Neuenhof AGRoni (64) provoziert mit russischer Flagge auf Hochhaus
Auf einem Hochhaus in Neuenhof AG weht seit Wochen eine Russlandfahne – Roni Brunner erklärt, warum er sie aufgehängt hat.
Darum gehts
Auf einem Hochhaus in Neuenhof AG weht eine Russlandfahne, was bei den Bewohnern für Empörung sorgt.
Der Besitzer des Hochhauses, Roni Brunner, hat die Fahne aufgehängt und will damit eine neutralere Diskussion über Russland anregen.
Er selbst wohnt nicht in dem Hochhaus.
Die Hausverwaltung kann nicht eingreifen, da Brunner der Besitzer des Gebäudes ist.
Seit Wochen weht hoch über Neuenhof eine Russlandfahne vom Dach des Hochhauses an der Hardstrasse 77 – gut sichtbar für die ganze Umgebung. Wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sorgt dieses Zeichen für Empörung. «Das geht gar nicht», sagt etwa ein polnischer Bewohner: «Damit werden die gefallenen Ukrainer verhöhnt.»
Auch SP-Politiker Yannik Mullis kritisiert die Aktion: «Es ist falsch, Schweizer Freiheiten zu nutzen, um ein autoritäres Regime wie Russland zu unterstützen.» Russland sei ein autoritärer Staat, der seine Bevölkerung unterdrücke und klar der Aggressor im Ukraine-Krieg sei.
«Will bewusst Diskussionen auslösen»: Fahne gehört dem Hausbesitzer
Wie 20 Minuten herausfand, ist Roni Brunner (64) aus Remetschwil AG der Mann hinter der Fahne. Er ist Besitzer des Wohnkomplexes: «Ich habe sie zusammen mit meinem Sohn, der im Gebäude wohnt, aufgehängt», so Brunner. Für ihn ist die Aktion aber nicht als Bekenntnis zur russischen Kriegsführung zu verstehen, sondern als politisches Statement: «Ich will, dass in der Schweiz eine neutralere Diskussion über Russland geführt wird – dafür wollte ich ein Zeichen setzen.» Dass die Aktion Reaktionen auslöst, sei gewollt.
«Russland ist ein grossartiges Land»
Mit Russland hatte Brunner zuvor kaum Berührungspunkte – er spricht kein Russisch und hat auch keine familiären Wurzeln im Land. Laut Brunner war es vor allem die «westliche» Berichterstattung, die ihn stutzig machte. «Plötzlich war Russland nur noch der Böse und die Ukraine der Gute. Dieses Schwarzweiss-Denken war mir zu simpel.» Um sich selbst ein Bild zu machen, reiste er zum ersten Mal für drei Wochen durch Russland – von Kaliningrad nach Moskau bis in den Kaukasus nach Sotschi. Sein Fazit: «Russland ist ein grossartiges und top organisiertes Land. Die Städte sind sauber, die Infrastruktur funktioniert, und ich habe mich stets sicher gefühlt – auch nachts», berichtet er von seinen Eindrücken.

Vor einigen Monaten reiste der Russland-Fan Roni Brunner (64) drei Wochen nach Russland.
PrivatGespräche mit Russinnen und Russen hätten ihm glaubhaft vermittelt, dass 80 Prozent der Bevölkerung hinter Putin stünden. Der Rückhalt für Putin sei nicht, wie von westlichen Medien behauptet, eine Folge von Propaganda der russischen Staatsmedien: «Sie sind von Putin überzeugt, weil er ihnen ein besseres Leben ermöglicht.»
Wie stehst du zu Roni Brunners Aktion, eine Russlandfahne auf seinem Hochhaus zu hissen?
Verwaltung machtlos – Kritik bleibt
Die zuständige Hausverwaltung gibt gegenüber 20 Minuten an, bereits mehrere Beschwerden von Bewohnern und Nachbarn wegen der Fahne erhalten zu haben. Die Bitte, diese zu entfernen, habe der Besitzer abgelehnt. Da Brunner der Besitzer des Hochhauses ist, fehle ihnen die Handhabe einzugreifen. Die Hausverwaltung distanziert sich klar von dieser Aktion.
SP-Politiker Mullis sei klar, dass Brunner hier nichts Illegales mache, moralisch findet er Brunners Aktion aber höchst verwerflich: «Wenn Herr Brunner so eine Fahne aufhängen will, soll er das bei sich zuhause tun – und nicht allen Mietern aufzwingen. Ich bin überzeugt, dass die meisten der Mieter seines Hochhauses nicht hinter der Fahne stehen», so Mullis.
Folgst du schon 20 Minuten auf Whatsapp?
Eine Newsübersicht am Morgen und zum Feierabend, überraschende Storys und Breaking News: Abonniere den Whatsapp-Kanal von 20 Minuten und du bekommst regelmässige Updates mit unseren besten Storys direkt auf dein Handy.