Fussgängerstreifen-Video auf Tiktok: Jetzt spricht der Vater

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Fussgängerstreifen-Video auf Tiktok«Nie gedacht, dass das so einschlägt» – jetzt spricht der Vater

Sein Video war der Renner auf Tiktok, er wollte damit eine Debatte über Verkehrssicherheit anstossen. 20 Minuten sprach mit P.S.* über seinen viralen Erfolg.

20 Minuten hat sich die Situation beim Fussgängerstreifen vor Ort angeschaut.

20min

Darum gehts

  • Über 250’000 Views auf Tiktok erreichte ein Video von P.S.* aus Leimiswil BE.

  • Er ist über den Erfolg selber erstaunt. «Es zeigt, dass die Leute das interessiert», sagt er.

  • Wie er erzählt, brausen Autofahrende oft unaufmerksam und schnell vorbei. Deshalb will er auf das Problem hinweisen.

Auf keinen Fall hätte P.S.* damit gerechnet, dass sein Video auf Tiktok derart einschlägt. «Dass es sich verbreitet, ja», sagt er zu 20 Minuten, «aber gleich so krass? Das ist schon sehr speziell und zeigt, dass die Leute das interessiert.» Der Vater aus Leimiswil BE hatte gezeigt, wie sein Sohn minutenlang an einem Fussgängerstreifen steht und wartet, dass endlich ein Auto – oder Velo – anhält. Erst als der Bub mit einer hellen Stablampe dasteht, hält ein Fahrzeug.

P.S. wohnt bereits seit zwei Jahren an dieser gefährlichen Stelle. «Es ist eigentlich immer so», sagt er. Das Problem ortet er bei der Aufmerksamkeit der Autofahrerinnen und -fahrer. «Wenn wir im Sommer draussen sitzen, können wir zuschauen, wie die Leute hier vorbeirasen. Oft sind die Leute am Handy, einmal war sogar einer am Laptop. Ich finde das unglaublich.»

Debatte über Verkehrssicherheit

Mit dem Video wollte P.S.  – der selber lange im Verkehrsdienst arbeitete – eine Wirkung erzielen: «Ich will, dass man darüber spricht, wie schnell und unaufmerksam viele Autofahrende hier unterwegs sind», sagt er. «Viele denken wohl ‹Hier sind wir ja auf dem Land, hier hat es keine Leute›. Aber hier wohnen auch Menschen, auch hier an der Strasse.» 

Die Infrastruktur ist ihm ebenfalls ein Anliegen: «Ich hoffe, dass Fussgängerstreifen besser gesichert werden. Nicht nur hier, es gibt noch mehr bei uns in der Region. Das bestätigen mir auch Leute, die in der Umgebung wohnen.»

Das denkt das Dorf

20 Minuten hat sich in der Gemeinde umgehört: Claudia R. (41) findet das Video «erschreckend». Die Situation im Zentrum der Gemeinde sei jedoch gut und sie habe dort noch keine gefährlichen Situationen erlebt. «Meinen Kindern bringe ich bei, auf die Strasse zu achten», sagt R.

«Das ist gang und gäbe», sagt Yvonne D. (60). Auch an dem Übergang in der Nähe der Schule halten laut ihr viele Autos nicht an: «Die winken dann entschuldigend, aber fahren einfach weiter. Das regt mich schon auf.»

Vonseiten Kanton heisst es, man überprüfe die Infrastruktur regelmässig. Aufgrund des Videos werde man nun die Überprüfung des Fussgängerstreifens vorziehen. Darüber ist P.S. «sehr froh.»

Halten sich Autofahrer – grundsätzlich – gut an die Verkehrsregeln?

«Selbstvertrauen wieder aufbauen»

Über die Kommentare auf Tiktok ist er jedoch erstaunt: «Es ist spannend, am Anfang gab es eigentlich nur positive Kommentare», sagt P.S. «Irgendwann gabs dann nur noch negative.» Mittlerweile hat er das Video auf Tiktok gelöscht – es hatte über 250’000 Views.

In kritischen Wortmeldungen heisst es, der Bub stehe zu weit von der Strasse entfernt. Dafür hat P.S. kein Verständnis: «Ich habe das gemessen», sagt er. «Es sind 55 cm. Das sollte doch reichen, dass Autos anhalten. Ausserdem ist es gefährlich für Kinder, zu nahe an der Strasse zu stehen.» 

Für seinen Sohn ist es so schwierig, mit dem Strassenverkehr umzugehen: «Wir begleiten ihn immer über die Strasse, lassen ihn aber selbstständig warten, um sein Selbstvertrauen wieder aufzubauen», sagt P.S. «Am Wochenende üben wir mit ihm, den Fussgängerstreifen zu überqueren.»

* Name der Redaktion bekannt.

An diesem Fussgängerstreifen ist das Video entstanden.
Die meisten Befragten in der Gemeinde sind über das Video empört. «Das ist gang und gäbe», sagt Yvonne D. (60) aus Madiswil. 
 «Die Kinder schauen meist selbst nicht richtig. Deswegen muss man beim Autofahren mit dem Kopf bei der Sache bleiben, auf andere schauen und mitdenken», sagt  Monika W. (49) aus Ochlenberg. (Symbolbild)
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An diesem Fussgängerstreifen ist das Video entstanden.

20min/ Mara Wehofsky

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