Studie: Ist Skifahren an Weihnachten bald unmöglich?

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Studie der Uni BaselIst Skifahren über Weihnachten bald nicht mehr möglich?

Weisse Pisten werden wegen der Klimaerwärmung immer seltener. Der Wasserverbrauch für die Beschneiung werde stark steigen – und damit auch die Preise für Gäste.

Ein Forschungsteam der Uni Basel kommt zum Ergebnis, dass Skifahren über die Weihnachtsferien selbst mit Schneekanonen nicht mehr garantiert sein wird.
Die Klimaerwärmung macht weisse Pisten im Dezember zunehmend zur Seltenheit, wie hier ein aktuelles Bild von Adelboden Chuenisbärgli dokumentiert. 
Die Studie zeigt auf, wie gut sich das Skigebiet Andermatt-Sedrun-Disentis bis zum Jahr 2100 noch mit Beschneiung behelfen kann. 
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Ein Forschungsteam der Uni Basel kommt zum Ergebnis, dass Skifahren über die Weihnachtsferien selbst mit Schneekanonen nicht mehr garantiert sein wird.

Universität Basel

Darum gehts

Die Zukunft für den Schneesport sieht alles andere als rosig aus. Gemäss Prognosen wird es künftig weniger Schnee geben. Dennoch verwendete ein Investor unlängst mehrere Millionen Schweizer Franken, um das Skigebiet Andermatt-Sedrun-Disentis auszubauen.

Eine Fehlentscheidung? Ein Forschungsteam der Uni Basel hat berechnet, wie gut sich dieses Skigebiet bis zum Jahr 2100 noch mit Beschneiung behelfen kann. Dafür sammelten sie etwa Daten über die Pisten, die Orte, die beschneit werden müssen und wie viel Wasser benötigt wird.

Keine Garantie für weisse Weihnachtsferien

Beschneiung könne zwar in den höher gelegenen Teilen des Skigebiets eine 100-tägige Skisaison gewährleisten. Aber für das Weihnachtsgeschäft dürfte es bald knapp werden. Insbesondere Sedrun werde dereinst keine Schneegarantie über die Feiertage mehr bieten können. «Was viele nicht bedenken, ist, dass man auch für die technische Beschneiung gewisse Witterungsverhältnisse braucht», sagt Erika Hiltbrunner von der Uni Basel. «Es darf nicht zu warm sein und die Luft nicht zu feucht, sonst entsteht keine ausreichende Verdunstungskälte, damit das zerstäubte Wasser in der Luft gefriert und als Schnee herunterkommt.» 

540 Millionen Liter Wasserverbrauch

Der Preis für Beschneiung sei hoch: Laut Berechnungen wird Wasserverbrauch für das Skigebiet um rund 80 Prozent steigen. In einem durchschnittlichen Winter gegen Ende des Jahrhunderts beliefe sich der Verbrauch auf rund 540 Mio. Liter Wasser, im Vergleich zu heute 300 Mio. Litern. 

Zunächst dürfte das Skigebiet profitieren: Wenn tiefer gelegene und kleinere Gebiete schliessen müssen, konzentriert sich der Tourismus auf grosse und höher gelegene Gebiete. «Für kleinere Gebiete sind die Investitionen in eine künstliche Beschneiung schlicht zu hoch», so Hiltbrunner. Durch mehr Beschneiung würden auch Preise steigen. «Irgendwann können sich Personen mit durchschnittlichem Einkommen solche Ferien nicht mehr leisten», so Hiltbrunner.

So sieht es in anderen Skigebieten aus

Bei den Skigebieten hält sich die Besorgnis in Grenzen. «Die Studie kommt zum Schluss, dass Skifahren in der Region Andermatt-Sedrun noch lange möglich sein wird. Die Interpretation, dass die Ergebnisse erschreckend sind, können wir daher nicht teilen», sagt Ignaz Zopp, Head of Mountain Operations bei der Andermatt-Sedrun Sport AG. Optimierungen würden laufend geprüft. «Dazu gehört auch der Ausbau der Beschneiung. Mehr können wir dazu im Moment nicht sagen.»

«Bei den Schneeerzeugern konzentrieren wir uns auf die neuste Technologie, mit der wir markant Wasser und Strom sparen», sagt René Koller, Direktor der Bergbahnen Sörenberg. Es gebe immer wieder schneearme Dezember. «Also noch kein Grund zur Panik». Das Hoch-Ybrig-Gebiet beschneit rund 60 Prozent der Pisten. «Im Winter 1964 hatte es praktisch keinen Schnee. Solche Phasen hat es also früher schon gegeben», sagt Daniela Wiget von der Hoch-Ybrig AG.

Daniel Dommann, Geschäftsführer Sportbahnen Melchsee-Frutt, sagt: «Wir haben Investitionen in Millionenhöhe getätigt, wobei wir den Stromverbrauch bis zu 50 Prozent senken konnten.» Die produzierte Schneemenge sei seit Jahren stabil. Der gesellschaftliche Wandel fordere schnellere Anpassungen als der Klimawandel. Deshalb setzte man auch auf alternative Wintersportaktivitäten sowie den Ausbau von Sommeraktivitäten. 

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