The InfantoriumFrühchen in Brutkästen waren einst eine Chilbi-Attraktion
Brutkästen mit Frühchen waren einst die beliebteste Attraktion auf Coney Island. Was makaber tönt, hatte einen ehrenhaften Hintergrund.
Darum gehts
- Auf der heute vor allem für Hot-Dog-Wettessen bekannten Coney Island gab es im letzten Jahrhundert eine aus heutiger Sicht makabere Attraktion.
- Im dortigen Vergnügungspark «Luna Park» wurden Frühgeborene in ihren Brutkästen ausgestellt.
- Doch so irritierend das aus heutiger Sicht ist: Das Ganze diente einem guten Zweck.
- Es rettete Tausende Leben.
Zwischen den Jahren 1904 und 1940 gab es im Vergnügungspark Luna Park auf Coney Island, dem südlichsten Zipfel Brooklyns, Einmaliges zu bestaunen: Hintereinander, in frühen Varianten von Brutkästen aufgebahrt (siehe Box), lagen Dutzende zu früh geborene Kinder. Wer sie sehen wollte, musste 25 Cent Eintritt zahlen – und trug so dazu bei, die teils winzigen Geschöpfe am Leben zu erhalten.
Alle profitierten
Initiator und Leiter des sogenannten «Infantoriums», über dessen Eingang der Schriftzug «All the World Loves a Baby» prangte, war kein herzloser Schausteller, sondern Martin Arthur Couney, ein Pionier der Kinderheilkunde. Er nutzte die Eintrittsgelder, um den Betrieb der Brutkästen zu finanzieren. Auch die gut ausgebildeten Krankenschwestern mussten bezahlt werden, die sich rund um die Uhr um die Frühchen kümmerten.
Es gab nur Gewinner: Die Kinder bekamen eine Chance und die Millionen von Besuchern etwas Spektakuläres zu sehen.
Technisch ein Experiment
Eine ausgesprochen gute Quote
Die aus heutiger Sicht gewöhnungsbedürftige Finanzierung zahlte sich aus. Am Ende seiner Karriere resümierte Couney gegenüber einem Journalisten, er habe in den letzten rund 40 Jahren 8000 Frühchen versorgt. Von diesen hätten zwischen 6500 und 7500 überlebt. Eine genaue Statistik habe er aber nicht geführt. 1943 musste der Pionier seine Ausstellung schliessen – aus wirtschaftlichen Gründen. Das Interesse hatte zuletzt stark nachgelassen. «Ich habe eine bedeutende Vorreiterrolle gespielt», sollte Couney später sagen, «meine Arbeit ist getan.»
Ein Hotel in Form eines Elefanten
Ende des 19. Jahrhunderts wartete Coney Island noch mit einem weiteren Highlight auf: dem Elephantine Colossus Hotel. Dabei handelte es sich um ein Hotel – der Name lässt es schon erahnen – in Form eines Elefanten. Es hatte 31 Zimmer, einen Konzertsaal, ein Museum, ein Zigarrengeschäft und eine Sternwarte. Später wurde es zu einem Bordell und stand dann leer, bis es 1896 einem Feuer zum Opfer fiel.
Dieser Artikel ist in ähnlicher Form bereits im Jahr 2018 erschienen.
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Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen, History & Digital und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.
