Recherche von 20 MinutenSexismusvorwürfe: Mobilezone schmeisst Kadermann raus
Nach weiteren Aussagen von Ex-Mitarbeitern stehen Mobilezone-Manager wegen Vorwürfen wie Sexismus und Korruption in der Kritik. Einem ranghohen Mitglied wurde nun aufgrund eines vorgelegten Videos von 20 Minuten das Arbeitsverhältnis beendet.
Darum gehts
Nach Sexismus- und Korruptionsvorwürfen gegen Führungspersonen von Mobilezone wurde das Arbeitsverhältnis mit einem ranghohen Manager per sofort beendet.
Ein Video zeigt, wie der Manager mit sexistischen Methoden die Einstellung von Frauen darstellt.
Weitere Vorwürfe an ranghohe Mitarbeiter betreffen mutmasslichen Drogenkonsum und Prostitution auf Firmenreisen.
Mobilezone zeigt sich schockiert und verweist auf ein Whistleblower-Portal, um Mitarbeiter zu ermutigen, Missstände zu melden.
Nachdem 20 Minuten über Vorwürfe von Cashback-Angeboten berichtete, die verschwiegen werden und stattdessen den Kunden Zubehör angeboten wird, haben nun weitere Ex-Mitarbeitende noch schwerwiegendere Vorwürfe gegen Führungspersonen bei Mobilezone erhoben. Auch Sexismus, Prostitution und Bestechung hätten in den letzten Jahren innerhalb des Unternehmens stattgefunden, melden sie.
Sexismus
Ein Video, das 20 Minuten von dem Ex-Mitarbeiter A.C* übergeben und Mobilezone zur Stellungnahme vorgelegt wurde, zeigt den hochrangigen Manager F.K.*, der auf erniedrigende Weise mit einer Barbie-Puppe veranschaulicht, nach welchen Kriterien Frauen eingestellt würden – nämlich, nachdem sie sich entblösst hätten. Das Video, das 2017 in einem WhatsApp-Chat von Regionalleitern kursiert sein soll, führte nun zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses von F.K., wie Mobilezone gegenüber 20 Minuten bestätigte.
Auch gegen weitere Personen wurden von verschiedenen Ex-Mitarbeitern Vorwürfe getätigt.
Die 32-jährige ehemalige Verkaufsmitarbeiterin S.N* soll von ihrem Filialleiter nahegelegt worden sein, sie solle an ihren kleinen Brüsten etwas machen, um mehr Waren an Kunden verkaufen zu können. Zudem erinnert sie sich an eine Situation, in der sie von derselben Person aufgefordert wurde, auf Firmenfeiern «etwas Knappes mit Ausschnitt» zu tragen. Auch würde dieser sich freuen, wenn er sie bei den Incentive-Reisen endlich im Bikini zu sehen bekomme.
Prostitution bei Firmenreisen
Missstände können bei Mobilezone anonym bei einem Whistleblower-Portal gemeldet werden. Betroffene meldeten aber auch 20 Minuten mutmassliches Fehlverhalten. Laut A.U* einem weiteren Ex-Mitarbeiter, soll es bei firmenfinanzierten Incentive-Reisen Drogenkonsum und die Buchung von Prostituierten gegeben haben.
Bestechung und Korruption
H.L* und weitere unabhängige Ex-Mitarbeiter berichten, dass Mitarbeiter Gelder in die eigene Tasche steckten und nach dem Verlassen der Kunden gezwungen waren, mit Cashback-Geldern Serviceleistungen wie SIM-Karten zu kaufen, um die Verkaufszahlen zu manipulieren. Zudem hätten gewisse Filialleiter ihre Positionen ausgenutzt und Bestechungsgelder bei Jobvergaben angenommen. Auch diese Praktiken sollen unter der Leitung des damaligen Filialleiters F.K stattgefunden haben, der danach in eine hohe Position innerhalb des Unternehmens aufgestiegen sei.
Toxische Arbeitskultur
Die 32-Jährige S.N* beschreibt ausserdem ein Klima der Schikane, in dem Mitarbeiter, die sich weigerten, an betrügerischen Praktiken teilzunehmen, als «Judas» bezeichnet wurden. Zudem habe sie beobachtet, dass ein Lernender am Wochenende frei nehmen durfte, wenn er seinem Filialleiter jeweils 200 Franken zahlte.
Das sagt Mobilezone
Konfrontiert mit dem Video entgegnet, Mediensprecher Gregor Vogt, dass man bislang keine Kenntnis davon hatte: «Wir sind schockiert und distanzieren uns in aller Form von dem Verhalten von F.K» Das sei weit weg von ihrer Unternehmensphilosophie: «Wir haben inzwischen die nötige Massnahme getätigt und F.K arbeitet ab sofort nicht mehr für die Mobilezone.» Man habe bereits 2021 ein Whistleblower Portal für die Mitarbeiter bereitgestellt, wo sie sich anonym melden könnten: «Wir nehmen die eingegangenen Meldungen jeweils sehr ernst.» Zusätzlich fänden regelmässig Schulungen zu Mobilezone-Richtlinien der Verhaltensweise von Mitarbeitern statt, worin unter anderem auch auf das anonyme Whistleblower Portal verwiesen werde.
Die weiteren Vorwürfe, die 20 Minuten von Ex-Mitarbeitern erhalten haben, könne Vogt nicht bestätigen: «Wir können aber sagen, dass Meldungen mit ähnlichen Vorfällen bei uns eingegangen sind und die betroffenen Personen die entsprechenden Konsequenzen davontrugen.» Alle gemeldeten Fälle seien zudem weiterhin in Prüfung und werden mit der nötigen Sorgfalt angegangen.
20 Minuten stellt klar, dass es sich bei diesen konkreten Schilderungen nur um Vorwürfe verschiedener Ex-Mitarbeiter handelt und Mobilezone diese nicht bestätigt hat.
*Initialen geändert
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