Sollen Studenten die Uni-Kosten zurückzahlen?

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Bei TeilzeitarbeitSollen Studis Uni-Kosten zurückzahlen? So teuer ist ein Studium wirklich

Weil immer mehr Menschen in der Schweiz Teilzeit arbeiten, fehlen dem Staat Steuereinnahmen. Nun will ein Bildungsökonom Studenten zur Kasse bitten.

Das Studium zurückzahlen? Das sagen Studentinnen und Studenten der Universität Zürich.

20min

Darum gehts

  • Menschen in der Schweiz arbeiten immer weniger.

  • So nimmt der Staat weniger Geld ein.

  • Ein Bildungsökonom schlägt vor, dass Studierende, die zu wenig arbeiten, die Kosten für ihr Studium wieder zurückzahlen müssen.

  • Studentinnen und Studenten an der Universität Zürich halten wenig davon.

Die durchschnittliche Arbeitszeit ist in der Schweiz in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen: Laut Bundesamt für Statistik (BFS) beträgt sie noch 31 Stunden pro Woche. Grund dafür ist vor allem der bei Männern gestiegene Anteil an Teilzeitarbeit.

Das reduzierte Pensum verstärke den Fachkräftemangel und bringe weniger Geld für Steuern und AHV, sagt Bildungsökonom Stefan Wolter von der Uni Bern zur «SonntagsZeitung». Den Trend zur Teilzeitarbeit stellt er vor allem bei Gutausgebildeten mit hohem Lohn fest – und immer mehr Leute studieren bei steigenden Kosten (siehe Grafik).

Wer viel verdiene, könne es sich leisten, Teilzeit zu arbeiten, so Wolter. Auch die Steuerprogression kann dazu verleiten – für tiefe Einkommen ist der Steuersatz tiefer. Der Bildungsökonom fordert deshalb, dass Studierte dem Staat Geld zurückzahlen, wenn sie bis zur Pension zu wenig arbeiten, um die Kosten wieder reinzuholen.

Wenn der Kassierer die Ärztin quersubventioniert

Sonst könne es sein, dass der Kassierer die Ärztin quersubventioniert, sagt Wolter zu 20 Minuten. Die Ärztin verdiene mit reduziertem Pensum zwar immer noch mehr als der Kassierer, aber das mehr an bezahlten Steuern werde nicht ausreichen, um die Kosten fürs Studium wieder zu kompensieren.

Amerikanische Verhältnisse, wo Studierende die Kosten für die Ausbildung jahrelang abzahlen müssen und fast nur die Reichsten studieren können, befürchtet Wolter nicht: «Genau das Gegenteil wäre der Fall.» Sein Vorschlag garantiere, dass sich Studierende nicht verschulden müssten, weil sie ihr Studium eben nicht mit hohen Studiengebühren bezahlen müssten.

Wenn jemand gut verdiene und ein günstiges Studium ausgewählt habe, sei bei diesem Modell auch Halbtagsarbeit möglich, ohne dass eine Rückzahlung drohe. Anders wäre es bei teurem Studium (siehe Bildstrecke) und dauerhaftem Pensum unter 70 Prozent mit tiefem Lohn.

Studieren ist in der Schweiz im Vergleich zu vielen anderen Ländern noch immer günstig.
Obwohl die Studiengänge den Staat viel Geld kosten. So teuer waren die Kosten der Grundausbildung pro studierende Person im Jahr 2021 laut Bundesamt für Statistik, ohne die Ausgaben für die Forschung:
Platz 10: Technik und IT: 33'400 Franken
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Studieren ist in der Schweiz im Vergleich zu vielen anderen Ländern noch immer günstig.

20min/Marco Zangger

12,7 Milliarden Franken fürs Studium

Die Kosten fürs Studium an der Universität, Fachhochschule oder Pädagogischen Hochschule mit insgesamt 66’962 Vollzeitstellen betrugen 2021 laut Bundesamt für Statistik 12,79 Milliarden Franken, davon neun Milliarden von den Unis. 40 Prozent der Kosten bezahlt der Bund, 41 Prozent die Kantone und 19 Prozent der Privatsektor.

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Das sind die zehn teuersten Studiengänge in der Schweiz

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