ZürichSVP-Kantonsrätin will «Anal-Plug-Broschüre» an Schulen verbieten
Laut SVP-Kantonsrätin Maria Rita Marty verfehlt die Aufklärungsbroschüre «Hey You» ihr Ziel. Die Politikerin will diese nun aus der Schule verbannen.
Darum gehts
Die SVP-Kantonsrätin Maria Rita Marty will die Aufklärungsbroschüre «Hey You» in Zürcher Schulen verbieten.
Laut der SVP-Politikerin sei das Ziel der Broschüre nicht die Aufklärung von Kindern und Jugendlichen, sondern die Förderung des «Groomings».
Die Stiftung Sexuelle Gesundheit Schweiz weist den Vorwurf zurück: Je früher eine ganzheitliche Sexualaufklärung erfolge, umso besser könnten sich die jungen Menschen vor sexuellen Übergriffen schützen.
Der Kampf um das Verbot der «Hey You»-Aufklärungsbroschüre geht auf kantonaler Ebene weiter: «Man will den Kindern Indianer-Büchlein verbieten, die Broschüre ‹Hey you› wird hingegen den Kindern an den Schulen verteilt. Laut der NZZ ist es eine Pornoanleitung», empört sich die SVP-Kantonsrätin Maria Rita Marty.
In einer am Montag im Kantonsrat publizierten Anfrage kritisiert Marty, dass die «Woke-Lobby» Zugang zu den Schülerinnen und Schülern der Volksschule habe. Ein Dorn im Auge ist der Kantonsrätin, welche Mitglied des Vereins Schutzinitiative ist, auch die Broschüre «Hey you». Dabei handelt es sich um eine vom Bund finanzierte Aufklärungsbroschüre der Stiftung Sexuelle Gesundheit.
Marty: «Broschüre fördert Grooming»
In den Augen von Marty sei das Ziel dieser Broschüre in keiner Weise die Aufklärung der Schülerinnen und Schüler, sondern die Förderung des «Groomings» – darunter versteht man die gezielte Kontaktaufnahme Erwachsener mit Minderjährigen in Missbrauchsabsicht. «Der Inhalt der Broschüre gefährdet massivst die sexuelle Integrität und Entwicklung von Kindern sowie auch die darin enthaltenen Links zu einem Datingportal von Erwachsenen und auf einen Social Media Account, in dem Sex unter Drogeneinfluss angepriesen wird.»
Aus diesem Grund wurde gegen die Stiftung Sexuelle Gesundheit Strafanzeige eingeleitet, denn die Kinder müssen laut Marty geschützt werden. Die Kantonsrätin will deshalb vom Regierungsrat wissen, welche Schritte eingeleitet wurden, damit die Broschüre nicht weiter an minderjährige Schülerinnen und Schüler abgegeben wird.
«Broschüre entspricht heutiger Realität»
Für die Mitte-Kantonsrätin Kathrin Wydler geht ein Verbot der Broschüre zu weit. Diese kläre zwar anders auf, als zu Zeiten, als sie noch in der Schule gewesen sei, dies sei aber auch richtig. «Es ergibt Sinn, dass wir heute weitergehen und realitätsgetreu aufklären.»
Die Kinder kommen laut Wydler so oder so mit diesem Thema in Kontakt. Wenn, dann sei es aber besser, dass die Themen in der Schule und begleitet von Lehrpersonen nähergebracht werden. «Es gibt Eltern, die im ersten Moment finden, dass die Broschüre zu weit geht. Erklärt man ihnen jedoch, wie die Realität heute aussieht, ändern sie ihre Meinung meistens», so Wydler.
Nicola Siegrist findet die in der Anfrage vertretenen Ansichten «absurd»: «Meiner Meinung nach, bewegt sich die Ansicht von Frau Marty nah an christlich-fundamentalistischen Kreisen.» Eine Broschüre wie «Hey You» zu verbieten, hält der SP-Politiker für kontraproduktiv: «Angebote zur Aufklärung über Sexualität sind wichtig, damit die Schülerinnen und Schüler über Verhütung informiert sind und ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen kennen lernen.»
«Hey You» als Prävention
Konfrontiert mit dem Vorwurf des Grooming erklärt Barbara Berger, Geschäftsleiterin von Sexuelle Gesundheit Schweiz: «Es ist erwiesen, dass Kinder und Jugendliche, welche seit der frühen Kindheit Zugang zu ganzheitlicher Sexualaufklärung haben, besser vor sexuellen Übergriffen geschützt sind.» «Hey You» leiste zudem den Beitrag, dass diese jungen Menschen auch über Beziehungen und Grenzen diskutieren könnten.
In einem Gesuch forderte der Verein Schutzinitiative, dass das BAG eine anfechtbare Verfügung erstellt, um gegen eine «Zweckentfremdung von Steuergeldern» vorgehen zu können, da die Broschüre vom Bund finanziert wird. Weil das Gesuch jedoch abgelehnt wurde, reichte der Verein eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein, wo das Verfahren nun hängig ist.
In einer 20-Minuten-Umfrage äussern junge Menschen zur Aufklärungsbroschüre «Hey You».
20minKennst du die Aufklärungsbroschüre «Hey You»?
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