Femizide in Deutschland: Gewalt nimmt drastisch zu

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DeutschlandFast jeden Tag ein Femizid: Gewalt gegen Frauen nimmt weiter zu

Immer mehr Frauen erleben in Deutschland Gewalt. Besonders die Fälle von politisch motivierter Hasskriminalität gegen Frauen ist innert eines Jahres mehr drastisch gestiegen.

In Deutschland werden immer mehr Frauen Opfer von Gewalttaten.
So explodierte die Zahl der politisch motivierten Straftaten gegen Frauen im Vergleich zum Vorjahr 2023 um über 50 Prozent.
Jeden Tag werden über 140 Frauen und Mädchen Opfer einer Sexualstraftat – «Sie werden Opfer, weil sie Frauen sind», sagt Innenministerin Nancy Faeser.
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In Deutschland werden immer mehr Frauen Opfer von Gewalttaten.

AFP

Darum gehts

  • Jeden Tag stirbt in Deutschland eine Frau durch Gewalt. Die Zahl der Femizide ist alarmierend.

  • Politisch motivierte Gewalt gegen Frauen hat um über 50 Prozent zugenommen.

  • Bundesfamilienministerin Lisa Paus plant ein Gewalthilfe-Gesetz zur besseren Unterstützung von Frauen.

  • Auch in der Schweiz sind die Femizid-Zahlen besorgniserregend.

Die Zahlen, die das deutsche Bundeskriminalamt am Dienstag veröffentlicht hat, sind erschreckend: Fast jeden Tag stirbt in Deutschland eine Frau gewaltsam, alle drei Minuten gibt es einen Fall von häuslicher Gewalt. Dabei ist in der Statistik in allen betrachteten Bereichen die Zahl der Fälle angestiegen.

«Fast jeden Tag sehen wir einen Femizid in Deutschland», sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser bei der Vorstellung des Lagebildes, das für 2023 360 Femizide verzeichnet. Jeden Tag würden zudem über 140 Frauen und Mädchen Opfer von Sexualdelikten – «Sie werden Opfer, weil sie Frauen sind», hält die SPD-Politikerin fest.

Viel mehr politisch motivierte Gewalt gegen Frauen

Laut der Auswertung des Bundeskriminalamtes stieg die Zahl der weiblichen Opfer von häuslicher Gewalt 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 Prozent auf 180'000 Fälle. Mehr als zehnmal so hoch war die Zunahme von politisch motivierten Hassdelikten gegen Frauen: Mit insgesamt 322 Straftaten ist die Zahl im Vergleich zu 2022 um 56,3 Prozent gestiegen. Davon waren gut neun Prozent Gewaltdelikte, was ebenfalls fast eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr bedeutet.

Eine Erklärung für den Ursprung der Gewalt an Frauen und den deutlichen Anstieg der einstellungsbezogenen Hasskriminalität liegt laut dem Kriminalamt «in einer Ideologie der Ablehnung von Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit der Geschlechter». Dabei werde Emanzipation und Gleichberechtigung als Bedrohung traditioneller Rollenbilder und der angeblich natürlichen Ordnung aufgefasst.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, fordert Bundesfamilienministerin Lisa Paus klare Massnahmen bei Prävention, Strafverfolgung und Schutzmassnahmen. Zwar gebe es rund 350 Frauenhäuser und 600 Beratungsstellen, dieses Angebot reiche aber vielerorts nicht aus. Paus will deshalb ein Gewalthilfe-Gesetz ins Kabinett einbringen. Darin soll der Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung und eine finanzielle Beteiligung des Bundes an Frauenhäusern geregelt werden.

Alle zwei Wochen ein Femizid in der Schweiz

Auch in der Schweiz kommt es fast alle zwei Wochen zu einem Femizid. Damit sind die Zahlen hierzulande nur leicht tiefer als in Deutschland – gemessen an der Bevölkerungsgrösse.  Für Sylke Gruhnwald von stopfemizid.ch ist deshalb ebenfalls klar, dass es im Bereich Femizid noch viel Präventions- und Aufklärungsarbeit braucht. Gewalt gegen Frauen werde noch viel zu oft als Privatsache betrachtet, dabei sei ein Femizid das Resultat von struktureller Gewalt, deren Ausgangspunkt in den patriarchalen Machtverhältnissen unserer Gesellschaft liege.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

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