Studie zu LGBTQ«Stehen zunehmend im Fadenkreuz von Diskriminierung und Hetze»
Eine alarmierende Studie zeigt, wie weit verbreitet Diskriminierung gegen LGBTQ-Personen in der Schweiz ist. Organisationen fordern entschiedene politische Massnahmen.
Darum gehts
Eine neue Studie zeigt, dass LGBTQ-Personen in der Schweiz häufig Diskriminierung und Gewalt erfahren.
Besonders trans und intergeschlechtliche Menschen sind von Übergriffen betroffen.
Organisationen fordern von der Politik konkrete Massnahmen gegen Diskriminierung.
Eine neue Studie des Forschungsinstituts gfs.bern im Auftrag von Amnesty International und führenden LGBTQ-Organisationen legt alarmierende Zahlen vor. Trotz grundsätzlich offener Haltung vieler Schweizer gegenüber der LGBTQ-Gemeinschaft erleben queere Menschen in der Schweiz überdurchschnittlich häufig Diskriminierung und Gewalt – besonders trans und intergeschlechtliche Personen.
Die Studie zeigt, dass zwar breite Zustimmung zu Werten wie individueller Freiheit besteht, die Diskrepanz zwischen theoretischer Akzeptanz und praktischer Unterstützung aber gross ist. Besonders bei rechtlichen Anpassungen, Infrastrukturmassnahmen oder Sichtbarkeit im Alltag wächst der Widerstand. Dies betrifft insbesondere ältere, konservative und religiöse Bevölkerungsgruppen.
Gewalt und Diskriminierung weit verbreitet
Jede dritte LGBTQ-Person hat in den letzten fünf Jahren körperliche oder sexuelle Übergriffe erlebt. Beleidigungen, Bedrohungen und unangemessenes Verhalten gehören für viele zum Alltag. Die Dunkelziffer ist hoch, da die meisten Vorfälle nicht gemeldet werden. Im europäischen Vergleich steht die Schweiz schlechter da, insbesondere im Gesundheitswesen, das als besonders problematisch hervorgehoben wird.

Jede dritte LGBTQ-Person hat in den letzten fünf Jahren körperliche oder sexuelle Übergriffe erlebt.
Paula Acunzo/ZUMA Press Wire/dpaMarc Schmid von Queeramnesty betont: «Die öffentliche Sichtbarkeit und rechtliche Fortschritte helfen, Vorurteile abzubauen, doch die zunehmende politische Stimmungsmache gegen trans und intergeschlechtliche Menschen gefährdet diese Erfolge.»
Deshalb fordern die Organisationen von der Politik konkrete Massnahmen, um Gewalt und Diskriminierung zu bekämpfen:
Ausweitung des Diskriminierungsschutzes: Die Strafnorm soll auf trans und intergeschlechtliche Personen ausgeweitet werden.
Nationaler Aktionsplan: Sensibilisierung in Schulen, im Gesundheitswesen und bei der Polizei ist laut den Experten dringend notwendig.
Institutionalisierte Unterstützung: Beratungsstellen und Helplines für Betroffene sollen langfristig finanziert werden.
Regelmässiges Monitoring: Öffentliche Datenerhebungen sollen die Wirksamkeit der Massnahmen messen.
«Wir möchten – wie alle Menschen – selbstbestimmt leben. Frei von Hass und Gewalt. Doch wir stehen zunehmend im Fadenkreuz von Diskriminierung und Hetze», sagt Urs Vanessa Sager von Interaction, dem nationalen Verein für intergeschlechtliche Menschen. «Wir erwarten, dass wir genauso respektiert werden wie alle Menschen und dass die Behörden unsere Rechte endlich anerkennen.»
Wie stehst du zur aktuellen Situation der LGBTQ-Gemeinschaft in der Schweiz?
Hast du Fragen zu Beziehung, Liebe oder sexueller Gesundheit?
Hier findest du Hilfe:
Lilli.ch, Onlineberatung
Tschau, Onlineberatung
Feel-ok, Informationen für Jugendliche
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Männer, Frauen, Intersexuelle: Die Vielfalt der Geschlechter
Welches Geschlecht jemand hat, lässt sich nicht immer einfach bestimmen. Schon gar nicht allein durch einen Blick in die Hose. Denn Geschlechtsmerkmale gibt es in allen Variationen: Vom Penis bis zur Klitoris ist es ein fliessender Übergang. Die Klitoris kann zum Beispiel vergrössert oder der Penis verkümmert sein und die Hoden können innen statt aussen liegen (siehe Bildstrecke hier). Fachleute sprechen dann von Intersexualität oder Intergeschlechtlichkeit.
Auch die Chromosomen sind nicht immer eindeutig. Zwar haben Frauen im Normalfall zwei X-Chromosomen, während Männer je ein X- und ein Y-Chromosom haben. Doch es gibt Ausnahmen, etwa die Kombination XXY oder XYY, die ebenfalls in den Bereich der Intergeschlechtlichkeit fallen.
Beide Geschlechter produzieren sowohl männliche Sexualhormone wie Testosteron als auch weibliche Hormone wie Östrogen und Progesteron, jedoch in unterschiedlichen Mengen. Im Durchschnitt ist der Testosteronspiegel bei Männern etwa zehnmal höher als bei Frauen. Auch hier gibt es Ausnahmen: Manche Männer haben niedrige, manche Frauen hohe Testosteronspiegel. Daher kann auch der Hormonspiegel nicht eindeutig zur Bestimmung des Geschlechts herangezogen werden.
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