Tiktok-MumsGeschenke fürs Gebären: «Er sollte schon 100'000 Dollar ausgeben»
Auf Tiktok zelebrieren werdende Mütter das Ritual der Push Presents. Süsse Geste oder oberflächlicher Trend? Eine Paartherapeutin teilt ihre Einschätzung.
«Push Presents» in der Höhe von über 100'000 Dollar? Für Influencerinnen wie Linda Andrade eine Selbstverständlichkeit.
Darum gehts
Auf Tiktok präsentieren Frauen unter dem Hashtag «Push Present» ihre Vorstellungen und Ideen, was sie für das Gebären ihres Kindes als Geschenk erhalten möchten.
Die schwangere Dubai-Influencerin Linda Andrade macht in ihren Videos deutlich, dass sie die Strapazen der Geburt «nicht umsonst» auf sich nimmt.
Geschenke und Aufmerksamkeiten sind für manche Menschen die wichtigste Lovelanguage, erklärt eine Paartherapeutin.
«Ich bin schwanger, also brauche ich ganz klar ein Push Present», sagt Dubai-Influencerin Linda Andrade (24) in einem ihrer Videos. Gemeint ist ein Geschenk, das ihr Mann ihr für das Austragen des Babys machen soll.
«Ihr müsst aufhören, Kinder mit Männern, die pleite sind, zu haben. Wenn ich von Push Present spreche, meine ich nämlich nicht ein Victoria-Secret-Körperpflege-Set, sondern ein Auto, ein Haus, Schmuck. Er sollte schon mindestens 100'000 Dollar oder mehr für euch ausgeben», so Andrade, die mit dem millionenschweren Krypto-Investor und Unternehmer Ricky Andrade (28) verheiratet ist. Mittlerweile ist Töchterchen Amira zur Welt gekommen, wie die 24-Jährige via Instagram mitteilte.
Andrade stellt ihr Leben als Millionärsgattin gerne provokativ und überspitzt dar. Doch sie ist nicht die Einzige, die auf den Trend Push Presents abfährt. Ein Blick auf Tiktok zeigt, dass sich viele Frauen von ihren Männern mit kostspieligen Geschenken überhäufen lassen – als Wertschätzung dafür, dass sie neun Monate lang das Kind ausgetragen und danach zur Welt gebracht haben.
Konzept der fünf Sprachen der Liebe
Kritisiert werden diese Geschenke oftmals mit der Begründung, dass ein Kind allein das Geschenk für die werdenden Eltern sein sollte. Paartherapeutin Joëlle Gut aus Bern sieht das ähnlich. Die Langlebigkeit und das Glück in einer Beziehung, gerade wenn Kinder im Spiel sind, würden von vielen Faktoren abhängen. Nach bald 20 Jahren Berufserfahrung habe sich das «Konzept der fünf Sprachen der Liebe» in ihren Therapien bewährt. Dazu gehört: Hilfsbereitschaft, gemeinsame Zeit verbringen, körperliche Nähe (Sexualität), Lob und Anerkennung und Geschenke.
Was ist deine Haupt-Liebessprache?
«Interessanterweise entstehen viele Enttäuschungen dadurch, dass wir davon ausgehen, dass der oder die Partnerin dieselbe Liebessprache hat», so Gut auf Anfrage von 20 Minuten. Dadurch sei es wahrscheinlich, dass jemand, der Geschenke als Bestätigung der Liebe erachtet, selbst auch Geschenke offeriert. Häufig seien Paare nicht «gleich gepolt» und würden gar mehrere Liebessprachen sprechen. Ein anderer Ansatz seien die fünf Säulen des Glücks, bestehend aus positiven Emotionen, Beziehungen, Flow, Sinn und Selbstwirksamkeit.
«Es gibt wohl kein anderes vergleichbares positives, sinnstiftendes Gefühl, als das eigene Kind nach der Geburt in den Armen zu halten»
«Da braucht es meiner Meinung nach kein zusätzliches Geschenk wie ein Auto oder was auch immer. Aber ein Gefühl der Dankbarkeit und das gemeinsame Assistieren während der Geburt, welches viel nachhaltiger ist als etwas materiell Käufliches.»

Joëlle Gut ist dipl. Paartherapeutin und eidg. anderkannte Psychotherapeutin.
psychologie.chUnterstützung vs. teure Geschenke
Doch für die Paartherapeutin steht auch fest, dass Geschenke bei einigen Menschen viel auslösen können. «Eine Mutter, deren Liebessprache Geschenke favorisiert, wird durch ein Geschenk ihre Beziehung bestätigt sehen und daran Freude haben». Eine Frau, die Hilfsbereitschaft als wichtigstes Beziehungskriterium erachtet, wird mehr Wert auf die tatkräftige Unterstützung im Zusammenhang mit der Care-Arbeit legen.
Worüber sich alle einig sein dürften, ist, dass Frauen während der Schwangerschaft mit vielen körperlichen und psychischen Veränderungen konfrontiert werden. Deshalb verdienen sie, so Gut, dass man ihnen ihre Unterstützung aktiv anbietet. «Die kleinen alltäglichen Dinge wertzuschätzen hat dabei einen nachhaltigeren Wert als ein grosses, teures Geschenk.»
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