BoosternKantone sind sauer auf Bundesrat Berset
Nach vier statt erst nach sechs Monaten sollen Impfwillige ihre dritte Impfung erhalten. Der Kanton Zürich spricht von einer «Hauruckübung» und in Bern fragt man sich, wie das zu bewerkstelligen sei.
Darum gehts
Gesundheitsminister Alain Berset kündigte am Freitag an, dass die Wartezeit für Auffrischungsimpfungen ab kommender Woche von sechs auf vier Monate verkürzt werden soll. Damit bekommen auf einen Schlag mehrere Millionen Menschen zusätzlich die Möglichkeit sich boostern zu lassen – allein im Kanton Zürich 600’000. Zwar reagierte die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich gleichentags und kündigte Booster-Impfungen an für jene Personen, die die zweite Impfung vor mindestens fünfeinhalb Monaten erhalten haben.
Trotzdem: Die Kantone sind sauer auf Gesundheitsminister Alain Berset. Das Vorgehen sei «eine Hauruckübung», sagt Peter Indra, Vorsteher des Gesundheitsamtes des Kantons Zürich in der «SonntagsZeitung». Damit habe Alain Berset in der Bevölkerung eine «riesige Anspruchs- und Erwartungshaltung» geweckt. «Hunderttausende Zürcher glauben nun, dass sie bis Weihnachten noch einen Booster bekommen.» Doch das werde nicht möglich sein, sagt Indra – auch «wenn wir mit Höchstgeschwindigkeit impfen».
Indra kritisiert, dass der Bundesrat die Verkürzung der Wartezeit angekündigt habe, bevor die Impfkommission grünes Licht für vorzeitige Auffrischimpfungen gegeben habe. Das führe in der Bevölkerung zu einer grossen Verunsicherung. Ohne eine entsprechende Empfehlung durch die Impfkommission sei die rechtliche Situation unklar, und dann könnten zum Beispiel die Apotheken kaum Booster-Impfungen vornehmen, sagt Indra.
Ähnlich reagieren die Berner Behörden: Im Moment gebe es für vorzeitiges Boostern weder eine Zulassung noch eine Empfehlung, sagt Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg. «Ich möchte gerne wissen, wie das ablaufen soll.» Er habe bis jetzt vom Bund keine Informationen zu den neuen Boosterplänen erhalten. Zudem ist er dagegen, «dass wir Hunderttausende mit einer Off-Label-Anwendung boostern. Die Ärzte können diese Verantwortung nicht übernehmen». Schnegg glaubt, dass im Kanton Bern bis Ende Februar alle, die das wollen, geboostert werden können. Er erwägt nun, die Armee für das Impfen aufzubieten.
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