Brutale Hundeattacke : «Ein extremer Fall, der mich nicht überrascht» 

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Brutale Hundeattacke«Ein extremer Fall, der mich nicht überrascht»

Bei einer brutalen Hundeattacke in Neuheim ZG wurde ein Neunjähriger schwer verletzt. Eine Hundetrainerin sagt, wo das Problem liegt. 

Mit Gesichtsverletzungen wurde das Kind mit dem Rettungshelikopter ins Spital geflogen.
Ein Miniature Bullterrier biss in Neuheim im Kanton Zug einen ihm unbekannten Jungen mehrmals ins Gesicht.
Der Vorfall ereignete sich am Samstagnachmittag kurz nach 14.30 Uhr in der Gemeinde Neuheim.
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Mit Gesichtsverletzungen wurde das Kind mit dem Rettungshelikopter ins Spital geflogen.

Zuger Polizei

Darum gehts

  • Rega-Einsatz nach Hundebiss: Ein Miniature Bullterrier hat am Samstag in Neuheim ZG einen Neunjährigen in die Genitalien und mehrmals ins Gesicht gebissen. 

  • Im Dorf sitzt der Schock immer noch tief. 

  • 20 Minuten hat mit einer Hundetrainerin, die täglich mit verhaltensauffälligen Hunden arbeitet, über den Vorfall gesprochen.  

In Neuheim ZG ist die Betroffenheit auch zwei Tage nach der brutalen Hundeattacke riesig: «Es ist einfach nur schrecklich, was passiert ist. Der Bub wird wahrscheinlich nicht nur äussere Narben davontragen, sondern sich ein Leben lang an den tragischen Vorfall erinnern», sagt eine Mutter gegenüber 20 Minuten. Ein einjähriger Miniature Bullterrier biss am Samstag einen ihm unbekannten Jungen mehrmals ins Gesicht und in den Genitalbereich. Der Neunjährige wurde mit der Rega ins Spital geflogen. Wie es im Umfeld des verletzten Buben heisst, hätten ihm seine Gspänli in der Zwischenzeit eine Videobotschaft geschickt, um ihm gute Besserung zu wünschen.

«Das ist natürlich ein extremer Fall, der mich aber leider nicht überrascht», sagt Gabriela Frei, Gründerin und Cheftrainerin des eDOGcation Bildungszentrums für Hundeerziehung in Horgen. Sie selbst arbeitet täglich mit verhaltensauffälligen Hunden und ihren Haltern. Die Probleme seien oft selbst gemacht: «Die Halterinnen und Halter sind grundsätzlich liebe Menschen, die nur das Beste für ihren Hund wollen.» Doch anstatt den Vierbeinern Grenzen aufzuzeigen, setzen viele ausschliesslich auf Leckerli und Lob. «Heutzutage ist es in der Hundeerziehung verpönt, dem Hund klar Nein zu sagen. Doch ohne eine klare Führung beginnt der Hund, in gewissen Situationen selbst zu entscheiden», so Frei.

Listenhunde sind anspruchsvoller in der Haltung

Hinzu komme, dass jeder glaube, einen Hund halten zu können – egal, welche Rasse. Auch wenn Listenhunde bei artgerechter Haltung nicht gefährlicher seien als andere Rassen, seien sie anspruchsvoller in der Haltung und Führung: «Viele sprechen von Kampfschmusern. Den Hunden machen wir aber keinen Gefallen, indem wir ihre Körpermasse, Bisskraft oder gewisse Wesensmerkmale verharmlosen oder schönreden», so Frei.

Bestimmte Hunderassen werden in gewissen Kantonen als potenziell gefährlich eingestuft. Um diese halten zu dürfen, benötigt man eine Bewilligung des Veterinäramtes. Vier Kantone kennen zudem generelle Haltungsverbote für bestimmte Rassen. Anstatt Verboten fordert Frei Aufklärung: «Man muss sich bewusst sein, welche Herausforderung die Haltung gewisser Rassen mit sich bringt, und sich ehrlich fragen, ob man dem gerecht werden kann. Eigenverantwortung ist da ganz wichtig.»

Kampfhundeverbot und Rasselisten

«Heute ist es ein kantonaler Flickenteppich»

EVP-Nationalrätin Lilian Studer (AG) forderte am Sonntag eine schweizweit einheitliche Regelung für Hundehalter: «Heute ist es ein kantonaler Flickenteppich. Das muss sich ändern», sagte sie gegenüber 20 Minuten. Es brauche insbesondere eine einheitliche Regelung von sogenannten Listenhunden – Hunderassen, die als gefährlich oder potenziell gefährlich eingestuft werden: «Solche Hunde sollen nur noch mit einer Spezialbewilligung gehalten werden dürfen.»

Studer würde sogar noch einen Schritt weiter gehen: «Ich bin der Meinung, dass alle, die einen Hund halten wollen, einen obligatorischen Kurs zur Haltung absolvieren müssen. So würde sichergestellt, dass Hundehalterinnen und -halter in jeder Situation wissen, wie sie mit ihrem Hund umgehen und auf gefährliche Situationen reagieren müssen.»

Ebenso sagte der Zürcher FDP-Kantonsrat Andreas Juchli: «Damit das Risiko von solchen tragischen Ereignissen minimiert werden kann, muss sich jeder Hundebesitzer der eigenen Verantwortung bewusst sein. Deswegen bin ich für einen obligatorischen Kurs, der schweizweit einheitlich geregelt wird und für alle Hundehalterinnen und Hundehalter gleichermassen gilt.» 

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