darum gehts

  • Die Luzerner Polizei hat in Zusammenhang mit Kinderpornografie Strafverfahren gegen 23 Personen eröffnet.

  • 16 Personen davon wurden verhaftet.

  • Innert nur zwei Wochen hat die Luzerner Polizei 26 Hausdurchsuchungen gemacht und rund 300 Datenträger beschlagnahmt.

  • Nun müssen Spezialisten von der Fachgruppe für Sexualdelikte Tausende von Bildern und Videos sichten. 

  • Das werde Monate dauern und sei eine «grauenhafte» Arbeit, sagt Polizeisprecher Simon Kopp.

Die Bilder sind schrecklich: unzählige von Fotos und Videos mit kinderpornografischem Inhalt, beruhend auf zahlreichen Verbrechen aus allen Ländern der Welt. Tausende solcher Dateien hat die Luzerner Polizei in nur wenigen Tagen im Mai beschlagnahmt.

Innert zweier Wochen im Mai hat die Fachgruppe für Sexualdelikte 26 Hausdurchsuchungen bei 23 mutmasslichen Pädokriminellen im Kanton Luzern durchgeführt. Dabei hat sie rund 300 Datenträger beschlagnahmt.

Kein Ring, sondern Einzelpersonen

«Wir hatten dank Hinweisen vom Fedpol, die den Kantonen gemeldet werden, und dank eigenen Ermittlungen diverse Personen auf dem Radar und haben dann gezielt in einer koordinierten Aktion Einsätze bei ihnen durchgeführt», erklärt Polizeisprecher Simon Kopp. «Es handelt sich dabei nicht um einen Ring, sondern um Einzelpersonen. Sie sind nicht direkt miteinander vernetzt. Wir haben dieses Vorgehen aufgrund der Effizienz gewählt.»

Gegen 23 Personen wurden Strafverfahren eröffnet, 16 von ihnen wurden verhaftet. Der Vorwurf: Besitz von kinderpornografischem Material, das teilweise auch geteilt und online allenfalls auch anderen Pädophilen zur Verfügung gestellt wurde.

Suche nach Hinweisen, ob Kinderpornos hier hergestellt wurden

«Nun gilt es, all diese Bilder und Videos zu sichten und den Verdächtigen die Straftaten zu beweisen. Eine Handvoll Spezialisten müssen auswerten, welche Dateien verboten sind, welche weiterverbreitet wurden und – das ist am schlimmsten – welche eventuell sogar selbst hergestellt wurden.»

Bisher gebe es noch keinen Anfangsverdacht, dass Fotos oder Videos im Kanton Luzern selbst erstellt wurden. «Aber das müssen wir noch klären. Wir halten dabei nach Hinweisen Ausschau, die auf selbst erstellte Szenen hindeuten», sagt Kopp. 

Sichtung der Bilder ist eine «grauenhafte Arbeit»

Die Auswertung der Dateien sei «grauenhaft und enorm belastend», sagt Kopp. «Hinter jedem Bild steckt ein schlimmes Schicksal eines Kindes. Jedes solche Foto oder Video ist ein Verbrechen für sich.» Aus der Auswertung von früheren Verfahren beschreibt Kopp: «Da sieht man Abgründe der Menschheit.»

Die Spezialisten müssten das ganze beschlagnahmte Material nun sichten. Kopp: «Das ist schwer zu ertragen. Aber sie sind extra dafür ausgebildet und werden auf Wunsch betreut.»

Für die Auswertung der Daten rechne die Luzerner Polizei mehrere Monate ein. Bis zum Abschluss der Strafverfahren gilt für die Verdächtigen die Unschuldsvermutung. 

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio, Beforemore und bei den UPK Basel.

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