TechnologieSo grün ist die künstliche Intelligenz
Der Trend zu künstlichen Intelligenzen wie ChatGPT hält an. Was vielen nicht bewusst ist: Die KI-Systeme verbrauchen Unmengen an Energie – doch sie können das Klima auch positiv beeinflussen.

Künstliche Intelligenzen verbrauchen Unmengen an Energie. Jedoch bieten sie auch Potential im Kampf gegen den Klimawandel: Prozesse können beschleunigt werden.
Darum gehts
Zwischen 2012 und 2018 ist die Rechenleistung von künstlichen Intelligenzen um das 300’000-fache gestiegen – und somit auch der Energieverbrauch. «Hält der Trend weiter an, könnte die künstliche Intelligenz wesentlich zum Klimawandel beitragen», sagt Benjamin Kandig von der Universität Kopenhagen.
US-Wissenschaftler kamen derweil zum Schluss: Die Entwicklung mancher KI-Systeme stosse unter bestimmten Umständen so viel CO2 aus wie 125 Flüge von New York nach Peking und zurück.
Die künstliche Intelligenz bietet aber auch Potential im Kampf gegen den Klimawandel. Unternehmen können beispielsweise ihre Prozesse beschleunigen und so ihren CO2-Ausstoss verringern oder es können über schnellere Datenanalysen rascher neue Erfindungen gemacht werden.
Der ehemalige Cambridge-Professor Simon Redfern hält jedoch fest: Es liegt an den Menschen, die richtigen Wege einzuschlagen. Sobald diese gefunden sind, kann künstliche Intelligenz helfen, rascher ans Ziel zu kommen.
«Mein Ziel ist es, Menschen dazu zu ermutigen, ihr Verhalten zu ändern und einen positiven Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen zu leisten.» So antwortet ChatGPT auf die Frage, wie sie selbst zum Kampf gegen den Klimawandel beiträgt. «Ich stelle Informationen über nachhaltige Praktiken und den Einsatz erneuerbarer Energien bereit.» Was ChatGPT verschweigt: Allein die Entwicklung seiner dritten Version hat vermutlich so viele Treibhausgase generiert wie eine Autofahrt zum Mond und zurück.
Der Boom von künstlichen Intelligenz-Systemen wie ChatGPT hält an. Zwischen 2012 und 2018 sind die benötigten Computerleistungen für KI um etwa das 300'000-fache gestiegen – und somit auch ihr Energiebedarf. «Hält dieser Trend weiter an, könnte die künstliche Intelligenz wesentlich zum Klimawandel beitragen», sagt Benjamin Kandig von der Universität Kopenhagen auf Aibusiness.com. Und US-Wissenschaftler halten fest, dass die Entwicklung mancher KI-Systeme unter bestimmten Umständen so viel CO2 ausstosse wie 125 Flüge von New York nach Peking und zurück, wie Techwireasia.com berichtet.
Positiver Einfluss möglich
«Künstliche Intelligenz kann die Umwelt aber auch positiv beeinflussen», hält die KI-Ethikerin Sarah Khatry beim WEF entgegen. Die UNO hat 17 Nachhaltigkeitsziele definiert. Zu diesen gehören unter anderem verantwortungsvoller Konsum, nachhaltige Städte und der Kampf gegen den Klimawandel. Eine Studie aus dem Jahr 2020 kam zum Schluss, dass KI-Systeme fast alle dieser 17 UNO-Ziele positiv beeinflussen können.
Um den Einfluss von KI aufzuzeigen, verweist Khatry auf das Beispiel Zement. Zement ist einer der wichtigsten Bestandteile von Beton. Schätzungsweise acht Prozent der globalen CO2-Emissionen gehen auf seine Herstellung zurück. Auch in der Schweiz sind es Zementwerke, die mit Abstand am meisten Treibhausgase verursachen. Für Khatry ist klar: «Es besteht eindeutig Bedarf, die Effizienz zu verbessern.»
Der Mensch ist das Gewissen
Erste Zementwerke arbeiten dazu bereits mit KI-Systemen. Khatry rechnet vor: Setzt ein mittelgrosses Werk in der Qualitätskontrolle auf künstliche Intelligenz, kann das den CO2-Ausstoss um bis zu 7000 Tonnen CO2 pro Jahr reduzieren. Das entspreche einer Menge, wie sie 320'000 Bäume in derselben Zeit absorbieren.
Auch der ehemalige Cambridge-Professor Simon Redfern sieht Möglichkeiten, wie KI beim Kampf gegen den Klimawandel helfen kann. In einem Video der britischen BBC hält er fest: KI kann neue Wege eröffnen, wie wir Energie generieren. «Thomas Edison hat die Glühbirne erfunden», sagt Redfern. Dazu habe Edison Tausende von Materialien getestet, um irgendwann jenes zu finden, das am besten funktioniert. Mit der künstlichen Intelligenz können Millionen von Möglichkeiten ausprobiert werden – um einiges schneller als im Labor. Redfern hält jedoch fest, dass KI ein Mittel und kein Experte sei. Es liege an den Menschen, die richtigen Wege einzuschlagen. Sobald diese gefunden sind, könne künstliche Intelligenz helfen, rascher ans Ziel zu kommen.
Der Weg zu grünerer KI
Dem dürfte sich auch Timnit Gebru anschliessen. Die äthiopische Computerwissenschaftlerin wurde 2022 vom Time Magazin zu einer der 100 einflussreichsten Personen der Welt gewählt und hat Googles Ethik-Team zur künstlichen Intelligenz geleitet – bis sie wegen der Veröffentlichung einer Studie ihren Job verlor. In dieser Studie verwies sie auf das Risiko, dass grosse KI-Systeme wie jene von Google bestehende Ungleichheiten vergrössern und Rassismus verbreiten könnten. Und sie benannte das Problem des massiven Energieverbrauchs von künstlicher Intelligenz. Während Gebru sagt, diese Probleme seien noch immer nicht gelöst, betonen die Branchengrössen Google, Microsoft und Amazon, dass ihr Ziel in klimaneutralen KI-Systemen bestehe. Klimaneutralität wird beispielsweise dadurch erreicht, dass Rechenzentren mit Solar-, Wind- oder Wasserenergie betrieben werden.
Und was meint ChatGPT selbst dazu? «Ich werde umweltfreundlicher, indem ich meinen Energieverbrauch und meine Rechenleistung optimiere, um effizienter zu arbeiten und weniger Ressourcen zu verbrauchen.»
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