«Porny Days»Live-Sex im Zürcher Schauspielhaus sorgt für Aufregung
An einem Event der «Porny Days» soll ein «radikales Manifest mit Live-Sex» gezeigt werden. Im Zentrum sollen jedoch die Rechte von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern stehen, sagen die Veranstalter.
Darum gehts
«Porny Days» sind ein Film-Kunst-Festival in Zürich, das sich um Körperlichkeit und Sexualität dreht.
In der diesjährigen Ausgabe ist es erstmals auch im Schauspielhaus zu Gast – und will dort unter anderem Live-Sex zeigen.
Die subventionierte Porno-Darbietung auf der Theaterbühne schlägt hohe Wellen.
Am 1. und 2. Dezember wird es im Rahmen des «Porny Days»-Festivals jeweils eine Aufführung der Performance «Gaze.S» im Schiffbau des Schauspielhauses Zürich geben. Gezeigt werden, wie es im Beschrieb auf der Website des Schauspielhauses heisst, «explizit Angelegenheiten bezüglich des Lebens von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern, einschliesslich Live-Sex, pornografischer Bilder und Erzählungen von herausfordernden Erfahrungen und Heilung». Die Aufführung ist erst ab 18 Jahren zugänglich.
Was ist an einer solchen Vorführung zu erwarten? Die Porny-Days-Organisatoren geben gegenüber 20 Minuten an, die Rechte von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern stünden im Zentrum. Die beiden Darstellerinnen und Sexarbeiterinnen – Marianne Chargois und Romy Alizée – seien politisch aktive Menschen. «Sie sagen ihre Meinung zum Thema. Darüber hinaus sind sie sehr humorvoll und erzählen absurde und lustige Geschichten aus ihrem Arbeitsalltag.» Es sei zudem nicht das erste Mal, dass die beiden Künstlerinnen diese Performance aufführten.
«Sexueller Akt nicht im Zentrum»
Das Porny-Days-Team gibt an, die Performance zeige, wie Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter in der Gesellschaft wahrgenommen würden, und zwar aus Sicht von den Arbeitern und Arbeiterinnen selbst, «deren Stimmen sonst fast nie gehört werden». Der sexuelle Akt stehe bei der Performance hingegen nicht im Zentrum. «Häufig ist der erste Gedanke, dass es bei Sex um Penetration von Penis und Vulva geht, aber das ist hier nicht der Fall», betont eine Sprecherin.
Doch worin liegt der Mehrwert, Live-Sex zu zeigen? Geht es nicht nur um Provokation? «Manche mögen es als Provokation empfinden – doch das ist nicht das Ziel», so die Organisatoren. «Gaze.S ist eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Lebensrealität der Performerinnen.» Dabei sei es verkürzend, die Performance als «Live-Sex auf der Bühne» zu bezeichnen.
Darbietung erhitzt die Gemüter
Die Provokation zieht offenbar beim Publikum. Die beiden Aufführungen von «Gaze.S» waren innerhalb von wenigen Tagen ausverkauft. Doch es gibt auch kritische Stimmen, vor allem vor dem Hintergrund, dass das Festival von Migros Kulturprozent dem Kanton Zürich sowie der Stadt Zürich mitfinanziert wird. «Migros und Stadt Zürich haben dafür bezahlt? Das ist doch nicht im Ernst oder?», schreibt ein User auf der Plattform X. Auf der Website des Festivals sind neben der Migros die Stadt und der Kanton Zürich als Sponsoren aufgeführt.
Schauspielhaus äussert sich
Live-Sex statt Dürrenmatt und Goethe: Auch das Schauspielhaus sieht kein Problem. Das Festival setze sich seit jeher ein für Bodypositivity, Sexpositivity, Intersektionalität und Diversität, sagt Zora Schaad, Leiterin Medien- und Öffentlichkeitsarbeit des Schauspielhauses. «Hinter diesen Anliegen stehen wir voll. Deshalb ist das Festival dieses Jahr zum ersten Mal auch zu Gast am Schauspielhaus Zürich.»
Rechtsanwalt Valentin Landmann schreibt in einem Artikel der «Weltwoche»: «Bei aller vollmundigen Vorankündigung gehe ich davon aus, dass sich die Darstellungen des Schauspielhauses im Bereich des relativ braven Softpornos bewegen werden. So verwegen und unglaublich kühn, wie die Vorankündigungen es darstellen, dürfte die Realität wohl nicht sein.»
Keine News mehr verpassen
Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.