GeheimdokumenteRussische Regierung hört offenbar besonders gern von FOX-News-Star
Moderator Tucker Carlson sieht in der russischen Invasion nichts Verkehrtes und kritisiert stattdessen die USA. Gemäss geheimen Dokumenten spielt dies dem Kreml in die Hände. Auch eine weitere prominente US-Politstimme ist in die Propaganda-Affäre involviert.
Darum gehts
Der US-Moderator Tucker Carlson erreicht jeden Abend auf dem TV-Sender Fox News ein Millionenpublikum. Seit Wochen äussert er sich skeptisch über die westliche Verurteilung der russischen Invasion der Ukraine und kritisiert stattdessen den amtierenden US-Präsidenten Biden und seine Militärs. Wie das US-Politmagazin Mother Jones nun schreibt, soll die Regierung in Moskau eine Direktive an Medienschaffende im eigenen Land herausgegeben haben, die diese dazu aufruft, Beiträge des US-Moderators möglichst häufig zu verwenden.
Zwei Dokumente, die diesen Monat vom Kreml verschickt worden seien, würden belegen, dass der Kreml den Fox-News-Moderator zu Hause für eigene Propagandazwecke entdeckt hat. Darin heisst es wortwörtlich: «Es ist wichtig, so viel Material wie möglich vom beliebten Fox-News-Moderator Tucker Carlson zu verwenden, der die USA und die Nato regelmässig scharf kritisiert.»
Carlson verbreitet Verschwörungstheorien über Biowaffen
Herausgegeben hat die Dokumente eine Zweigstelle des internen Geheimdienstes. Ein Whistleblower hat sie dann dem US-Portal weitergereicht. Wie das Onlinemagazin schreibt, konnte nicht eruiert werden, welche Effekte die Direktive auf die tatsächliche Berichterstattung hatte.
Carlson macht in den USA seit Wochen mit Russland-freundlichen Aussagen von sich reden. So fragte er seine Zuschauerinnen und Zuschauer Ende Februar: «Wieso wollen die Demokraten, dass ihr Putin hasst? Hat er eine weltweite Pandemie erfunden, die euer Leben zerstört hat? Zwingt er euren Kindern in der Schule einen Lehrplan über Rassismus auf?» Zudem verbreitete er die Theorie, wonach die USA Russland angestachelt hätten, in die Ukraine einzumarschieren, um einen Nato-Beitritt der Ukraine zu legitimieren.
Ehemalige demokratische Präsidentschaftsanwärterin gerät in Kritik
Die mehrseitigen Dokumente aus dem Kreml würden eine ganze Reihe Anliegen, die dem Kreml wichtig seien, auflisten, die russische Medienschaffende betonen sollten, schreibt Mother Jones. Darunter, dass der Westen Kriegsverbrechen gegen Russland begehe und an den eigenen Sanktionen am meisten leiden werde. Ebenfalls Teil der Wunschliste des Kremls sollen Nachrichten über unbestätigte Meldungen sein, wonach die USA in der Ukraine Labore unterhalten würden, in denen gefährliche Biowaffen getestet würden.
Befeuert wurde diese Theorie in Nato-kritischen Kreisen vergangene Woche, als die Beauftragte des Weissen Hauses für die Ukraine, Victoria Nuland, vor dem US-Kongress erklärte, man müsse sich Sorgen machen, dass Biowaffen in die Hände der Russen fallen würden. Der Fox-News-Moderator erklärte daraufhin in seiner Sendung, dies sei der Beweis dafür, dass die USA Biowaffen in der Ukraine stationiert hätten. Die «New York Times» hat dies jedoch als Verschwörungstheorie enttarnt.
Doch auch eine weitere bekannte Stimme im US-Politbetrieb hat die Biowaffen-Theorie verbreitet: Die ehemalige Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard aus dem Bundesstaat Hawaii, welche 2020 kurzzeitig im Rennen für die Nomination ihrer Partei als Präsidentschaftskandidatin eingestiegen war. Auf Twitter schrieb sie am Montag, dass durch die von den USA mitbetriebenen Labore in der Ukraine eine ernsthafte Gefahr ausgehe. Für ihre Äusserungen wurde sie daraufhin scharf kritisiert. Der 2012 als republikanischer Kandidat im Präsidentschaftswahlkampf unterlegene und mittlerweile als Senator für den US-Bundesstaat Utah amtierende Mitt Romney nannte diese «verräterisch».