Bschiss?Student lässt Bachelorarbeit komplett von KI schreiben
KI-Programme werden immer raffinierter. Sie schreiben mittlerweile neue Gesetze für Albanien – und Bachelorarbeiten für Studierende. J.* hat dafür die Bestnote erhalten. Ein schlechtes Gewissen hat er deswegen nicht.
Darum gehts
Der Student J.* nutzt ChatGPT rege im Uni-Alltag.
Unter anderem hat er seine Bachelorarbeit von dem KI-Programm schreiben lassen.
Ein schlechtes Gewissen habe er deswegen nicht. Laut ihm schauen Dozierende teilweise extra weg.
Hochschulen wie die Universität Zürich erkennen den Bedarf, den Unterricht anzupassen, und fordern Dozierende auf, KI sinnvoll zu integrieren.
Gleichzeitig gehen sie gegen den Missbrauch von KI vor.
J.* studiert an einer Schweizer Uni und lässt sich dabei gerne von künstlicher Intelligenz unterstützen. ChatGPT erklärt ihm Begriffe, fasst die Vorlesungs-Folien der Dozierenden zusammen – und hat seine Bachelorarbeit geschrieben, die noch nicht benotet ist. Damit die Sache auf den letzten Metern nicht auffliegt, möchte er weder Namen noch Studiengang nennen.
«Ich bin gespannt, wie ich abschliesse. In der Zwischenbeurteilung habe ich jedenfalls die Note 6 erhalten.» Ein schlechtes Gewissen habe er deswegen nicht. «Wenn ich einen Schraubenzieher und einen Akku-Bohrer zur Auswahl habe, bin ich selbst schuld, wenn ich den Schraubenzieher wähle.»
Nutzt du KI-Programme wie ChatGPT?
Mit VPN funktionieren auch nicht zugelassene Programme
Bei seiner Bachelorarbeit sei J. wie folgt vorgegangen: «Im Gegensatz zu anderen Studierenden habe ich zuerst selber nach Quellen gesucht, zum Beispiel zum Thema Elektromotor. So habe ich per Suchfunktion passende Textpassagen ermittelt und diese dann in ChatGPT kopiert.» Anschliessend habe er die KI aufgefordert, anhand der Quellen die Funktionsweise eines Elektromotors zu definieren. Das Ergebnis habe er wiederum in seine Arbeit kopiert. «So hat die KI für mich die ganze Arbeit geschrieben.» Damit das am Ende niemand merkt, hat er seine Arbeit noch durch ein Plagiatsprogramm und eines, das KI-generierte Texte erkennen soll, gejagt.
«Es gibt ein oder zwei Fächer, da hätte ich keine Frage beantworten können, habe aber am Ende eine 5 geschrieben.»
Auch Zusammenfassung und Vorwort habe er generieren lassen, das aber mit Google Gemini. «Da ich mich sehr für KI interessiere, spült mir mein Social-Media-Algorithmus unzählige Videos zum Thema in meinen Feed.» Dadurch habe er herausgefunden, dass sich in der Gemini Version 1.5 Tausende Seiten Material hochladen lassen. «Diese ist in Europa zwar noch nicht zugelassen, das lässt sich per VPN aber einfach umgehen.»
Nichts gewusst und trotzdem gute Noten
Auch bei Online-Prüfungen, die direkt im Browser geschrieben werden, soll KI behilflich sein. «Es gibt ein oder zwei Fächer, da hätte ich keine Frage beantworten können, habe aber am Ende eine 5 geschrieben.» Das mithilfe der Chrome-Erweiterung Composure AI. «Im Textfeld der Prüfung tippe ich einen doppelten Slash, kopiere die Frage rein und bekomme innerhalb von drei Sekunden die meist richtige Antwort.»
An der Universität, die J. besucht, sei wegen der Programme wie ChatGPT ein Wandel spürbar, dieser stehe aber noch ganz am Anfang. «Ich glaube, dass ein paar Dozierende absichtlich die Augen verschliessen, damit kein Mehraufwand entsteht.» Denn nicht nur die Art der Prüfungen, sondern auch des Unterrichts müsste angepasst und somit neue Unterlagen erarbeitet werden. Schon nur, damit Studierende wie er und seine Kollegen überhaupt wieder in den Unterricht kämen. «Einige Lehrpersonen beten ihre Folien herunter und wundern sich, weshalb ihre Vorlesungen leer sind. Die KI kann das innerhalb von Sekunden zusammenfassen.»
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