Sanija Ameti: Das sagen Experten nach Schuss von auf Jesus-Bild

Aktualisiert

Sanija Ameti«Faule Ausrede»: Das sagen Experten nach Schüssen auf Jesus-Bild

Die Chefin der Operation Libero, Sanija Ameti, entschuldigt sich für einen Instagram-Post, der zeigt, wie sie auf eine Darstellung der Jungfrau Maria und deren Kind schiesst. Für Experten ist die Rechtfertigung vor allem eine Ausrede – und ein Zeichen grosser Ignoranz.

Sanija Ameti postete auf Instagram ein Foto, das sie beim Schiessen zeigt.
Als Zielscheibe verwendet sie ein Bild der Jungfrau Maria und des Jesuskindes.
Die Entschuldigung auf Instagram ist für den Kunsthistoriker Gaudenz Freuler bloss eine «faule Ausrede».
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Sanija Ameti postete auf Instagram ein Foto, das sie beim Schiessen zeigt.

Instagram/sanija.ameti

Darum gehts

  • Kürzlich veröffentlichte die Politikerin Sanija Ameti ein Foto auf Instagram, das sie dabei zeigt, wie sie auf ein Bild mit der Jungfrau Maria und dem Jesuskind schiest.

  • Ameti hat sich mittlerweile für die Aktion entschuldigt und den Post gelöscht.

  • Für den Kunsthistoriker Gaudenz Freuler ist das eine «faule Ausrede». Für den Religionswissenschaftler Andreas Tunger zeugt das Ganze von «schlimmer Unkenntnis und Ignoranz».

Sanija Ameti (32) ist GLP-Politikerin, Chefin der Operation Libero und hobbymässige Schiesssportlerin. In einem Instagram-Post zeigte sie, wie sie auf ein Bild der Jungfrau Maria und des Jesuskindes schoss. Sofort folgte grosse Aufregung. Mittlerweile ist der Beitrag gelöscht und Ameti hat sich entschuldigt: Sie habe nur einen Kunstkatalog zur Verfügung gehabt und nicht auf den Inhalt der Bilder geachtet. Es tue ihr von Herzen Leid, falls sie jemanden damit verletzt habe.

«Da fehlen mir die Worte»

«Faule Ausrede», sagt Gaudenz Freuler, der das Bild für das Auktionshaus Koller kunsthistorisch analysiert hat. «Jedes Kunstwerk religiösen Inhaltes – egal ob, wie im in Rede stehenden Gemälde, ein Madonnenbild des Mittelalters oder eine Skulptur eines Buddha oder Moses – ist mit einer starken religiösen Symbolik besetzt.

«Erschiesse» man auf einem Abbild die Madonna und ihr Kind, und stelle diesen Akt anschliessend dümmlich ins Netz, dann müsse jedem, insbesondere einer Person mit Universitätspromotion, klar sein, dass man damit eine gewisse Personengruppe verletze und viel Raum für Spekulationen rund um die Absichten lasse, sagt der emeritierte Professor für Kunstgeschichte. «Das eine ist, so etwas einfach in einem Anfall geistiger Benebelung, privat zu tun. Etwas anderes allerdings, den ganzen Vorgang narzisstisch in den sozialen Medien zu posten, da fehlen mir die Worte.»

Das ist das Bild

Andreas Schalbetter, Jesuit und ausgebildeter Kommunikationsberater, findet die Aktion Ametis irritierend und erschreckend. Er spricht von einer gewalttätigen und aggressiven Symbolsprache und vergleicht die Aktion Ametis mit einer magischen Handlung wie der Voodoo-Praxis.

«Gott wird für uns Christen erfahrbar in Jesus Christus. Christliche Bilder und Ikonen fassen den Glauben zusammen und versinnbildlichen ihn», sagt Schalbetter. Ein Bildnis von Jesus und Maria mit einer Schusswaffe zu durchlöchern verletze die Gefühle von Christen. Das Posten des Bildes sei eine geschmacklose Handlung.

Über die Motive könne er nur rätseln. «Gemäss Darstellung von Frau Ameti war ihre Handlung unüberlegt und zufällig. Die Familie von Ameti ist vor dem Krieg im heutigen Bosnien in die Schweiz geflüchtet.» Vor diesem Hintergrund, wo Religionen und Ethnien aufeinanderprallten, benötigten wir eine andere Symbolsprache: nicht jene der Gewalt, sondern der gegenseitigen Achtung.

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«Zeugt von schlimmer Unkenntnis»

Auch der Religionswissenschaftler Andreas Tunger-Zanetti findet Ametis Aktion problematisch. Menschen, die sich der christlichen Tradition verbunden fühlten, müssten sich fast zwangsläufig verletzt fühlen. «Es sind zentrale Figuren ihres Glaubens, die dort mit Schusslöchern im Kopf gezeigt wurden. Selbst wenn der Anteil gläubiger Christen an der Gesellschaft winzig wäre, wäre die ganze Sache inakzeptabel.» Immerhin habe sich Ameti sofort entschuldigt. «Trotzdem kann ich über die Schiessübung selbst wie auch über den Instagram-Post nur den Kopf schütteln.»

Auch wenn Ameti das Bild tatsächlich nicht als religiöse Darstellung erkannt haben sollte, mache das die Sache nicht besser. «Das zeugt das von schlimmer Unkenntnis und Ignoranz, die einer Politikerin schlecht ansteht.» Noch schockierender als die religiösen Aspekte sei für ihn aber etwas anderes. «Egal, ob religiös oder nicht, schon das Schiessen auf menschliche Darstellungen finde ich höchst fragwürdig.»

Bei der GLP könnte es für Sanija Ameti eng werden

Wird die Affäre Ameti ihre Ämter kosten? Ein Kenner der politischen Szene meint: «Es kann sein, dass es bei der GLP eng wird für sie. Aber bei der Operation Libero ist es durchaus denkbar, dass man das goutiert.» Die Operation Libero habe sich längst aus den Gefilden der Mehrheitsfähigkeit verabschiedet und sei dafür eine umso verschworenere Nischentruppe geworden. Ameti und die Operation Libero gaben am Sonntag gegenüber 20 Minuten keine Stellungnahme ab.

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