HypeDen Zombiepilz Cordyceps kannst du in der Apotheke kaufen
Er tötet Insekten, steigert bei Menschen aber die Leistung: Der Promipilz Cordyceps aus der Serie «The Last of Us» erlebt auch im Alltag einen Boom.
Darum gehts
Der Hype um den Zombiepilz Cordyceps aus der Serie «The Last of Us» ist riesig.
Dem Powerpilz wird unter anderem eine Leistungssteigerung bei Menschen nachgesagt.
Auch andere Pilze sind zurzeit in der Kunst und Modewelt in aller Munde.
In der Natur tötet er Insekten und wächst aus ihrem Körper, in der neuen amerikanischen Serie «The Last of Us» verwandelt er Menschen in Zombies: Der Hype um Cordyceps ist riesig. Alleine auf Tiktok wurde der Hashtag Cordyceps bereits über 95 Millionen Mal aufgerufen – stündlich kommen Hunderttausende Aufrufe dazu. Ein Video, wie der Pilz eine Ameise befällt, wird seit dem Serienstart überall geteilt (siehe unten).
Der Cordyceps sinensis, eine von rund 600 Cordyceps-Arten, gilt als der teuerste Pilz der Welt. Laut «Business Insider» wurden 2017 hochwertige Stücke für bis zu 140’000 US-Dollar pro Kilogramm verkauft. Grund: Der Pilz ist vor allem in Tibet zu finden und in der Natur sehr selten.
Der Cordyceps-Pilz befällt mit seinen Sporen Ameisen und manipuliert ihr Verhalten.
20min/sbuNachfrage nach Powerpilz hat zugenommen
In der traditionellen chinesischen Medizin wird Cordyceps schon seit Jahrhunderten verwendet. Ihm wird unter anderem eine Leistungssteigerung nachgesagt. Der Pilz ist auch in der Schweiz erhältlich. Roger Gerspach, Verkaufsleiter bei der Firma Nutrexin AG, die unter anderem Hawlik Vitalpilze vertreibt, stellt eine Zunahme bei der Nachfrage nach Cordyceps fest.
«Täglich erhalten wir Anfragen von Kunden, die eine Beratung wollen. Das liegt wohl daran, dass immer öfter über Vitalpilze berichtet wird», sagt Gerspach. Die Kundschaft sei dabei querbeet durchmischt. Laut Gerspach gilt Cordyceps sinensis als Powerpilz, der kräftigt und nährt sowie leistungssteigernd und stimmungsaufhellend wirkt. Er sei ein sehr beliebter Pilz bei Sportlerinnen und Sportlern, da er die Regenerationsphase verkürzen könne.
Auch der Online-Shop nu3 stellt seit dem Sommer einen stetigen Anstieg der Nachfrage nach seinen Cordyceps-Pulver-Kapseln fest. «Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage auch noch weiter steigen wird», so die Sprecherin. Gemäss den Verkaufszahlen interessieren sich überwiegend Frauen aller Altersgruppen für die Cordyceps-Kapseln.
Grossteil stammt aus Zuchtfarmen
Die Top-Pharm Sonnen Apotheke in Niederglatt und Eglisau bietet ebenfalls Cordyceps an. Der Vitalpilz wird in der Regel in getrockneter Form als Kapseln verkauft, wie Inhaberin Karin Fünfschilling erklärt. Eine Packung mit 60 Kapseln kostet rund 50 Franken. Am Tag werden zwei bis drei Kapseln empfohlen.
Der Grossteil der im Handel erhältlichen Produkte stammt laut der Apothekerin aus Zuchtfarmen in China, den USA und in Europa. «Die Wirkung ist, sofern die Produkte von seriösen Händlern stammen, identisch», sagt Fünfschilling. Trotzdem warnt sie: «Im Internet sind sehr viele Produkte zu finden, die entweder wirkungslos oder im schlimmsten Fall zum Beispiel mit Schwermetallen belastet sind.»
«Preise sind teilweise abstrus hoch»
Der Markt der Nahrungsergänzungsmittel, unter welchen der Verkauf von Vitalpilz-Produkten fällt, ist laut dem Konsumentenschutz undurchsichtig und nur sehr schlecht reguliert. «Ein Grossteil der Produkte wird online verkauft. Die Preise, die verlangt werden, sind teilweise abstrus hoch, und das für Präparate, deren Nachweis oftmals nicht wirklich erbracht ist», sagt Geschäftsleiterin Sara Stalder.
Mit dem Online-Hype der letzten Jahre hätten auch Läden das Potenzial erkannt und aufgerüstet. «Der Markt nutzt die Zahlungsbereitschaft der Kundinnen und Kunden aus. Heute wollen alle Pilzprodukte, morgen wird es etwas anderes sein. Die Anbieter werden die Welle aber so lange reiten, wie sie können», so Stalder.
Pilz-Hype auch in der Modebranche und der Kunst
Pilze sind zurzeit auch in der Kunst und Modewelt in aller Munde. Die Luxusmarke Hèrmes hat beispielsweise zusammen mit dem US-Unternehmen MycoWorks eine Victoria-Reisetasche aus Pilzleder hergestellt. Auch die Designerin Stella McCartney, die seit der Gründung ihres Modelabels noch nie tierische Produkte verwendet hat, hatte letztes Jahr eine Tasche aus Pilzleder in ihrer Frühjahr/Sommer-Kollektion.
Auch in der Kunstwelt wird zunehmend mit Pilzen gearbeitet. An der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK) liefen in den vergangenen Monaten gleich mehrere Projekte zu Pilzen, unter anderem in den Bereichen Game Design, Theater oder Transdisziplinarität. Irène Hediger, Leiterin des Artists-in-labs-Programms, arbeitet an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft und hat letztes Jahr eine Summer School zu Pilzen geleitet.
«Für Künstlerinnen und Künstler sind Pilze als neues, nachhaltiges Material bedeutsam», sagt Hediger. Zudem interessieren sich ZHDK-Studierende und -Forschende für die Komplexität und das Unsichtbare der Organismen. «Pilze dienen auch als Symbol und als Modell für aktuelle gesellschaftliche Themen, mit denen sich die Künste auseinandersetzen.»
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