Matcha: Produktion am Limit – es droht ein Engpass

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Grüntee-EngpassDie Welt trinkt zu viel Matcha – Japaner kommen nicht mehr nach

Matcha ist in aller Munde, doch die Produktion kommt nicht hinterher. Japanische Teehersteller haben die Verkaufsmenge bereits eingeschränkt.

Ein Matcha Latte steht inzwischen auf der Karte in so ziemlich jedem trendigen Kaffee.
Das Pulver erlebte in den letzten Jahren einen Boom. Es wird in Guetzli gebacken ...
... in Eis verarbeitet ...
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Ein Matcha Latte steht inzwischen auf der Karte in so ziemlich jedem trendigen Kaffee.

IMAGO/Addictive Stock

Darum gehts

  • Matcha erlebt weltweit einen Boom, doch Japan kann mit der Produktion kaum Schritt halten.

  • Die beliebteste Matcha-Sorte wird nur einmal jährlich geerntet, was zu Engpässen führt.

  • Japanische Teehersteller haben bereits die Verkaufsmenge ihrer Produkte eingeschränkt.

  • Matcha gilt als gesunde Kaffee-Alternative, enthält jedoch manchmal Schwermetalle.

Matcha Latte, Matcha Kuchen, Matcha Eis: Die Welt konsumiert so viel Matcha wie noch nie und Japan kommt nicht nach. Der Hype um Matcha hat die Nachfrage in die Höhe schnellen lassen, doch die Produktion lässt sich nicht so schnell ankurbeln.

Schon im letzten Herbst wurde darüber gemunkelt, ob es zu einem grossen Matcha-Engpass kommen könnte. Damals hatten nämlich bekannte japanische Teehersteller angekündigt, dass manche ihrer Produkte nur noch in bestimmten kleineren Mengen gekauft werden dürfen, nachdem sie in ihren Läden regelmässig ausverkauft waren.

Beliebteste Sorte wird nur einmal jährlich geerntet

Matcha wird jährlich zu vier verschiedenen Erntezeiten geerntet, doch international am beliebtesten und deshalb oft ausverkauft ist das Matcha-Pulver aus den Blättern der ersten jährlichen Ernte, welches früher traditionell nur für Zeremonien verwendet wurde.

Wie Jason Eng, ein Vertreter von Kemetani Tea, einem der führenden japanischen Grüntee-Produzenten, gegenüber der «Japan Times» sagt, wurde die Produktionsmenge seit 2019 um zehn Prozent gesteigert. «Wir machen viele Überstunden und arbeiten auch am Wochenende, weil wir versuchen der Nachfrage gerecht zu werden», erklärt er.

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Ernte im April wird kurzfristig Abhilfe schaffen

Im April wird die erste Matcha-Ernte des Jahres stattfinden, welche die Vorräte kurzfristig wieder auffüllen wird. Langfristig werde sich die Lage deshalb aber nicht entspannen und die Produktion wird sich verändern müssen, wenn sie nachkommen möchte.

In Japan wird seit Jahrzehnten immer weniger Matcha konsumiert, aber der Rest der Welt will mehr als je zuvor. Wie Befragungen von Touristen und Touristinnen, die in Japan Matcha kaufen, ergeben haben, trinken die meisten den Tee nicht nur, weil er gut schmeckt, sondern weil er gesund sei.

Ist Matcha wirklich so gesund?

Den grössten Namen machte sich das grüne Gold bislang als Kaffee-Ersatz. Schliesslich ist auch ordentlich Koffein drin. Viele einstige Espresso- und Cappuccino-Trinker haben der braunen Brühe den Rücken gekehrt und setzen auf Matcha als Wachmacher. Weshalb?

«Matcha ist gesünder als Kaffee», erklärt Ernährungswissenschaftlerin Christine Brombach auf Anfrage. Und zwar in verschiedener Hinsicht: «Es hat viele antioxidative und antiinflammatorische Eigenschaften», so die ZHAW-Professorin.

Koffein wirkt langsamer

Ausserdem sei das Koffein anders gebunden als im Kaffee und entfalte physiologisch eine unterschiedliche Wirkung: «Es entfaltet sich über einen längeren Zeitpunkt hinweg und gibt einen weniger harten Push», so Brombach. Deshalb werde man mit Matcha weniger zittrig und kriege weniger Herzrasen.

Des Weiteren, so Brombach weiter, gebe es verschiedene Studien, die Matcha auch in Sachen Regeneration, Muskelaufbau, Gewichtsreduktion oder Stresslinderung positive Effekte zuschreiben. Aber: «Da ist noch zu wenig belegt.»

Kann aber auch Schwermetall enthalten

Zubereitung hin oder her: Es gibt auch kritische Stimmen rund um das Kraut. So warnt etwa die deutsche Verbraucherzentrale, Matcha könne Aluminium und Blei enthalten, was über den Boden in die Teeblätter gelangen kann.

Auch, so ergänzt das Kompetenzzentrum «Matchaunion», werden günstige Mischungen immer wieder mit teils ungesunden Zusatzstoffen gestreckt.

Es sei daher darauf zu achten, Bio-Matcha mit der sogenannten «zeremoniellen Qualität» zu erwerben. Diese werden in Kyoto in Japan nachhaltig angebaut und sorgfältig auf Schwermetalle, Radioaktivität und Pestizide getestet.

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