Neue Studie – In der Schweiz schneit es jedes Jahr 3000 Tonnen Mikroplastik

Publiziert

Neue StudieIn der Schweiz schneit es jedes Jahr 3000 Tonnen Mikroplastik

Eine neue Studie untersucht, wie viel Mikroplastik auf uns runterrieselt. In der Schweiz landen schätzungsweise jährlich 43 Trillionen feinster Plastikteilchen.

Eine Studie mit Empa-Beteiligung untersucht Plastikpartikel, die auf uns herunterregnen.
Empa-Forscher Dominik Brunner ermittelte die Umweltverschmutzung mit Nanoplastik in den Alpen.
In einer Forschungsstation in den österreichischen Alpen untersuchten die Forschenden regelmässig den Plastikgehalt der neusten Schneeschicht.
1 / 6

Eine Studie mit Empa-Beteiligung untersucht Plastikpartikel, die auf uns herunterregnen.

imago images/Shotshop

Darum gehts

In einer neuen Studie untersucht Empa-Forscher Dominik Brunner zusammen mit Kollegen und Kolleginnen der Universität Utrecht sowie der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik wie viel Plastik aus der Atmosphäre auf uns herunterregnet.

Gemäss der Studie verbreitet sich Nanoplastik über die Luft teilweise über 2000 Kilometer weit. In der Schweiz landen – den Zahlen der Messung aus Österreich entsprechend – jährlich etwa 43 Trillionen feinste Plastikteilchen. Wie viele es genau sind, darüber ist sich die Forschung noch uneins. Aber gemäss Schätzungen aus der Studie könnten es bis zu 3000 Tonnen Nanoplastik sein, mit denen die Schweiz jährlich von den abgelegenen Alpen bis ins urbane Unterland überzogen wird.

Messung mittels eigens entwickeltem Verfahren

Diese Schätzungen sind im Verhältnis zu anderen Studien sehr hoch und es bedarf weiterer Forschung zur Überprüfung dieser Werte. Die Studie ist wissenschaftliches Neuland. Denn die Verbreitung von Nanoplastik durch die Luft ist bis heute weitgehend unerforscht. Das Resultat von Brunners Forschung ist die genauste Erfassung der Luftverschmutzung durch Nanoplastik, die jemals durchgeführt wurde. Zur Zählung der Plastik-Teilchen haben Brunner und seine Kollegen und Kolleginnen eigens ein chemisches Verfahren entwickelt, das die Verunreinigung der Proben bestimmt.

Untersucht haben die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen eine kleine Fläche auf 3106 Metern Höhe an der Spitze des Berges Hoher Sonnenblick im österreichischen Nationalpark Hohe Tauern. Jeden Tag und bei jeder Wetterlage haben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen um acht Uhr früh rund um eine Markierung einen Teil der obersten Schneeschicht abgetragen und sorgfältig aufbewahrt, um ihn auf Verschmutzungen durch Plastikpartikel zu überprüfen.

Plastikteilchen stammen vor allem aus städtischen Gebieten

Der Ursprung der winzigen Teilchen ist mit Hilfe von europäischen Wind- und Wetterdaten nachverfolgt worden. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass der grösste Ausstoss an Nanoplastik in die Luft in dicht besiedelten, urbanen Gebieten passiert. Etwa 30 Prozent der gemessenen Nanoplastik-Teilchen auf dem Berggipfel stammen aus einem Radius von 200 Kilometer, vorwiegend aus Städten. Aber auch Plastik aus den Weltmeeren gelangt offenbar über die Gischt der Wellen in die Luft. Rund zehn Prozent der in der Studie gemessenen Teilchen wurden von Wind und Wetter über 2000 Kilometer auf den Berg geweht – teilweise vom Atlantik aus.

Schätzungsweise über 8300 Millionen Tonnen Plastik sind bis anhin weltweit produziert worden, etwa 60 Prozent davon ist unterdessen Abfall. Dieser Müll erodiert durch Witterungseffekte und mechanischen Abrieb von grösseren Plastikstücken über Mikroteilchen bis hin zu Nanoteilchen, die nur noch unter dem Mikroskop erkennbar sind. Partikel in diesem Grössenbereich sind so leicht, dass ihre Bewegung in der Luft am ehesten mit Gas verglichen werden kann.

Wirkung von Nanoplastik auf Gesundheit bisher unklar

Es ist bis jetzt unklar, ob diese Art von Luftverschmutzung potentiell eine gesundheitliche Bedrohung für den Menschen bedeutet. Nanopartikel landen im Gegensatz zu Mikropartikeln nicht nur im Magen. Sie werden über die Atmung tief in die Lungenflügel gesogen, wo sie dank ihrer Grösse eventuell die Zell-Blut-Barriere überwinden und so in den menschlichen Blutkreislauf dringen könnten.

My 20 Minuten

Deine Meinung zählt

22 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen