Ex-Präsident der SVP Buchs als Mitglied der Jungen Tat geoutet

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Buchs SGSt. Galler SVP-Politiker distanzieren sich von Junge-Tat-Mitglied

Der ehemalige Präsident der SVP Buchs und Vizepräsident der Jungen SVP des Kantons St. Gallen ist Mitglied der Neonazi-Gruppe Junge Tat. Ehemalige SVP-Weggefährten sind schockiert und distanzieren sich.

Er war Ex-Parteipräsident der SVP Buchs, ehemaliger Vizepräsident der Jungen SVP St. Gallen – und Mitglied der Neonazi-Gruppe Junge Tat.
Für seine Zugehörigkeit der rechtsextremen Gruppierung wurde der 28-Jährige nun aus der SVP ausgeschlossen.
Er war unter anderem an der Coronademonstration im Januar 2022 bei der Aktion der Jungen Tat zuvorderst mit dabei.
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Er war Ex-Parteipräsident der SVP Buchs, ehemaliger Vizepräsident der Jungen SVP St. Gallen – und Mitglied der Neonazi-Gruppe Junge Tat.

Privat

Darum gehts

  • Der Ex-Präsident der SVP Buchs SG und ehemalige Vizepräsident der JSVP St. Gallen wurde als Mitglied der Jungen Tat geoutet.

  • Die Neonazi-Gruppierung ist für ihre extremen Aktionen bekannt.

  • Ehemalige SVP-Parteikollegen distanzieren sich vom Buchser.

Der ehemalige Präsident der SVP Buchs SG und Ex-Vizepräsident der Jungen SVP (JSVP) St. Gallen ist Mitglied der Neonazi-Gruppe Junge Tat. Die rechtsextreme Gruppierung, die besonders auf Social Media aktiv ist, organisiert Wanderungen, Boxtrainings, aber auch andere, teils extreme, Aktionen. Mitte Oktober sabotierte die Gruppe eine Veranstaltung im Zürcher Tanzhaus, an der Dragqueens Kindergeschichten vorlasen. 

Im Mai letzten Jahres wurde der 28-Jährige bereits auf einer Online-Plattform mit Namen, Adresse und E-Mail-Kontaktdaten geoutet. Ende Januar 2022 nahm er bei einer Coronamassnahmen-Demonstration in Bern teil. Beim Umzug hatte sich die Junge Tat gemeinsam mit über 30 weiteren Neonazis an die Spitze gestellt. Dabei trugen sie, darunter auch der Buchser Ex-SVP-Präsident, ein rotes Banner mit der Aufschrift «Jetzt ist Schluss!».

«Hätte nie so etwas von ihm erwartet»

Der 28-Jährige war bereits früher politisch aktiv. Zusammen mit SVP-Nationalrat Mike Egger und SVP-Kantonsrat Sascha Schmid gründete er 2015 das Komitee «Sichere Grenzen im Rheintal», er war Vizepräsident der Vereinigung Egger und Schmid Co-Präsidenten. 2018 war der 28-Jährige Präsident der SVP Buchs SG und trat nach einem Jahr Amtszeit zurück, wie das «St. Galler Tagblatt» schreibt. Die ehemaligen Politik-Weggefährten sind schockiert über den radikalen Gesinnungswechsel des 28-Jährigen.

«Ich habe nichts von seiner Radikalisierung mitbekommen», sagt Dominic Büchler, ehemaliger St. Galler Kantonsrat und damaliger Vizepräsident der SVP Buchs SG. Er sei damals Vizepräsident der SVP Buchs SG geworden, um den 28-Jährigen zu unterstützen. «Er machte einen motivierten und kompetenten Eindruck», so Büchler. Nach einem Jahr als Präsident habe er 2019 das Amt abgegeben und sei kurz darauf aus der SVP ausgetreten. «Ich übernahm das Präsidium und habe seither nichts mehr von ihm gehört», sagt Büchler. 

Den genauen Grund kennt der ehemalige Kantonsrat nicht. Erst vor kurzem hat er von der Radikalisierung des 28-Jährigen gehört und sei erschrocken. «So etwas hätte ich nie von ihm erwartet. In meiner Zeit als Vizepräsident haben wir zwar gemerkt, dass er nicht immer SVP-linientreu unterwegs war und dass unsere Meinungen verschieden waren», sagt Büchler. Doch dies sei weit entfernt von einer Radikalisierung gewesen und dies hätte die SVP Buchs auch nicht geduldet.

«Extreme Gesinnungen haben keinen Platz in der SVP»

Mike Egger, Sascha Schmid und der Buchser waren auch gemeinsam Mitglieder der JSVP. 2016 trat Egger als JSVP-Präsident zurück, Sascha Schmid übernahm das Präsidium, während der 28-Jährige Vizepräsident wurde. 2019 trat er vom Vizepräsidium zurück. Sascha Schmid, der während mehrerer Jahre gemeinsam mit dem Buchser Politik machte, bekam dessen Radikalisierung nicht mit. «Zwar kam er länger nicht mehr an Sitzungen und beteiligte sich auch nicht mehr am Parteigeschäft, der Kontakt wurde weniger», so Schmid zu 20 Minuten.

Es sei dennoch eine grosse Überraschung gewesen, als er von der Radikalisierung des 28-Jährigen hörte. «Wir erhielten 2020 einen anonymen Tipp, dass er in rechtsradikalen Kreisen verkehre», sagt Schmid. Dem Hinweis sei sofort nachgegangen worden und der Verdacht habe sich bestätigt. «Wir stellten ihm dann die Wahl, selber zurückzutreten oder aus der Partei ausgeschlossen zu werden», sagt der SVP-Kantonsrat. Der 28-Jährige sei dann von sich aus zurückgetreten. «Extreme Gesinnungen jeglicher Art haben keinen Platz bei uns», sagt Schmid.

Nationalrat Mike Egger teilte gegenüber dem «Tagblatt» mit, dass die JSVP mit dem Ausschluss des Buchsers alles richtig gemacht und somit ein klares Zeichen gegen die Radikalisierung gesetzt habe. «Die SVP lehnt jede Form von Radikalisierung ab.»

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