Zürich: Psychiater Thilo Beck fordert regulierten Kokain-Verkauf

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ZürichDrogenpionier fordert regulierten Kokain-Verkauf

Thilo Beck hält nichts von Verboten. Stattdessen solle Kokain legal, aber reguliert verkauft werden. Für Suchtkranke brauche es Anlaufstellen für den kontrollierten Konsum.

Thilo Beck ist Co-Chefarzt der Psychiatrie des Suchtmedizin-Zentrums Arud. 
Laut Beck soll für die Crack-Süchtigen eine Anlaufstelle geschaffen werden, in der sie Kokain legal beziehen und im Rahmen eines wissenschaftlich begleiteten Versuchs kontrolliert einnehmen können. 
Crack ist eine rauchbare Form von Kokain. Die Droge ist extrem aufputschend.
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Thilo Beck ist Co-Chefarzt der Psychiatrie des Suchtmedizin-Zentrums Arud. 

Tamedia/Raisa Durandi

Darum gehts: 

  • Thilo Beck ist Co-Chefarzt Psychiatrie beim Arud Zentrum für Suchtmedizin.

  • Um das Problem des Crack-Konsums in den Griff zu bekommen, schlägt Beck vor, eine Anlaufstelle zur Verfügung zu stellen, in der die Süchtigen kostenloses Kokain bekommen, das sie kontrolliert konsumieren können. 

  • Auch spricht er von der Idee, dass Kokain legal, aber reguliert bezogen werden können soll. 

Brennpunkt Bäckeranlage: Hierhin zieht es seit einiger Zeit Drogenabhängige. Sie konsumieren Crack oder Freebase – beides rauchbare Formen von Kokain. Laut Hansjürg «Frischi» Frischknecht, einem Kreis-4-Original, wird in der Umgebung der Bäckeranlage überall gedealt. Aufgrund der Situation im Quartierzentrum lägen in seiner Wohnsiedlung deshalb sehr oft Spritzen herum.

Auch Gewalt, die von den Konsumierenden ausgeht, sei ein Problem. Dies berichtete ein Konsumierender gegenüber 20 Minuten: «Ich habe wirklich Übles mitgemacht, aber so viele Schlägereien und gewalttätige Auseinandersetzungen wie hier habe ich noch nie erlebt.»

Gratis-Kokain in Anlaufstelle

Mit der «NZZ» sprach der als Drogenpionier bekannte Thilo Beck über die Entwicklung der Problematik und über mögliche Lösungsansätze. Um das «neue» Zürcher Drogenproblem zu lösen, schlägt der Psychiater vor, den Suchtkranken wieder einen geschützten Konsumort an geeigneter Lage zu bieten. Im vergangenen Herbst wurde die Kontakt- und Anlaufstelle Kaserne geschlossen, der Ersatzstandort befindet sich in der rund 30 Minuten entfernten Brunau.

Verbote sind laut Beck nicht zielführend: «Statt dass man den Konsum verleugnet, sollte man ihn lieber in vernünftigem Rahmen ermöglichen.» So könne ein möglicher Schritt sein, schwer Suchtbetroffenen das Kokain gratis zur Verfügung zu stellen. Die Substanz müssten die Drogenabhängigen dann in den Anlaufstellen im Rahmen eines wissenschaftlich begleiteten Versuchs kontrolliert einnehmen.

Beck sagt: «Die Idee unserer Drogenpolitik ist ja, die Leute weg von einem gefährlichen, hin zu einem sichereren Konsum zu bringen.» Eine endgültige Lösung sei dieser Schritt aber nicht, da die schwer Suchtkranken – anders als bei Heroin – auch trotz einer regulierten Abgabe von Kokain kein normales Leben führen könnten. Dazu brauche es weiterführende Massnahmen, die man nun finden müsse.

Regulierter Verkauf statt Verbote

Von allen Personen, die Kokain konsumieren, sind laut Beck zu rund 80 Prozent nicht abhängig. «Diese Gruppe nimmt gelegentlich Drogen, ohne dass es Probleme gibt, egal ob das jetzt Alkohol, Cannabis oder Kokain ist.» Deshalb schlägt er vor, Kokain für diese Gruppe von Menschen legal, aber reguliert zu verkaufen. Die Substanzen solle man nicht vom illegalen Drogenmarkt beziehen, sondern von legalen Produktionen. «In Peru gibt es bereits eine grosse legale Produktion für medizinische Zwecke», erklärt Beck.

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