Korruption in Angola: Trafigura vor Gericht

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Korruptionsprozess5 Millionen Franken an «Mr. Non Compliant»: Trafigura angeklagt

Der Schweizer Rohstoffhändler wird verdächtigt, dank Bestechungsgeldern an lukrative Öl-Deals gekommen sein. Der Fall reicht bis zur Spitze des Unternehmens.

Der Schweizer Rohstoffgigant Trafigura und dessen ehemaliger COO werden in einem Korruptionsprozess angeklagt. Letzter soll mutmasslich mit unlauteren Mitteln an Öl-Deals in Angola gekommen sein.
Trafigura soll dank fünf Millionen Dollar Schmiergeld Öl-Deals im Wert von 143,7 Millionen Dollar von Angola bekommen haben.
Dafür sei der damalige CEO einer Tochterfirma des staatlichen angolanischen Öl-Unternehmens auch in ein Luxushotel in Genf eingeladen worden.
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Der Schweizer Rohstoffgigant Trafigura und dessen ehemaliger COO werden in einem Korruptionsprozess angeklagt. Letzter soll mutmasslich mit unlauteren Mitteln an Öl-Deals in Angola gekommen sein.

imago images/Joerg Boethling

Trafigura-Korruptionsprozess: Darum gehts

  • Ehemalige Angestellte von Trafigura werden beschuldigt, fünf Millionen Franken Schmiergeld für Öl-Deals in Angola gezahlt zu haben.

  • Die Bestechungsgelder sollen zwischen 2009 und 2011 geflossen sein und bis zur Unternehmensspitze reichen.

  • Der ehemalige COO Michael Wainwright und der verstorbene Gründer Claude Dauphin stehen im Fokus der Ermittlungen.

Nicht selten sitzen Rohstoffgiganten auf der Anklagebank wegen Korruptionsfällen. Doch selten richtet sich die Anklageschrift gegen so hochrangige Personen, wie im Fall von Trafigura.

Hochrangigen Mitarbeitern der Trafigura Beheer BV (TBBV), die frühere Muttergesellschaft der Trafigura-Gruppe, wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, sich zwischen 2009 und 2011 mit rund fünf Millionen Franken Schmiergeld Deals für angolanisches Öl gesichert zu haben, wie «Bloomberg» berichtet.

Es gilt die Unschuldsvermutung.

«Herr nicht konform»

Die Vorwürfe reichen bis zum 2015 verstorbenen Gründer und ehemals CEO Claude Dauphin, sowie Trafiguras ehemaligen COO Michael Wainwright. Die beiden sollen mutmasslich das Vorgehen abgesegnet und organisiert haben, bei dem Millionen an Paulo Gouveia Junior bezahlt wurden.

Trafigura soll dank fünf Millionen Dollar Schmiergeld Öl-Deals im Wert von 143,7 Millionen Dollar von Angola bekommen haben.

Trafigura soll dank fünf Millionen Dollar Schmiergeld Öl-Deals im Wert von 143,7 Millionen Dollar von Angola bekommen haben.

IMAGO/Pond5 Images

Gouveia war zu diesem Zeitpunkt CEO von Sonangol Distribuidora, einem Tochterunternehmen des angolanischen staatlichen Öl-Konzerns Sonangol. In einer Audio-Datei, die in der Anklageschrift erwähnt ist, wird Gouveia von Dauphin als «Mr. Non Compliant» bezeichnet – also als Herr nicht konform, jemand, der die Regeln umgehen kann.

Treffen in Genf

Um die Deals aufzugleisen, sei Gouveia nach Genf eingeladen worden. Der Angolaner nächtigte dabei – auf Kosten von Trafigura – im Four Seasons Hôtel des Bergues und soll zum Abendessen gar bei Dauphin zu Hause eingeladen worden sein.

Insgesamt seien 4,3 Millionen Euro an ein Genfer-Bankkonto auf den Namen Gouveias geflossen. Weitere 604'000 US-Dollar habe er in Cash in Angola direkt erhalten. Mit dem Wechselkurs von 2015 macht dies rund fünf Millionen Schweizer Franken.

Angeklagte weisen Vorwürfe zurück

Die Anwälte von Wainwright sagen gegenüber Bloomberg, ihr Klient weise die Vorwürfe zurück. «Wir werden eine solide Verteidigung präsentieren. Er hat volles Vertrauen, dass das Gericht die Anschuldigungen für unbegründet hält und die Klage der Staatsanwaltschaft gegen ihn abweisen wird.»

TBBV selbst wird vorgeworfen, ungenügend Mittel eingesetzt zu haben, um den Korruptionsfall zu verhindern. Dazu äussert sich Trafigura:

«Das zum betreffenden Zeitpunkt bestehende Compliance-Programm sowie die Anti-Korruptions- und Anti-Bestechungskontrollen wurden extern überprüft – und hinsichtlich der geltenden gesetzlichen Anforderungen und internationalen Standards als rechtskonform beurteilt. Folglich weist TBBV die erhobenen Vorwürfe zurück und wird sich ab dem 2. Dezember 2024 vor Gericht dagegen verteidigen», so das Unternehmen.

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