Namibia: Wegen Kuss bangt Juwan (2) um sein Augenlicht

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NamibiaWegen Kuss bangt Juwan (2) um sein Augenlicht

Als im Auge ihres Sohnes plötzlich etwas zu wachsen schien, eilte Michelle Saaiman zum Facharzt. Dieser stellte die Schock-Diagnose: Herpes. Ob das Augenlicht des Zweijährigen gerettet werden kann, ist ungewiss.

Eine Herpes-Infektion hat das linke Auge von Juwan (2) schwer beschädigt.
Das Virus wurde erst bei einer Untersuchung beim Facharzt festgestellt – zu diesem Zeitpunkt waren die Nerven schon so beschädigt, dass sich der Bub mit dem Finger im Auge kratzte.
Für die Operationen flog die Familie von Namibia nach Kapstadt. Ein erster Eingriff war erfolgreich, ...
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Eine Herpes-Infektion hat das linke Auge von Juwan (2) schwer beschädigt.

Facebook/Michelle Saaiman

Darum gehts

  • Der zweijährige Juwan aus Namibia leidet an einer schweren Herpes-Infektion im linken Auge.

  • Die Infektion wurde durch einen Kuss übertragen und hat das Auge stark beschädigt.

  • Juwan musste für Operationen nach Kapstadt reisen, um sein Sehvermögen zu retten.

  • Zwei weitere Eingriffe, darunter eine Nerven- und Hornhauttransplantation, stehen noch bevor.

Was mutmasslich mit einem Kuss begann, hat für eine Familie in Namibia auf einen langen medizinischen Leidensweg geführt: Wegen einer Infektion in seinem linken Auge wird der zweijährige Juwan schlimmstenfalls nie mehr sehen können.

Vor etwa sieben Monaten bemerkte Mutter Michelle Saaiman den Infekt, woraufhin die Hausärztin dem Bub antibiotische Augentropfen verschrieb. Trotzdem verschlechterte sich sein Zustand: «Es sah aus, als würde etwas in seinem Augapfel wachsen», schreibt Saaiman in ihrem Facebook-Post.

«Steckte den Finger ins Auge, um sich zu kratzen»

Die Infektion war zu diesem Zeitpunkt schon so weit fortgeschritten, dass Juwan in dem Auge gar nichts mehr spürte: «Er steckte buchstäblich seinen Finger ins Auge, um sich zu kratzen», berichtet die Mutter. Sie brachte ihren Sohn daraufhin zum Facharzt, wo die erschreckende Diagnose erfolgte.

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Denn das linke Auge des Zweijährigen ist mit Herpes infiziert, dem gleichen Virus, das auch Fieberblasen auf den Lippen verursacht. Die Infektion verursachte schwere Schäden am Auge, unter anderem eine vier Millimeter grosse Wunde. In der Zwischenzeit wurde der Zweijährige in Kapstadt operiert, das Virus ist nun in Remission. Doch das Sehvermögen auf dem linken Auge ist noch immer stark eingeschränkt – ob es je wiederhergestellt werden kann, ist fraglich.

Juwan vor langem Leidensweg

Denn der Bub muss sich nun zwei weiteren heiklen Operationen unterziehen: Zuerst werden Ärzte Nerven aus dem Bein entnehmen und diese ins Auge implantieren. Erst wenn dies geglückt ist, wird eine Hornhaut-Transplantation möglich sein – dafür muss aber auch ein geeigneter Spender gefunden werden. Die Familie hat mittlerweile einen Spendenaufruf gestartet.

So schätzt ein Augenarzt den Fall ein

Gegenüber 20 Minuten führt ein Augenarzt aus, dass solche Infektionen zwar auftreten, aber sehr selten sind. «Die Durchseuchungsrate mit dem Varizella-Zoster-Virus (VZV) in der Schweizer Bevölkerung bei Erwachsenen über 40 Jahren bei über 95 Prozent liegt. Beim Herpes simplex Virus liegt die Durchseuchungsrate bei hohen 70 Prozent», erklärt er. Generell sei die Gefahr, dass eine Infektion durch einen Kuss einer fremden Person zur Erblindung führen kann, sehr gering.

Um das Auge zu schützen, sind die Lider von Juwan momentan zugenäht. «Ich kann mir nur vorstellen, wie unangenehm das für ihn sein muss», schreibt die Mutter bei Facebook. Die Ärzte vermuten, dass das Herpesvirus durch einen Kuss einer Person mit einer Fieberblase übertragen wurde. «Ich habe schon tausendmal gelesen, dass man sein Baby von niemandem küssen lassen soll, aber wir haben uns nie wirklich darum gekümmert – ich meine, was kann schon Schlimmes passieren? Falsch. Ich lag so falsch», warnt die Mutter.

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