Bund warnt vor hoch verarbeitetem Essen

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Lange ZutatenlisteVegi-Burger und Fertigpizza: Bund warnt vor hoch verarbeitetem Essen

Die Ernährungskommission sieht dringenden Handlungsbedarf. Die Vegan-Industrie vermutet, dass dahinter die Fleisch-Lobby steckt.

Vegane Burger sind hoch verarbeitet und enthalten eine lange Zutatenliste.
Der Bund warnt ab September vor zu häufigem Verzehr solcher Produkte.
Dazu zählen nicht nur vegane Fleisch- und Poulet-Varianten, sondern unter anderem auch ...
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Vegane Burger sind hoch verarbeitet und enthalten eine lange Zutatenliste.

IMAGO/Pond5 Images

Hoch verarbeitete Lebensmittel: Darum gehts

  • Der Bund empfiehlt, Produkte mit langen Zutatenlisten sparsam zu konsumieren.

  • In der offiziellen Ernährungsempfehlung kommt neu der Verarbeitungsgrad eines Produktes dazu.

  • Die Lebensmittel-Lobby findet es nicht gut.

Hoch verarbeitete Lebensmittel wie Tiefkühlpizza, Speck und Wurstwaren oder Light- und Zero-Getränke schaden der Gesundheit enorm. Sie können das Risiko von Herzkrankheiten, Krebs und Diabetes deutlich erhöhen. Davor warnt bald auch der Bund.

In der offiziellen Ernährungsempfehlung des Bundes ging es bisher vor allem um Nährstoffe und Ausgewogenheit. Ab September kommt die Verarbeitung hinzu, wie die NZZ unter Berufung auf das zuständige Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) berichtet.

Das BLV empfiehlt, Produkte mit langen Zutatenlisten sparsam zu konsumieren. Damit kommt das Amt einer Aufforderung der Eidgenössischen Ernährungskommission nach, die dringenden Handlungsbedarf sehe.

Lebensmittel-Branche findets nicht gut

Ein Viertel der eingekauften Produkte in der Schweiz ist mittlerweile hoch verarbeitet. Sie enthalten Zutaten, die in einer normalen Küche kaum zum Einsatz kämen (siehe Box). Ausserdem stecken darin oft auch viel Salz und Zucker.

Aus der Chemieküche

Hoch verarbeitete Lebensmittel enthalten Zutaten, die in einer normalen Küche kaum zum Einsatz kommen. Darin stecken beispielsweise Konservierungsmittel, Emulgatoren, künstliche Farbstoffe und Geschmacksverstärker, Bleichmittel oder veränderte Zucker, Salz und Fette.

Diese Zusatzstoffe helfen unter anderem, die Produkte länger haltbar zu machen. Sie können auch verhindern, dass sich unverträgliche Zutaten trennen. Manchmal sollen sie auch einfach dafür sorgen, dass das Produkt nach etwas schmeckt, was in natürlicher Form nicht oder kaum drinsteckt.

Die Lebensmittel-Lobby hält wenig davon, dass der Bund nun diese Erzeugnisse ins Visier nimmt. Eine Kategorisierung dieser Produkte sei schwierig, sagt Karola Krell von der Föderation der Schweizerischen Nahrungsmittel-Industrien zur Zeitung. «Eine allgemeine Empfehlung wird nicht viel bringen, solange es keine differenziertere Definition dazu gibt, was ultraverarbeitete Produkte sind», sagt Krell.

Lukratives Geschäft

Tatsächlich ist noch nicht bekannt, wie das BLV seine Empfehlung formulieren will. Das BLV finanziert aber ein zweijähriges Forschungsprojekt des Präventivmediziners David Fäh von der Berner Fachhochschule zur Klassifizierung für hoch verarbeitete Produkte.

Wie stehst du dazu, dass der Bund den Verarbeitungsgrad in seine Ernährungsempfehlung aufnimmt?

Für die Industrie sind die hoch verarbeiteten Produkte lukrativ, da sie im Verhältnis zu den oft minderwertigen Inhaltsstoffen relativ teuer verkauft werden können. «Viele der Produkte haben zum Beispiel aus Kostengründen einen verhältnismässig tiefen Eiweissanteil», sagt Fäh.

Steckt Fleischlobby dahinter?

Viel Protein, aber einen hohen Verarbeitungsgrad haben vegane Fleischersatzprodukte. Skeptisch ist Judith Wemmer, Mitgründerin von Planted: «Das Problem an solchen Ernährungsguidelines ist, dass sich an ihnen sehr oft herauslesen lässt, welche Lobby im Land einflussreich ist.» In der Schweiz seien das die Landwirtschaft und besonders die Fleischindustrie, die sich gegen den Wandel zu wehren versuchten.

Veganes Steak von Planted Foods.

Veganes Steak von Planted Foods.

Tamedia AG/Raphael Moser

Statt des Verarbeitungsgrades solle der Bund wie in Grossbritannien die Zusatzstoffe stärker regulieren, findet Wemmer. Dort ging der Konsum nach einem Werbeverbot und einer Steuer für Produkte mit hohem Zucker-, Salz- oder Fettanteil stark zurück.

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