Kiffen: Junge müssen häufiger ins Spital

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SuchtstudieZu viel gekifft – Junge landen im Spital

Eine neue Studie zeigt: In der Schweiz gibt es eine starke Zunahme an Hospitalisierungen wegen Cannabis. Betroffene erzählen, wie sich eine Cannabis-Psychose anfühlt.

In der Schweiz gibt es eine starke Zunahme an Hospitalisierungen wegen Cannabis. (Symbolbild)
Zum Vergleich: 1998 waren es rund 185 Fälle, 2020 wurden 961 Fälle verzeichnet. (Symbolbild)
Das zeigen Zahlen einer neuen Studie. (Symbolbild)
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In der Schweiz gibt es eine starke Zunahme an Hospitalisierungen wegen Cannabis. (Symbolbild)

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Während 1998 noch 185 Spitaleinweisungen aufgrund von cannabisbedingten Diagnosen verzeichnet wurden, waren es 2020 bereits 961 Fälle. 

  • Das zeigen Zahlen einer neuen Studie. 

  • Philippe Pfeifer, Mitverfasser der Studie und leitender Arzt am Zentrum für Suchtpsychiatrie der Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) Bern ordnet ein. 

Die Ergebnisse einer neuen Studie zeigen einen starken Anstieg der Spitaleinweisungen aufgrund von Diagnosen, die auf das Kiffen zurückzuführen sind. Darunter fallen auch psychotische Störungen. 1998 waren es noch rund 185 Fälle pro Jahr, 2020 mussten 961 Menschen nach zu hohem Cannabiskonsum ins Spital eingeliefert werden. 

Die Mehrzahl der Fälle wurde bei zwei Altersgruppen festgestellt: Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 24 Jahren und Personen zwischen 25 und 44 Jahren. «Die Resultate sind bemerkenswert», sagt Philippe Pfeifer, Mitverfasser der Studie und leitender Arzt am Zentrum für Suchtpsychiatrie der Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) Bern.

Die Gründe 

Pfeifer sieht mehrere Gründe für diesen Anstieg an Hospitalisierungen: «Einerseits konsumieren vor allem junge Menschen in der Schweiz häufiger Cannabis als noch vor 20 Jahren. Andererseits hat der Anteil des aktiven Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC) im Cannabis in den letzten Jahren stark zugenommen. Zum Teil wird mit synthetischen Cannabinoiden angereichert, um die Wirkung weiter zu verstärken.» Letztere seien noch unzureichend erforscht und könnten potenziell schwere gesundheitliche Schäden verursachen. 

Eine grosse Rolle spielt gemäss Pfeifer auch die veränderte Wahrnehmung der Pflanze: «Cannabis wird von vielen Menschen nicht als Droge, sondern als Substanz zur Freizeitgestaltung oder Naturheilmittel angesehen, womit die Risikowahrnehmung sinkt.» Dies sei besonders bei jungen Menschen ausgeprägt.

Kiffen: Die negativen Auswirkungen

Häufig treten laut Pfeifer nach übermässigem Cannabiskonsum psychotische Störungen auf. «Das kann sich in Form von Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder Verwirrtheitszuständen zeigen.» Diese Symptome könnten unmittelbar nach einem vereinzelten Cannabiskonsum oder erst bei chronischem Konsum auftreten.

Auch die 20-Minuten-Community hat schon negative Erfahrungen mit Cannabis gemacht, wie der Fall des 24-jährigen E.* zeigt. «Durch jahrelangen exzessiven Konsum von Cannabis bekam ich Psychosen.» Erst durch psychologische Hilfe sei es ihm gelungen, mit dem Konsum aufzuhören. Auch A.* berichtet: «Als ich mit 15 angefangen habe zu kiffen, hat sich mein Alltag komplett verändert.» Er sei paranoid geworden und habe sich aus seinem sozialen Umfeld komplett zurückgezogen. «Mit der Zeit konsumierte ich bis zu fünf Gramm am Tag.» Mittlerweile habe der 25-Jährige aufgehört. «Psychisch geht es mir jetzt viel besser.» 

Konsumierst du Cannabis?

Wie sieht es mit einer Legalisierung aus? 

Laut Psychiater Toni Berthel, der sich seit den 80er-Jahren mit Drogen und Drogenpolitik beschäftigt, sprechen die Resultate der Studie nicht gegen eine Legalisierung von Cannabis. «Die Hospitalisierungen sind meines Erachtens auch auf eine fehlende Qualitätskontrolle des sich im Umlauf befindenden Stoffes zurückzuführen.» Mit einer Legalisierung könne eine solche Kontrolle gewährleistet werden. «Die Risiken, unerwünschte Nebenwirkungen zu erleben, sind niedriger, wenn den Konsumenten bereits beim Kauf klar ist, wie stark das konsumierte Cannabis wirkt.»

Die Studie zeigt gemäss Berthel aber, dass primär bei Jugendlichen bessere Präventionsarbeit geleistet werden muss. «Es ist wichtig, dass junge Menschen gut über die potenziellen Gefahren von Cannabis informiert sind.»

Pfeifer begrüsst die geplanten wissenschaftlichen Pilotversuche zur Regulierung von Cannabis in der Schweiz: «Es ist essentiell, dass in den Pilotversuchen wissenschaftlich untersucht wird, wie und wo die Abgabe von Cannabis in Zukunft stattfinden soll, dass die Inhaltsstoffe kontrolliert werden und wo das Mindestalter für den Kauf angesetzt werden könnte.»

Psychisch krank wegen Kiffen – UNO schlägt Alarm

*Name der Redaktion bekannt.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Problem mit illegalen Drogen?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Infodrog, Information und Substanzwarnungen

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