Schweizer NewcomerinRapperin Godella: «Uri ist kein Ghetto, aber ich bin Ghetto»
Im Interview mit 20 Minuten spricht Godella über einen Sexismus-Vorfall, der ihr fast die Hoffnung auf eine Musikkarriere nahm. Zudem erzählt sie von ihrer Kindheit in Erstfeld.
Darum gehts
Godella (25) ist Rapperin und wuchs in Uri auf.
Dort fiel sie schon in jungen Jahren mit ihrer Art auf. Dies führte mitunter auch zu negativen Reaktionen.
Seither trage sie eine Aggressivität mit sich rum, die sie in ihren Raps rauslassen könne.
Aggressiv und ernst: So trat Godella am Cypher 2024 auf. Mit ihrem Rap machte sie auf sich aufmerksam. 20 Minuten verrät die 25-Jährige, welche Person dahintersteckt.
Gabriela, so Godellas gebürtiger Name, wuchs in Erstfeld im Kanton Uri auf. «In meiner Kindheit wurde mir oft das Gefühl gegeben, dass ich anders sei», erinnert sie sich. «Uri ist kein Ghetto, aber ich bin Ghetto», fügt sie lachend an.
Schon als Jugendliche rappte und freestylte sie auf dem Pausenhof, womit sie aneckte. «Ich wurde gemobbt und daraus entstand, glaube ich, diese Aggressivität in mir. Meine Eltern mussten oft für Gespräche in der Schule antanzen», erinnert sie sich.
Die Musikerin fand ein Ventil im Rap. «Godella ist eine Seite von mir, eine Art Alter Ego. In meinen Liedern kann ich die Aggressivität in mir rauslassen», meint sie. Gleichzeitig betont Gabriela aber, dass sie auch eine sanfte und emotionale Seite habe.

Rapperin Godella im Interview mit 20 Minuten.
20min/Matthias SpicherNach ihrem Auftritt am Cypher bekam sie viele positive Reaktionen aus ihrem Heimatkanton. «Die Leute schrieben mir, sie seien stolz darauf, wie ich Uri repräsentiere. Das zu hören, hat die Wunden aus meiner Kindheit geheilt», meint die Rapperin mit Wurzeln in Serbien und Kroatien.
Godella macht nicht nur Musik auf Schweizerdeutsch. Einst stand sie in Serbien kurz vor dem Durchbruch: «Dann musste ich aber an eigener Haut feststellen, wie eklig das Musik-Business für Frauen sein kann. Es wurde erwartet, dass ich mit einer anderen Währung als Geld für die Hilfe, die mir erbracht wurde, bezahle», so die 25-Jährige.
«Ich bin überrascht, wie gross die Akzeptanz für mich als primitive Strassenrapperin ist.»
Auch auf Social Media bekomme sie immer wieder sexistische Kommentare zu hören. Für Godella seien diese aber nicht der Rede wert. «Personen, die Dinge wie: ‹Mach besser die Spülmaschine zu›, schreiben, sind keine Männer in meinen Augen, sondern kleine Jungs.» In der Schweizer Rapszene fühle sie sich aber wohl. «Ich bin überrascht, wie gross die Akzeptanz für mich als primitive Strassenrapperin ist», erzählt sie.
Dennoch gebe es Dinge, die sie insbesondere am Publikum störten: «Wenn man mich auf meine gemachten Brüste reduziert, nervt das schon. Fokussiert euch auf meine Rap-Skills.» Bei männlichen Rappern stehe schliesslich auch die Musik im Zentrum. Sie wolle sich auch nicht nur mit Frauen im Business messen, sondern mit allen.
Godella bringt bald eine EP raus
Der Auftritt am Cypher habe Godella bewiesen, dass es einen Platz für sie in der Schweizer Rapszene gebe. Sie hat zwar aktuell noch einen anderen Job, möchte ihren Songs aber mehr Aufmerksamkeit schenken. «Von der Musik zu leben ist mein Traum, der Traum von meinem Mami und von meinem Umfeld», meint sie.
Die Erlebnisse im serbischen Musik-Business hätten sie jedoch vorsichtig werden lassen. «Aktuell arbeite ich aber am Release einer EP», verspricht sie. Diese entstehe in einem Stall mitten auf dem Land, den ihre Kollegen in ein Studio umgebaut haben.
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