Tradition im Militär: Schikane und Sexismus in Bière aufgedeckt

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Schweizer ArmeeWachtmeister zwingt Rekruten dazu, Steine mitzuschleppen

In Bière wurde eine Schikane aufgedeckt, bei der die Rekruten einen Stein mit sich schleppen mussten. Auf dem Stein sind zudem auch sexistische Bilder zu sehen.

In Bière soll ein «Nef-Stein» für Schikane der Rekruten sorgen. Er wird eingesetzt, damit sie ihre Uniform ordnungsgemäss tragen. Ist dies nicht der Fall, müssen sie den Stein mit sich herumschleppen. (Symbolbild)
Auf dem Stein sind sexistische Zeichnungen zu sehen. Die Vorkommnisse werfen Fragen zur Kultur im Schweizer Militär auf. (Symbolbild)
Die Führung der Schweizer Armee versucht, solche Bräuche zu unterbinden. (Symbolbild)
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In Bière soll ein «Nef-Stein» für Schikane der Rekruten sorgen. Er wird eingesetzt, damit sie ihre Uniform ordnungsgemäss tragen. Ist dies nicht der Fall, müssen sie den Stein mit sich herumschleppen. (Symbolbild)

VBS/DDPS

Darum gehts

  • In einer Rekrutenschule in Bière wurden Schikane und Sexismus aufgedeckt, die ein Licht auf die weitere Verbreitung davon im Militär werfen.

  • «Nef-Steine» sollten Rekruten zu Kleidungsordnung disziplinieren, indem sie sie mit sich herumschleppen mussten.

  • Auf den Steinen wurden zudem sexistische Darstellungen von Frauen abgebildet.

An der Rekrutenschule in Bière deckte ein Whistleblower Schikane und Sexismus im Militär auf. Dabei sollen Rekruten, die ihre Uniform nicht ordentlich tragen, gezwungen werden, einen Stein mit sich herumzuschleppen, bis sie einen Fehler bei einem Kameraden entdecken.

Die Steine, die dafür verwendet werden, sind mit Filzstiften bemalt und zeigen sexistische Darstellungen von Frauen. Der Brauch veranlasse die Rekruten dazu, sich gegenseitig anzuschwärzen, impliziert der Whistleblower im Gespräch mit der NZZ.

Bräuche sollen Ordnung halten

«Tenue Nef», heisst es, wenn ein Rekrut seine Uniform nicht ordnungsgemäss trägt. Denn dann ist der Auftrag «nicht erfüllt» (Nef). Grund dafür kann ein offengelassener Reissverschluss sein, oder eine Kopfbedeckung, die nicht richtig aufgesetzt wurde. Um die Kleidungsdisziplin der Rekruten zu fördern, gibt es einen «Nef-Stein».

Trägt ein Rekrut sein Tenue nicht korrekt, muss er einen unhandlichen, schweren Stein bei sich tragen, bis er einen Fehler im Tenue eines Kameraden entdeckt und ihm den Stein abgeben kann.

Sexismus im Militär-Alltag

Problematisch am «Nef-Stein» von Bière ist jedoch nicht nur die Schikane, für die er benutzt wird, sondern auch seine Aufmache. Auf dem Stein abgebildet ist eine Frau mit knallroten Lippen und einem aufdringlichen Décolleté – Augen hat sie keine. Auf einem zweiten Stein, der in Bière offenbar gebraucht wurde, ist eine übergewichtige «Dora the Explorer» («Dora, die Entdeckerin») in knappen Kleidern abgebildet.

Sexismus ist offenbar noch immer Teil des militärischen Alltags. Das ist auch im Sprachgebrauch erkennbar. So verweist die NZZ zum Beispiel auf «das Mutterschiff» – der Rollkoffer, an dem alle anderen Taschen angebracht werden können. Diese wird im Militär-Jargon mit viel Freude mit «MuSchi» abgekürzt. Der Tagesrucksack wird zwar offiziell TaRuSa genannt, aber unter den Rekruten und Soldaten ist eine andere Bezeichnung weiter verbreitet: Kinderschänder – dies, weil man mit ihm aussähe wie eben ein Kinderschänder.

Was hältst du von Bräuchen und Traditionen im Schweizer Militär?

Auf Anfrage der NZZ nahm die Armee Stellung zu den Befunden in Bière: «Die Armeeführung toleriert keine Fälle von Diskriminierung, Sexismus, Belästigung oder anderen Formen der Verletzung der menschlichen Würde und will, dass konsequent dagegen vorgegangen und nicht weggeschaut wird.» Ausserdem führte sie offenbar auch ein Belehrungsgespräch mit dem Verantwortlichen von diesem Fall.

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