Kanton SolothurnLiebesbetrüger wollte ihr Geld – Marie spielte mit
Ein Online-Betrüger versuchte, Marie um 2000 Franken zu bringen. Die 55-Jährige durchschaute das Spiel und liess ihn am Ende ins Leere laufen.

Solothurn: Marie war auf der Suche nach einer neuen Partnerschaft, als sie auf einen Liebesbetrüger stiess. (Symbolbild)
20min/Celia NoglerDarum gehts
Marie aus dem Kanton Solothurn kam online mit einem Liebesbetrüger in Kontakt.
Statt darauf hereinzufallen, machte sie mit ihren Kindern ein Spiel daraus.
Der Betrüger schrieb ihr monatelang, bevor er Geld forderte.
Als sie ihm einen gefälschten Überweisungsbeleg schickte, wurde er «ungeduldig und unheimlich».
Marie meldete den Fall der Polizei und beendete den Kontakt.
Sie warnt davor, wie viele einsame Menschen auf solche Betrüger hereinfallen.
Heutzutage sind Liebesbetrüger auf allen möglichen Plattformen anzutreffen. Auch Marie* aus dem Kanton Solothurn ist auf der Suche nach einer neuen Beziehung auf einen Liebesbetrüger gestossen. Lange ging es nicht, bis ihr auffiel, dass es sich um einen Betrug handelt – und prompt den Spiess umdrehte.
Solothurn: Frau macht aus Liebesbetrug ein Spiel
Kennen gelernt habe Marie den Betrüger auf einer bekannten, kostenpflichtigen Dating-Webseite. «Mir wurde auf durchaus seriösen und teuren Seiten bald klar, dass ein erstaunlich grosser Anteil der Teilnehmer auf der Jagd nach älteren Frauen war – oder besser gesagt, deren Vermögen», sagt die 55-Jährige zu 20 Minuten. Es sei offensichtlich erfolgversprechend, «einer Dame vorzuspielen, man hätte sich auf den ersten Blick in ihre wunderschönen Augen verliebt».

Der Mann schrieb Marie nach einiger Zeit sogar mehrere Male am Tag, erzählt sie.
IMAGO/DepositphotosMit ihren erwachsenen Kindern machte sie aus der Kontaktaufnahme des Betrügers ein Spiel. «Ich liess mir also von einem sehr attraktiven englischen Geschäftsmann, der gerade in den USA für Handelsgeschäfte mit Diamanten unterwegs war, den Hof machen», sagt sie.
Es sei ihr ein Spass gewesen, nach dem Essen zusammen mit ihren Kindern verliebte Texte zu verfassen. «Wir fingen an, Wetten abzuschliessen, wie lange es wohl dauern würde, bis er plötzlich flüssige Finanzen brauchte», so Marie. «Es dauerte erstaunlich lange – der Typ hatte Ausdauer.» Drei Monate lang habe er mit ihr geschrieben.
Das sagt die Expertin
«Ob sich jemand bewusst auf einen Scammer einlässt oder nicht, muss jeder für sich entscheiden», so Beatrice Kübli von der Schweizerischen Kriminalprävention zu 20 Minuten. «Ermittlungsarbeiten hingegen sollten in jedem Fall der Polizei überlassen werden», ergänzt sie.
Sie rät betroffenen Menschen, den Kontakt abzubrechen, das betrügerische Profil der Plattform zu melden und allenfalls die Polizei über den Betrugsversuch zu informieren.
Es sei gut möglich, dass der Scammer selbst unter Druck gesetzt wurde. «Es gibt verschiedene Gruppierungen. Die einen machen es freiwillig, verlieren aber ohne Erfolg an gesellschaftlichem Ansehen. Andere werden hingegen in ‹Betrugsfabriken› zu dieser Arbeit gezwungen und müssen entsprechende Ergebnisse vorweisen», so Kübli.
Plötzlich kam die Notlage
«Und plötzlich kam sie, die Notlage», erzählt sie. «Es ging um einen, im Verhältnis zu seinen Millionengeschäften, lächerlichen Betrag von etwa 2000 Franken, die er brauchte, um eine Diamantenlieferung zu ermöglichen.» Dann sei der Betrüger ungeduldig geworden. «Wir hielten ihn ein paar Tage hin und machten ihm Hoffnung.»
Sie habe ihm auch einen gefälschten Beleg mit einer angeblichen Überweisung gesendet. «Dann wurde es richtig ungemütlich. Ich vermutete, dass er selbst extrem unter Druck war und vielleicht seinerseits auch bedroht wurde.»

Nachdem es «unheimlich» wurde, brach Marie den Kontakt ab.
Karl-Josef Hildenbrand/dpaIm Anschluss sei es auch «unheimlich» geworden, und Marie meldete das Ganze der Polizei. «Diese konnte allerdings nicht wirklich etwas unternehmen und ermahnte mich, ja kein Geld zu überweisen. Offenbar sind solche Meldungen alltäglich und in erster Linie ärgerlich.»
Einschüchterndes Ende
Um der Geschichte ein Ende zu setzen, gab sich Marie als Polizistin aus und wurde kurzerhand vom Betrüger blockiert. «Die ganze Geschichte hatte irgendwie lustig begonnen, aber sehr einschüchternd geendet», sagt Marie.
Hast du schon einmal einen Liebesbetrüger online getroffen?
Der Gedanke daran, wie viele einsame Menschen auf diese Weise ausgenutzt und enttäuscht werden, bedrücke sie. «Die Meisten werden sich wohl niemanden anvertrauen und das Ganze als riesige Peinlichkeit vertuschen. Ich war und bin dankbar, in einer Familie und einem tollen Freundeskreis eingebettet zu sein.» Inzwischen sei Marie wieder in einer «schönen Partnerschaft» – und zwar mit keinem Diamantenhändler.
*Name geändert
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