Das Fraumünster erhält heute seinen zweiten Turm zurück

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ZürichDas Fraumünster erhält heute seinen zweiten Turm zurück

Bis Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Zürcher Fraumünster zwei Türme. Eine Installation soll daran erinnern. Das temporäre Bauwerk hat aber noch weitere Ebenen an Bedeutungen.

Bis Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Zürcher Fraumünster zwei Türme. Eine Installation soll daran erinnern.
Das temporäre Bauwerk heisst «Katharinenturm» und hat noch weitere Ebenen an Bedeutungen.
Die Bänder, die den Turm verkleiden, tragen Namen von 500 Frauen, die Zürich mitgestaltet haben.
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Bis Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Zürcher Fraumünster zwei Türme. Eine Installation soll daran erinnern.

20min/Céline Trachsel

Darum gehts

  • Das Fraumünster hatte ursprünglich zwei Türme – so wie das gegenüberliegende Grossmünster.

  • Ab Dienstag wird der fehlende Fraumünster-Turm symbolisch wieder angefügt.

  • Der Katharinenturm will an die gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Bedeutung von zahlreichen Zürcher Frauen erinnern.

  • Der Sockel des Bauwerks ist begehbar.

Das Fraumünster hatte ursprünglich zwei Türme – wie das gegenüberliegende Grossmünster. «Am Anfang des 18. Jahrhunderts wurde der Südturm jedoch abgebaut», sagt Lucia Pennati (36), Architektin und Co-Präsidentin des Vereins Katharinenturm. «Die Bausubstanz war vermutlich nicht mehr gut. Der restliche Südturm wurde ins Gebäude integriert, aber er ist nicht mehr gut zu sehen.»

Eine Gruppe von Frauen, die sich seit Jahren mit dem Fraumünster auseinandersetze, diskutiere seit geraumer Zeit, wie man den Turm wieder sichtbar machen könne, erklärt Pennati. So sei sie als Architektin dazugestossen. «Wir wollten den Turm wieder in Erinnerung bringen.»

Gute Gelegenheit, um Südturm aufzuerwecken

Dieses Jahr, in dem 500 Jahre Reformation gefeiert werden, war für die Fraumünster-Frauen die passende Gelegenheit. Zudem wurde die Fraumünster-Abtei 1524 an die Stadt Zürich übergeben.

Deshalb steht nun eine temporäre, 40 Meter hohe Kunstinstallation neben dem Fraumünster. Sie wird am Dienstag eröffnet und darf bis Dezember aufgestellt bleiben.

«Die Feierlichkeiten rund um das 500-Jahr-Jubiläum und die Übergabe der Frauenabtei an die Stadt Zürich waren für uns eine gute Gelegenheit, um den Südturm wieder aufleben zu lassen», sagt Pennati, «denn bis 1524 hat die Frauenabtei das Leben von Zürich geprägt.»

Frauenabtei war über 600 Jahre prägend für Zürich

Das Fraumünster und die Frauenabtei haben eine lange Geschichte in der Limmatstadt: Im Jahr 853 stifteten König Ludwig der Deutsche und seine Frau Hemma die Fraumünster-Abtei. Der König übergab die Abtei seiner Tochter, Prinzessin Hildegard, die die erste Äbtissin wurde. Der König verlieh Hildegard und allen zukünftigen Äbtissinnen die Immunität. Er vermachte ihnen Besitz in Form von Land und Leuten und stattete sie mit königlichen Rechten aus.

Hildegards Schwester Berta trat die Amtsnachfolge an. Nach ihr folgten 27 weitere Äbtissinnen – das war der Anfang einer 671-jährigen Erfolgsgeschichte von Frauen in Zürich.

Katharinenturm hat mehrere Bedeutungen

«Warum wir im Architekturwettbewerb dieses Projekt ausgewählt haben, ist, weil es verschiedene Ebenen von Bedeutungen hat», erklärt Lucia Pennati. «So wird der temporäre Südturm symbolisch von den 29 Äbtissinnen getragen. Und die Bänder, die den Turm verkleiden, tragen Namen von 500 Frauen, die Zürich mitgestaltet haben, das passt auch zu 500 Jahren Reformation im Fraumünster.»

Der Sockel der Installation kann begangen werden. «Dass der Turm besteigbar wird, war nie geplant», schildert die Architektin. «Der Turm soll mehr als Landmarke zu verstehen sein, der das Stadtbild prägen und Erinnerungen wecken soll.»

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