Meint Donald Trump es ernst mit seinen Bitcoin-Versprechen?

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AllzeithochMeint Trump es wirklich ernst mit seinen Bitcoin-Versprechen?

Donald Trump hat der Kryptobranche viele Versprechen gemacht. Wird er sie halten und bleibt der Bitcoin-Kurs so hoch? Ein Bitcoin-Profi wagt eine Prognose.

Donald Trump gab sich vor seiner Wahl zum US-Präsidenten sehr Krypto-freundlich.
Er versprach, als US-Präsident eine strategische Bitcoin-Reserve für die USA aufzubauen.
Das wäre sinnvoll, sagt der Bitcoin-Experte Rino Borini auf Anfrage.
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Donald Trump gab sich vor seiner Wahl zum US-Präsidenten sehr Krypto-freundlich.

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Trump und Bitcoin: Darum gehts

  • Donald Trump versprach, eine strategische Bitcoin-Reserve für die USA aufzubauen.

  • Das wäre schlau, sagt Rino Borini, der den Bitcoin-Lehrgang an der Hochschule für Wirtschaft Zürich leitet.

  • Die USA würden es so besser machen als Deutschland, das seine konfiszierten Bitcoin kurz vor dem neuen Allzeithoch verkaufte.

Der Bitcoin-Kurs ist nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten explodiert. Wird er sein Versprechen halten und eine strategische Bitcoin-Reserve für die USA aufbauen? Oder ist das neue Allzeithoch der Kryptowährung nur ein Strohfeuer? Rino Borini, Leiter des Bitcoin-Lehrgangs an der Hochschule für Wirtschaft Zürich, wagt eine Prognose.

Rino Borini hat das neue Bitcoin-Allzeithoch bereits im August vorausgesagt. Der Studiengangsleiter des «CAS Bitcoin Economy» der Hochschule für Wirtschaft Zürich sagt im Interview, wie es nun weitergehen könnte.

Rino Borini hat das neue Bitcoin-Allzeithoch bereits im August vorausgesagt. Der Studiengangsleiter des «CAS Bitcoin Economy» der Hochschule für Wirtschaft Zürich sagt im Interview, wie es nun weitergehen könnte.

Als ich im August mit Ihnen sprach, stürzte Bitcoin massiv ab. Jetzt ist der Preis auf dem Höchststand. Haben Sie das so schnell erwartet?

Rino Borini: Ich ging davon aus, dass wir im Spätherbst, spätestens im Winter, ein neues Allzeithoch erreichen können – sonst hätte ich an meiner Prognose von 80'000 US-Dollar nicht festgehalten.

Vor drei Monaten herrschte am Kryptomarkt Panik. Warum waren Sie so optimistisch?

Ich bin schon länger im Markt, irgendwann wird man gelassener und kann gewisse Marktveränderungen einordnen. Bitcoin ist mittlerweile in der traditionellen Finanzwelt etabliert, dank den Bitcoin-ETFs, die rekordhohe Zuflüsse erleben. Und Geld wird wieder billiger, die Zinsen fallen. Gleichzeitig leben wir auf Pump, die globale Verschuldung knackt dieses Jahr eine neue Rekordmarke. Das Finanzsystem ist nach wie vor fragil.

Unter Donald Trump dürften die Staatsschulden der USA weiter ansteigen. Beflügelt das den Bitcoin-Preis?

Ja, für Bitcoin ist das positiv, die Schuldenmacherei verwässert den Wert unseres Geldes. Wie viele Dollar, Euro und Franken wird es je geben? Das ist ungewiss, denn Gelddrucken ist eine Hauptbeschäftigung vieler Regierungen. Bitcoin ist hingegen hartes Geld, im Code der Kryptowährung gibt es ein Versprechen: Es wird nie mehr als 21 Millionen Bitcoin geben.

«Wie viele Dollar, Euro und Franken wird es je geben? Die Schuldenmacherei verwässert den Wert unseres Geldes.»

Rino Borini, Studiengangsleiter des CAS Bitcoin Economy der Hochschule für Wirtschaft Zürich

Bitcoin hat sein neues Allzeithoch gleichzeitig mit der Wahl von Trump zum US-Präsidenten erreicht. Wie hängt das zusammen?

Trumps Wahl hat den Bitcoin- und Kryptomarkt positiv beeinflusst. Er kündigte im Wahlkampf an, die USA zur Bitcoin- und Kryptonation zu machen. Nun wird er Präsident, und im US-Repräsentantenhaus sitzen bald doppelt so viele Krypto-freundliche Vertreter als zuvor. Trump hat zudem angekündigt, den Chef der Börsenaufsicht zu entlassen – auch wenn er das nicht direkt tun kann, könnte er es über Umwege erreichen.

Trump versprach, als US-Präsident eine strategische Bitcoin-Reserve für die USA aufzubauen. Wird er das wirklich tun?

Trump ist bekannt für steile Ansagen. Es würde jedoch Sinn ergeben, und ich vermute, dass Trump das umsetzen will. Im Vorfeld der Wahl kündigte er an, die von der US-Regierung konfiszierten Bitcoin-Bestände in eine strategische Bitcoin-Reserve umzuwandeln, anstatt sie zu verkaufen. Es geht hier um 213'000 Bitcoin im Wert von 15 Milliarden US-Dollar.

Was denkst du über Trumps Versprechen, eine Bitcoin-Reserve für die USA aufzubauen?

Deutschland hat anders gehandelt und seine konfiszierten Bitcoin verkauft.

Ja, Deutschland hat gezeigt, wie man es nicht machen sollte. Die Deutschen haben im Sommer knapp 50'000 konfiszierte Bitcoin für umgerechnet 2,3 Milliarden Euro verkauft. Nur vier Monate später hätte das Bundesland dafür rund acht Milliarden Euro mehr bekommen – eine Summe, die Deutschland sicherlich gut hätte gebrauchen können.

«Deutschland hat seine konfiszierten Bitcoin im Sommer verkauft und so gezeigt, wie man es nicht machen sollte.»

Rino Borini, Studiengangsleiter des CAS Bitcoin Economy der Hochschule für Wirtschaft Zürich

Hat Trump überhaupt Zeit für Krypto? Er wird den Fokus doch eher auf Zölle, Grenzsicherung und Steuersenkungen legen.

Das ist keine Herkulesaufgabe. Trump muss seine Leute anweisen, und er kann Dekrete unterschreiben. Dafür ist er bekannt, er hat in seiner Amtszeit im Vergleich zu anderen Präsidenten überdurchschnittlich viele Dekrete unterschrieben. So kann er politische Entscheidungen schnell umsetzen, sozusagen ohne Widerstand des Parlaments.

Ist das neue Allzeithoch von Bitcoin bloss ein Strohfeuer oder wird der Preis nachhaltig hoch bleiben?

Bitcoin wird sicher wieder korrigieren, es kommt zu Gewinnmitnahmen, das ist normal. Langfristig dürfte der Preis aber weiter steigen. Im gleichen Atemzug möchte ich festhalten, dass wir jederzeit hohe zweistellige Korrekturen erleben können. Die Probleme der Welt sind weiterhin da, die Adaption in der Bevölkerung ist gering, hat aber Fahrt aufgenommen. Viele grosse Investoren warten an der Seitenlinie. Wichtig: Nur wer Bitcoin versteht und mit der Volatilität umgehen kann, sollte investieren.

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