BaselNach Tod von Elior (11): Kanton lässt besorgte Eltern abblitzen
Nachdem ein Elfjähriger im St. Johann auf dem Schulweg starb, wird ein neues Ampelsystem gefordert. Der Kanton ist dagegen. Sandra Staudacher, die Mutter eines Fussballkollegen des Jungen, ist enttäuscht.
Darum gehts
Ein Elfjähriger starb im St. Johann-Quartier in Basel bei einem Unfall auf dem Schulweg. Der Unfall ereignete sich an einem Fussgängerstreifen mit sogenanntem Konfliktgrün.
Eltern fordern die Abschaffung des Konfliktgrüns, doch die Regierung lehnt ab.
Die Regierung sieht die Verantwortung für den Schulweg bei den Eltern.
Sandra Staudacher ist enttäuscht über die Reaktion der Regierung.
Der Tod von Elior (11) schockierte im Juni 2024 das St. Johann-Quartier in Basel. Der Schüler überquerte auf seinem Schulweg den Fussgängerstreifen an einer Kreuzung bei der Elsässerstrasse, als er von einem einbiegenden Lastwagen erfasst wurde. Beide hatten Grün. Elior verstarb noch an der Unfallstelle. Das sogenannte Konfliktgrün ist seither umstritten.
Diverse Eltern und Politiker wurden daraufhin aktiv und forderten von der Regierung eine Abschaffung des Konfliktgrüns. Die Mutter eines Fussballkollegen von Elior, Sandra Staudacher, reichte wenige Tage nach dem tödlichen Unfall gemeinsam mit anderen Eltern eine Petition für mehr Schulwegsicherheit ein. Die Basta-Politikerin Tonja Zürcher verlangte vom Kanton, dass die Schulwegsicherheit «rasch und konkret» umgesetzt werde.
Das Konfliktgrün an der Ampel bei der Elior verunfallte, wurde zwar nach dem Unfall abgeschafft, aber das geht den Basler Erziehungsberechtigten nicht weit genug. Sie fordern eine konsequente Umsetzung im Stadtgebiet.
«Es bleibt einem nichts anderes übrig, als Kinder zu begleiten.»
Wie die Basler Zeitung berichtet, ist die Basler Regierung gegen ein neues Ampelsystem. Basel-Stadt sehe die Eltern in der Verantwortung, heisst es. «88 Strassenquerungen für Fussgänger, sind mit Konfliktgrün geregelt», schreibt die Basler Zeitung.
«Es ist enttäuschend, dass die Regierung, nach allem was passieren musste, einfach einen Papiertiger daraus macht», sagt Sandra Staudacher am Donnerstag gegenüber 20 Minuten. Auch Staudacher war in der Nähe, als Elior tödlich verunfallte. Ihr Sohn geht ins gleiche Schulhaus, die beiden waren Fussball-Kollegen.
Die berufstätige Mutter sieht praktische Probleme beim zögerlichen Vorgehen der Regierung. «Wenn man sagt, das sei in der Verantwortung der Eltern, dann bleibt einem nichts anderes übrig, als die Kinder auf dem Schulweg und in der Freizeit zu begleiten», sagt Staudacher, die sich von der Regierung mehr Transparenz wünscht.

Sandra Staudachers Sohn war mit dem verstorbenen Schüler befreundet.
Tamedia/ Nicole Pont«Alle Konsequenzen wie Elterntaxis, die Unselbstständigkeit der Kinder müssen mitbedenkt werden», sagt sie. Und: Das würde bedeuten, dass Eltern in Basel-Stadt «erst frühestens ab 8.30 Uhr zu arbeiten beginnen können».
Staudacher, die als Pflegewissenschaftlerin arbeitet, sei kürzlich einen Tag bei der Spitex unterwegs gewesen. «Sehr viele Mitarbeiterinnen sind alleinerziehende Mamas, die um sieben Uhr dort sein müssen. Ihre Kinder müssen alleine zur Schule gehen, sonst können sie nicht in der Pflege arbeiten», sagt Staudacher. «Wie soll das gehen?»

Freunde gedenken mit Strassenkreide, Blumen und Kerzen dem Verstorbenen.
20 MinutenDas Erziehungsdepartement sagt auf Anfrage von 20 Minuten, die Sicherheit auf dem Schulweg sei ein wichtiges Anliegen – für Eltern, Schulen, Kantonspolizei, Bau- und Verkehrsdepartement und auch das Erziehungsdepartement. Aber: «Grundsätzlich liegt die Verantwortung für den Schulweg bei den Eltern.»
«Wir sehen, dass sich viele Eltern engagieren und organisieren, um sich gegenseitig in der Familienorganisation zu unterstützen (z.B. mit Pedibussen oder freiwilligen Lotsendiensten). Das begrüssen wir sehr», sagt Medien-Sprecherin des Erziehungsdepartements Sandra Eichenberger. «Unser Ziel ist ein sicherer Schulweg, getragen von gemeinsamer Verantwortung.»
Wo Eltern nicht weiterkommen, unterstütze das Ressort Verkehrsprävention der Kantonspolizei Basel-Stadt im Rahmen ihrer Möglichkeiten.
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