MorddrohungenMutter und Tochter Galladé sprechen über Horror-Erlebnis mit Stalker
GLP-Kantonsrätin Chantal Galladé und ihre Tochter Amélie erzählen im Podcast von Stalking und Sprayereien am Schlafzimmerfenster.
Darum gehts
GLP-Kantonsrätin Chantal Galladé und ihre Tochter Amélie lancieren den «Galladé-Podcast».
In der ersten Folge reden sie über Drohbriefe, Stalking und tätliche Übergriffe auf die Politikerin.
In einem Fall wurde sie von einem international gesuchten Verbrecher gestalkt.
Drohbriefe, Beschimpfungen, stinkende Post im Briefkasten – erschreckend viele Politikerinnen und Politiker erleben das. Der TA berichtete diese Woche darüber. 549 Personen von über 2000 befragten Parlamentarierinnen und Parlamentariern sagen, dass sie mindestens einmal persönlich verletzend angegangen wurden.
Auch Chantal Galladé (50), GLP-Kantonsrätin und Nationalratskandidatin, wurde Opfer von Stalking und tätlichen Übergriffen, wie sie im «Galladé-Podcast» auf Spotify preisgibt. Diesen lanciert sie gemeinsam mit ihrer Tochter Amélie Galladé (18), ebenfalls GLP-Mitglied, Generation-Z-Speakerin und Kolumnenschreiberin.
Stalker war aus dem Gefängnis ausgebrochen
Chantal Galladé erzählt von einem Fall, in dem sie als junge Nationalrätin gestalkt wurde. Ein Mann kontaktierte sie per Brief und Telefon. Irgendwann habe er angerufen und gesagt, er sei jetzt in der Schweiz und wolle sie besuchen. Weil er die Adresse der Politikerin nicht fand, besuchte er ihre Mutter, deren Wohnadresse im Internet war. «Er ging zu meiner Mutter nach Hause und trank dort Kaffee. Ich war schockiert und habe es der Polizei gemeldet.» Erst dann habe sie erfahren, dass der Mann international gesucht und zur Verhaftung ausgeschrieben war, in Deutschland sei er aus dem Gefängnis ausgebrochen. Das alles ereignete sich kurz nach der Geburt von Tochter Amélie.
Galladé erzählt auch von Briefen und Mails mit Morddrohungen oder Drohungen betreffend ihrer Kinder, auch Vergewaltigungsphantasien seien darunter gewesen. Einmal sei sie auf dem Perron von einer älteren Frau geschubst und angespuckt worden, das war während des Ständeratswahlkampfs 2007.
Morgens standen Polizisten vor dem Haus
An einen Fall erinnert sich auch die Tochter: Als die Parterre-Mietwohnung der Politikerin über Nacht schwarz angesprayt wurde, war Amélie Galladé drei Jahre alt. «Ich weiss noch, dass ich am Morgen nicht mehr richtig aus dem Fenster gesehen habe, das störte mich», sagt sie. «Und es hatte überall Polizisten vor dem Haus.» In der Kita habe sie dann erzählt, Polizisten hätten ihr Haus versprayt.
Chantal Galladé ergänzt: «Viele Medien haben darüber berichtet. Was man nicht wusste: dass die Renovation 35’000 Franken gekostet hat.» Doch nicht nur dies wiege schwer, auch das Sicherheitsgefühl sei in so einem Fall beeinträchtigt. «Ich lebte allein mit einem Kleinkind in einer Parterre-Wohnung, und jemand hat es geschafft, über Nacht unbemerkt Fenster und Wände zu besprayen.»
Manche der bösen Briefe seien auch unfrankiert im Briefkasten gelegen. «Es sind also nicht nur Unbekannte auf Social Media, sondern auch Leute, die unsere Adresse kennen», sagt Amélie Galladé. Und die Mutter ergänzt: «Es ist störend, dass die Post dann beim Empfänger das Porto einzieht. So kann man jemanden in den Ruin treiben.»
Hast du selber Hass und Drohungen erlebt?
Ein Grund, der Politik fernzubleiben? Nein, meinen beide. Obwohl sie das schon abschrecke, wenn es um eine Kandidatur für ein politisches Amt gehen würde, sagt Amélie Galladé, die diesen Sommer die Matura absolviert hat. Doch sie erinnert sich auch an die schönen Seiten des politischen Engagements: Die meisten Rückmeldungen an ihre Mutter seien positiv, auch auf der Strasse. «Du erfährst sehr viel Wertschätzung, das finde ich schön.»
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