Cecilia im Mullah-Knast: Vergeltung für Lausanner Unternehmer?

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ItalienCecilia im Mullah-Knast: Vergeltung für Lausanner Unternehmer?

Die italienische Journalistin Cecilia Sala sitzt im Evin-Gefängnis in Teheran. Der Fall könnte mit der Festnahme eines iranischen Technikers mit Bezug zur Schweiz in Italien zusammenhängen.

Die italienische Journalistin Cecilia Sala wurde in Teheran festgenommen.
Was der 29-Jährigen vorgeworfen wird, ist nicht bekannt.
Der Schweiz-Iraner Mohammad A. wurde am 16. Dezember am Flughafen von Mailand festgenommen. Ob es einen Zusammenhang zwischen den beiden Festnahmen gibt, ist ebenfalls unklar.
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Die italienische Journalistin Cecilia Sala wurde in Teheran festgenommen.

IMAGO/Independent Photo Agency Int.

Darum gehts

  • Die italienische Journalistin Cecilia Sala sitzt im Evin-Gefängnis in Teheran.

  • Ihr Fall könnte mit der Festnahme eines iranischen Technikers mit Bezug zur Schweiz in Italien zusammenhängen.

  • Er wird von den USA beschuldigt, Drohnen an die iranischen Revolutionsgarden geliefert zu haben.

Die italienische Journalistin Cecilia Sala (29) wurde am Donnerstag in einem Hotel in der iranischen Hauptstadt Teheran festgenommen, wenige Stunden vor ihrer geplanten Rückkehr nach Italien.

Sie befindet sich seitdem im berüchtigten Evin-Gefängnis, bekannt für die Inhaftierung von Regimekritikern und Ausländern, denen Verbindungen zur Opposition vorgeworfen werden. Offizielle Vorwürfe gegen Sala liegen bislang nicht vor, lediglich vage Anschuldigungen zu «illegalem Verhalten» wurden geäussert. Gleichzeitig wird vermutet, dass ihr Fall mit der Festnahme eines iranischen Bürgers in Italien im Zusammenhang stehen könnte, der von den USA der Unterstützung des Terrorismus beschuldigt wird. Darüber berichtet der «Corriere della Sera».

Die Journalistin sitzt im berüchtigten Evin-Gefängnis.

Die Journalistin sitzt im berüchtigten Evin-Gefängnis.

IMAGO/ZUMA Press Wire

Sie durfte kurz telefonieren

Sala war am 12. Dezember mit einem offiziellen Visum in den Iran eingereist und berichtete in ihrem Podcast über Interviews mit verschiedenen Personen, darunter Hossein Kanaani, einem Mitbegründer der iranischen Revolutionsgarden.

Ihre Berichte enthielten demnach keine regimekritischen oder geheimen Informationen. Dennoch wurde sie am 19. Dezember ohne vorherige Warnung festgenommen. Nach 24 Stunden in Isolation durfte sie kurze Telefonate mit ihrer Mutter und ihrem Partner führen, in denen sie mitteilte, dass sie körperlich wohlauf sei, jedoch auf eine rasche Lösung drängte.

Die italienische Botschafterin in Teheran, Paola Amadei, unterbrach ihre Ferien, um vor Ort Verhandlungen aufzunehmen. Ihr wurde erlaubt, Sala im Gefängnis zu besuchen. Dabei schilderte die Journalistin, dass sie sich der prekären Lage bewusst sei. Die Botschaft konnte ihr grundlegende Hygieneartikel zukommen lassen. Der italienische Geheimdienst Aise arbeitet hinter den Kulissen an einer Lösung.

Schweiz-Iraner in Mailand festgenommen

Einen Tag vor Salas Verhaftung wurde am Flughafen Mailand-Malpensa Mohammad A., ein iranischer Techniker, festgenommen. Er absolvierte ein Postdoktorat an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) und gründete 2019 das Start-up Illumove SA, das im Innovationspark der EPFL angesiedelt ist.

Laut US-Ermittlungen nutzte er dieses Unternehmen, um Technologien für iranische Drohnenprogramme zu beschaffen und so internationale Sanktionen zu umgehen. Obwohl Illumove offiziell keine Aktivitäten auf dem Campus ausübt, deutet die Adresse im Innovationspark darauf hin, dass die Firma als Tarnung für illegale Exporte diente, wie RSI berichtet. Die EPFL habe A.s Tätigkeit seit 2019 beendet, der Fall werfe jedoch ein kritisches Licht auf mögliche Spionage- und Missbrauchsgefahren in der Schweizer Hochschullandschaft.

Ob die Verhaftung Salas in direktem Zusammenhang mit der Festnahme von A. steht, sei unklar. Der Iran habe jedoch bereits gegen die Festnahme protestiert.

Italienische Medien berichteten, A. sei schweizerisch-iranischer Doppelbürger. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten stellte auf Anfrage von 20 Minuten klar, dass diese Information nicht zutrifft.

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