Hohe Preise wegen plötzlichem Strommangel drohen in Zukunft häufiger

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SolarstromHohe Preise wegen plötzlichem Strommangel drohen in Zukunft häufiger

Der Schweiz fehlte kürzlich auf einmal viel Strom. Nächstes Jahr dürfte der Strom deshalb teurer werden.

Kürzlich sorgte schlechtes Wetter für ein enormes Stromdefizit.
Der Solarstromausbau dürfte das Problem noch verstärken.
Denn die Prognosen sind oft nicht aktuell. Bei plötzlich auftretendem schlechtem Wetter gibt es zu wenig Strom.
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Kürzlich sorgte schlechtes Wetter für ein enormes Stromdefizit.

Julian Stratenschulte/dpa

Strommangel: Darum gehts

  • Am 22. April gab es plötzlich ein Defizit im Stromnetz.

  • Schlechte Wetterprognosen und der Solarstromausbau verschärfen das Problem.

  • Dann müssen die Versorger Mondpreise bezahlen.

Der Schweiz fehlte am 22. April plötzlich Strom in der Grösse eines grossen Atomkraftwerkes. Der Mangel war enorm. Experten vom Energiedienstleister Ompex können sich an kein grösseres Defizit im Stromnetz erinnern.

Schuld daran waren veraltete Daten zur Einspeisung von Photovoltaik-Anlagen. Nach tagelangem Sonnenwetter waren die Solarmodule an diesem Montag plötzlich eingeschneit. Deshalb musste die nationale Netzgesellschaft Swissgrid teuren Extra-Strom von Kraftwerken zukaufen. Die Preise waren laut Schätzungen von Ompex 170-mal teurer als normal.

In Zukunft normal?

Solche Situationen könne es mit dem Zubau von PV-Anlagen in Zukunft vermehrt geben, wenn die Daten und Prognosen zur PV-Einspeisung bei kurzfristigen Wetterveränderungen nicht entsprechend aktualisiert würden, sagt Kaspar Haffner von der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid zu 20 Minuten. «Je mehr Solarstrom, desto mehr droht uns wieder so etwas, wenn wir keine besseren Prognosen haben», so Haffner.

Swissgrid arbeite intensiv an innovativen Lösungen, aber die ganze Branche sei gefordert, an besseren Daten und Prognosen zu arbeiten. Das Problem sei die Aktualität. «Wenn es am Freitag eine Prognose gibt und das Wetter am Montag dann schlechter ist wie am 22. April, kann es grosse Abweichungen geben», so Haffner.

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Ein Blackout, also ein kompletter Zusammenbruch des Stromnetzes, drohe zwar nicht. Notfalls könne die Schweiz auch Strom aus der EU beziehen. Langfristig schaffe hier ein Stromabkommen Rechtssicherheit. Auch die Politik unterstützt ein solches Vorhaben. Die zuständige Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie spricht sich für eine technische Zusammenarbeit im grenzüberschreitenden Betrieb aus.

Doch der Strom könnte nun wieder deutlich teurer werden. Allein dieser Vorfall soll laut Ompex 20 bis 30 Millionen Franken gekostet haben.

Nächstes Jahr wirds teurer

Die höheren Kosten spürten die Menschen aber erst im nächsten Jahr, wenn die Versorger die Differenz auf sie umwälzten, sagt Philipp Wuillemin vom Energiedienstleister Ompex. Die Kosten dürften dann um einige Rappen pro Kilowattstunde steigen. Schon dieses Jahr stiegen die Durchschnittskosten laut der Eidgenössischen Elektrizitätskommission pro Haushalt um fast fünf Rappen auf 32,14 Rappen pro Kilowattstunde.

Die Schweiz brauche ein besseres Preissystem, das am Markt orientiert sei, sagt Wuillemin. Derzeit gebe es für unerwartet zu viel produzierten Strom eine viel schlechtere Belohnung im Vergleich zu den horrenden Preisen bei zu wenig Strom.

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