Nicholas ChavezFreundin von Netflix-Star bekommt Hate – weil sie «normal» aussieht
Nicholas Alexander Chavez' Freundin wird auf Tiktok angefeindet, weil sie viele zu normal für den Netflix-Star finden. Laut einer Kulturwissenschaftlerin sind wir operierte Gesichter gewohnt.
Darum gehts
Nicholas Alexander Chavez zeigt sich oft an der Seite seiner Freundin Victoria Abbott.
Die 23-Jährige bekommt auf Tiktok Hate, weil sie User als zu normal und durchschnittlich für den Star wahrnehmen.
Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Lechner erklärt, ob operierte Gesichter bereits die neue Norm sind und wie der Schönheitswahn besonders auf Frauen Druck ausübt.
Nicholas Alexander Chavez wurde durch seine Rolle als einer der Menendez-Brüder in der Netflixshow «Monsters» über Nacht zum Star. Mit seinem Auftritt in der Show bringt der 25-Jährige viele Teenie-Herzen zum Höherschlagen. Er selbst hat sein Herz aber bereits vergeben. Seine Freundin sorgt für Diskussionen auf Tiktok.
Victoria Abbott (23) ist für viele zu durchschnittlich in ihrem Aussehen, um mit Nicholas zusammen zu sein. Die junge Frau wird mit bösen Kommentaren bombardiert. «Er betrügt sie sicher», so ein User. Frauen behaupten unter Victorias Posts, dass sie mit Nicholas auf Dating-Apps gematcht haben, um sie zu verunsichern. «Wie hat sie es geschafft, mit ihm zusammenzukommen? Er ist so hübsch», fragen sich einige.
Das hat auf Tiktok eine Debatte darüber ausgelöst, ob die Gesellschaft «normal» aussehende Menschen – insbesondere im Promi-Kontext – nicht mehr gewohnt ist. «Sie sieht aus, wie jemand, der in meiner Freundesgruppe sein könnte. Wäre sie meine Freundin, würde ich sie hübsch finden», meint eine Tiktok-Userin. «Wir wurden aber konditioniert, dass das nicht hübsch genug ist», so die Frau weiter.
Was ist schön genug?
Schönsein heisst laut der Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Lechner im Zeitalter von Social Media jung, dünn, fit und durchtrainiert zu sein. «Wer heute als schön gilt, ist darüber hinaus meist weiss, hat keine
Behinderung, Körperbehaarung oder Hautunreinheiten. Für Promis gilt das
umso mehr, an ihnen machen wir stellvertretend fest, was wir schön und
begehrenswert finden».
Vor allem für weibliche Stars sind die Erwartungen hoch. «Altern ohne Eingriffe gilt beispielsweise ‹als sich gehen lassen›, wer Unterspritzungen vornehmen lässt, ‹hat etwas machen lassen› und wird dafür belächelt.» Man könne es als Frau schlichtweg nie allen recht machen. «Über all diese widersprüchlichen, absurden Ansprüche an das Äussere wird Kontrolle ausgeübt und der Handlungsspielraum von
Frauen eingeschränkt, weil man nie ‹schön genug› ist.»
Für die Menschen ausserhalb des Rampenlichts ist der Schönheitsdruck aber nicht unbedingt weniger hoch. Die Stars setzen das Ideal, nach dem alle streben. «Sie haben aber im Unterschied zu ihren Fans viel mehr Ressourcen für diese Schönheitsarbeit und damit viel mehr Chancen
auch wirklich näher an Ideale heranzukommen», so die Body-Positivity-Aktivistin.
Sind operierte Gesichter die neue Norm?
«Wir sehen ganz eindeutig eine Zunahme und Normalisierung sogenannter
minimalinvasiver Eingriffe im Bereich des Gesichts wie Lip Filler oder
Botox- und Hyaluron-Unterspritzungen», erzählt Lechner 20 Minuten. Die Kundschaft werde zudem immer jünger. Das hänge unter anderem mit dem Einfluss von Face Filtern und digitalen KI-Anwendungen auf Social Media zusammen. Schönheitsoperationen sind heutzutage auch nicht mehr so schambehaftet wie früher. «Die neue Norm ist ein operiertes Gesicht vielleicht noch nicht, Seltenheit ist es aber auch keine mehr», so die Autorin.
«Ein positives Selbstbild und Selbstvertrauen kann man leider weiterhin nicht anoperieren.»
Problematisch ist die Entwicklung laut der deutschen Wissenschaftlerin bereits jetzt. Junge Menschen wüchsen mit unrealistischen Vorstellungen von gesunder Haut, perfekten Nasen oder Augenbrauen auf. «Wer neun Stunden am Tag vor Bildschirmen verbringt und nur perfekt optimierte Gesichter sieht – seien sie digital oder chirurgisch nachgebessert – der oder die kann beim Blick in den Spiegel das eigene Gesicht nur für unzulänglich halten.»
Eingriffe können zwar helfen, wenn eine Person unter einem Makel besonders leidet, «aber Studien zeigen, dass es mit einem Eingriff meist nicht getan ist. Ein positives Selbstbild und Selbstvertrauen kann man leider weiterhin nicht anoperieren, strukturelle Diskriminierung nicht so einfach wegschnipseln», erklärt Lechner.
Der Schönheitswahn in der Schweiz
In der Lucerne Clinic, einer der bekanntesten Schönheitskliniken der Schweiz, nimmt man wahr, dass Eingriffe im Gesicht und vor allem minimalinvasive Behandlungen zur Faltenreduktion sehr beliebt sind. «Bei den minimalinvasiven Behandlungen verzeichnen wir nebst Botox und Filler-Behandlungen eine wachsende Nachfrage nach neuen Behandlungsformen wie Profhilo oder Sculptra. Ziel der Profhilo-Behandlung ist es, die Hautqualität zu verbessern und Feuchtigkeit zu spenden. Sculptra füllt wie Filler die Haut auf», so Facharzt Dr. Häcki auf Anfrage.
Die Kundschaft komme zwar nur selten mit Promigesichtern als Vorlage in die Behandlungsgespräche, «der Einfluss aus den Medien und vor allem Social Media ist aber natürlich da. Die Kundschaft hat sich in den letzten Jahren auffallend verjüngt. Gerade Profhilo- oder Botox-Behandlungen werden präventiv nachgefragt, um dem Alterungsprozess entgegenzuwirken», so Dr. Häcki zudem.
Tenor unter Victorias Posts wird positiver
Durch die Debatte auf Tiktok finden sich unterdessen auch viele positive Kommentare unter Victorias Posts. «Er kann sich glücklich schätzen» oder «Du bist wunderschön», beispielsweise.
Laut Lechner lautet die Logik hinter den Hatern: «Ich wurde selbst verletzt und herabgewertet, also gebe ich das weiter und erhöhe mich durch die
Herabsetzung anderer.» Sie hofft, dass man in Zukunft online mehr Raum für den Austausch und die geteilte Verletzlichkeit schafft. «Das ist meines Erachtens überhaupt eine der wichtigsten Massnahmen im Kampf gegen die Body Image Crisis unserer Zeit.»
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