7 Frauen im CS-VR – «sie machen es auch nicht besser als Männer»

Aktualisiert

Credit Suisse«Auch nicht besser als die Männer»? Frauen im CS-Verwaltungsrat kritisiert

Im zwölfköpfigen Verwaltungsrat der Credit Suisse sitzen sieben Frauen, eine Mehrheit. Warum haben sie nicht aufgeschrien? Ist das Aus der CS auch ihre Schuld? Zwei Frauen wehren sich.

Iris Bohnet, Jahrgang 1966, Schweizer Staatsangehörige, seit 2012 im VR.
Keyu Jin, Jahrgang 1982, chinesische Staatsangehörige, seit 2022 im VR.
Clare Brady, Jahrgang 1963, britische Staatsangehörige, seit 2021 im VR.
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Iris Bohnet, Jahrgang 1966, Schweizer Staatsangehörige, seit 2012 im VR.

Credit Suisse

Darum gehts

  • Auf Social Media werden Stimmen laut, die sagen, dass die Frauen im VR für das Aus der CS verantwortlich seien.

  • Frauen neigten dazu, Führungsfehler zu verzeihen, so eine Karriereberaterin.

Die Schuldigen für das Aus der Credit Suisse (CS) waren in den letzten Tagen schnell gefunden: Es seien die hochbezahlten Manager in der Geschäftsleitung und im Verwaltungsrat (VR) der Grossbank. Also mehrheitlich Männer, sollte man meinen. Doch jetzt weisen manche Stimmen darauf hin, dass der CS-VR aus fünf Männern aber sieben Frauen bestehe.

«Auch die Frauen machen es ganz offensichtlich nicht besser als die Männer», schreibt «The Libertarian Pilot», ein politisch eher rechter Account, auf Twitter. «Lara Warner führte das Risk Management und war für das Desaster Greensill mitverantwortlich», sagt ein weiterer Nutzer. Und Iris Bohnet sei seit zehn Jahren im VR und Mitglied des Vergütungsausschusses.

Die Ex-SRF-Moderatorin Patrizia Laeri, die ihren Lohn offengelegt hat, hält dagegen: Auf CEO-Posten und im VR-Präsidium, also an den entscheidenden Stellen, habe es bei der CS in 167 Jahren keine einzige Frau gegeben. Sie nervt sich, dass Frauen in der Bankenkrise als Expertinnen «eine Nebenrolle spielen oder inexistent sind» – und lehnt gleichzeitig selber alle Anfragen zum Thema CS ab.

Der VR sei für die Leitung, Aufsicht und Kontrolle verantwortlich, so die CS. Und dennoch hörte man von dem Gremium kaum was. Da stellen sich manche die Frage: Bringt Gender-Diversität im VR also doch nichts?

Sie sei nur ein Schritt, um eine bessere Entscheidungsfindung zu ermöglichen, sagt Clivia Koch, CEO und Gründerin des Beratungsunternehmens Koch Pohl Consulting und Co-Autorin beim Magazin die «Die Wirtschaftsfrau»: «Ein gezielt zusammengesetzter Verwaltungsrat, der für alle eine Vorbildfunktion erzeugen muss, ist die Voraussetzung für eine wirksame Führung jedes Unternehmens», so Koch.

Aber sie sagt auch, dass die Personen im VR nicht nur für das verantwortlich seien, was sie tun – sondern auch für das, was sie nicht tun.

Teamdiversität kann auch Nachteile haben

Die CS habe ihren VR zwar prominent besetzt. «Ich bezweifle aber, ob die Fähigkeiten der einzelnen Personen den Anforderungen des Unternehmens entsprachen.» Dass man den VR nicht wahrgenommen habe, zeige, dass eine eigenständige Willensbildung nicht gefragt gewesen sei. «Wer bei einer oberflächlichen Perspektive auf Diversität stehen bleibt, der wird eher die Nachteile von Teamdiversität ernten, wie das Beispiel CS zeigt.»

Dürfen Männer scheitern?

Zahlen von 20 Minuten zeigen, dass das CS-Aus bei Lesern auf mehr Interesse stösst als bei Leserinnen. Warum? Frauen seien eher an Lösungen interessiert, wenn es darum gehe, das Management zu verbessern, vermutet Koch. Sie neigten dazu, Führungsfehler zu verzeihen. «Männer neigen hingegen dazu, sich über das Scheitern anderer zu freuen. Vielleicht aufgrund des Klischees, dass Männer nicht scheitern dürfen», so Koch.

Hat der Verwaltungsrat der CS versagt?

Um Verwaltungsrätin zu werden, müssten Frauen die richtigen Qualifikationen und Erfahrungen besitzen und ein gutes Netzwerk haben. «Sie sollten sich darauf konzentrieren, ihre Kompetenzen und Fähigkeiten zu verbessern.» Ihre Karrierechancen könnten die Frauen aber auch durch Vitamin B und dem Aufbau richtiger Verbindungen verbessern. «Die Luft oben ist für alle dünn. Für Frauen genauso wie für Männer», so Koch.

Frauen werden künftig mehr mitreden

«Das Versagen eines Unternehmens auf die Frage zu reduzieren, ob Männer oder Frauen im VR sitzen, ist viel zu kurz gegriffen», sagt eine Sprecherin im Namen des Rochester-Bern Executive Programs. Andere Fragen seien wichtiger:

  • Wie sind die vom Obligationenrecht festgelegten Aufgaben im VR aufgeteilt?

  • Sind alle relevanten Informationen innerhalb des Gremiums frei verfügbar?

  • Sind im Gremium alle notwendigen Kompetenzen vorhanden?

  • Welche Kultur herrscht im Verwaltungsrat? Werden kritische Stimmen gehört und ernst genommen?

  • Wie führt der Präsident oder die Präsidentin das Gremium?

Die Wissenschaft zeige, dass professionell gemanagte und diverse Teams besser funktionieren. Diversität und Inklusion beschränke sich nicht nur auf das Geschlecht. Die Realität sei aber, dass noch immer weitaus mehr Männer als Frauen in hohen Wirtschaftspositionen und im Finanzsektor tätig seien.

«Aus diesem Grund ist es naheliegend, dass Männer an dem Thema näher dran sind und sich mehr dafür interessieren», so die Sprecherin weiter. Es sei aber wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Frauen mehr mitreden.

Dieser Anwalt setzt sich für geprellte CS-Kleinaktionäre ein

Viele Menschen haben mit CS-Aktien Geld verloren. US-Aktionäre haben bereits Klage gegen die Credit Suisse eingereicht. Jetzt könnte auch eine Klagewelle aus der Schweiz kommen. Der Kleinaktionär und Anwalt Perica Grasarevic hat eine entsprechende Plattform aufgeschaltet. Mehr dazu hier

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