Verhindern Migros und Coop mit ihrer Marktmacht einen Preiskampf?

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Preise steigenLaut Preisüberwacher: Bei Migros und Coop zahlst du wohl zu viel

Sonnenblumenöl ist viel teurer als zu den Spitzen der weltweiten Sonnenblumenöl-Verknappung. Jetzt kritisiert auch der Preisüberwacher den Handel.

In Schweizer Läden sind Lebensmittel teurer geworden.
Preisüberwacher Stefan Meierhans kritisiert den Detailhandel.
Obwohl die Preise im Ausland für Sonnenblumenöl wieder sinken, ist in der Schweiz das Gegenteil der Fall.
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In Schweizer Läden sind Lebensmittel teurer geworden.

20min/Marvin Ancian

Inflation in der Schweiz: Darum gehts

  • In der Schweiz funktioniert der Wettbewerb im Handel nicht.

  • Der Preisüberwacher kritisiert die Marktmacht der Grossen.

  • Die Migros und Coop haben zusammen einen Marktanteil von 80 Prozent.

Die Preise im Detailhandel steigen seit dem Ukraine-Krieg stark. Das fällt auch dem Preisüberwacher Stefan Meierhans auf und er kritisiert die Detailhändler.

Er macht das Beispiel mit dem Sonnenblumenöl, das die Schweiz zu 90 Prozent importiert. Die Weltmarktpreise schossen fürs zweitbeliebteste Speiseöl im Land zu Beginn des Kriegs um 50 Prozent in die Höhe. Dank alternativen Logistikketten erholten sich die Preise aber wieder.

Doch in der Schweiz ist davon nichts zu spüren. Während die Ladenpreise in Ländern wie Deutschland wieder auf Vorkriegsniveau sanken, stiegen sie hierzulande immer weiter und sind nun 20 Prozent höher als während den Spitzen der weltweiten Sonnenblumenöl-Verknappung.

Excuseflation in der Schweiz

Ein möglicher Grund könnte sein, dass es in der Schweiz zusätzliche Probleme entlang der Wertschöpfungskette gibt. Das sei aber nicht plausibel, weil dazu nichts bekannt sei, schreibt der Preisüberwacher.

Es lasse sich deshalb nicht ausschliessen, dass Unternehmen die allgemeine Inflation ausnutzen. Meierhans nutzt den Begriff «Excuseflation», der Preiserhöhungen beschreibe, die sich nicht durch gestiegene Produktionskosten erklären lassen.

Migros und Coop mit zu viel Marktmacht?

Meierhans kritisiert: «Da die Kundschaft die genauen Unternehmenszahlen nicht kennt, akzeptiert sie die Preiserhöhungen, die sie wegen der allgemeinen Teuerung für gerechtfertigt oder gar für unumgänglich hält.»

Dabei sollten von den Herstellungskosten losgekoppelte Preise wegen des Konkurrenzdrucks nicht oder zumindest nur kurzfristig möglich sein. Möglicherweise hänge dies damit zusammen, dass Migros (inklusive Denner) und Coop mit einem Marktanteil von 80 Prozent den Schweizer Detailhandel dominieren.

Konsumentinnen und Konsumenten zahlen zu viel

Mit einer solchen Marktdominanz verfügten die beiden auch über eine entsprechende Preissetzungsmacht. Aus ihrer Sicht könnte es rational sein, sich nicht in einen gegenseitigen Preiskampf zu stürzen, da dieser letztlich ihre Margen schmälern würde.

Gut möglich, dass die hiesigen Konsumentinnen und Konsumenten für Sonnenblumenöl mehr zahlen, als sie sollten, so der Preisüberwacher. Wer von dieser Situation profitiert und in welchem Umfang, werde Gegenstand weiterer Abklärungen sein. Der Preisüberwacher führt derzeit eine Marktbeobachtung mit Preisvergleichen und allfällige Preismissbräuchlichkeit durch.

Coop bleiben von jedem Franken 1,7 Rappen Gewinn

Die Detailhändler weisen allerdings den Vorwurf der Marktmachtausnutzung zurück. «Im Schweizer Detailhandel herrscht seit Jahren ein harter Konkurrenzkampf mit einer Vielzahl an Händlern und einem enormen Preisdruck», sagt Coop-Sprecherin Sina Gebel. Die Duopolbetrachtung sei somit überholt.

Verhindern Migros und Coop einen Preiskampf?

Ausserdem stehe der Schweizer Detailhandel auch in direkter Konkurrenz zu Händlern aus dem grenznahen Ausland, die zu deutlich tieferen Kosten Produkte beschaffen könnten. Wegen des Wettbewerbsdrucks seien die Renditen sehr tief.

Insgesamt bleibe Coop als Genossenschaft pro Franken Umsatz ein Gewinn von 1.7 Rappen. Zudem strebe das Unternehmen als Genossenschaft keine Gewinnmaximierung an und reinvestiere jeden Franken. Die Kundschaft profitiere so beispielsweise von Preissenkungen. So habe Coop unter anderem die Preise fürs Sonnenblumenöl der Eigenmarken gesenkt.

Bei der Migros sagt Sprecher Marcel Schlatter auf Anfrage: «Unsere Lieferanten haben uns bis jetzt keine Preisreduktion gewährt, selbstverständlich stehen wir mit ihnen aber in einem regelmässigen Austausch.» Sobald die Migros die Preise anpassen könne, werde sie dies tun.

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