SchweizSBB bereitet sich auf Stromknappheit vor – kommts im Winter zu Zugausfällen?
Die Versorgungssicherheit der Schweiz ist derzeit gegeben. Im Winter droht jedoch eine Strommangellage. Falls dies eintreffen sollte, gäbe es Massnahmen.
Darum gehts
Die Versorgungssicherheit der Schweiz ist derzeit gegeben. Aufgrund des Ukraine-Kriegs und der damit verbundenen möglichen Gaslieferunterbrechungen in Europa – sowie der Situation bei den Kernkraftwerken in Frankreich – kann gemäss Einschätzung der ElCom die Stromversorgung im kommenden Winter 2022/2023 aber angespannt werden.
Falls eine Strommangellage eintreffen sollte, gäbe es Massnahmen. So denkt der Bund unter anderem über Stromkontingente für Grosskunden nach. Als letzte Konsequenz würde der Bundesrat Netzabschaltungen beschliessen. Der öffentliche Verkehr ist auf Strom angewiesen. Wie ein Vertreter der SBB an einem Runden Tisch, organisiert vom Bund, sagt, könne sich die Bahn etwa eine Stunde selbst mit Strom versorgen, wie die Zeitungen der Tamedia schreiben. «Wenn der Fall eines Blackouts eintrifft, dann würde dies noch ein kontrolliertes Herunterfahren erlauben», wie SRF aus einer Aktennotiz zitiert.
SBB produziert ihren eigenen Strom
Die SBB ist an Wasserkraftwerken beteiligt. Ausserdem besitzt sie eine Beteiligung an Abnahmeverträgen für Atomstrom aus Frankreich und der Schweiz. Der Strom, den die SBB selbst produziert, ist aber für den Bahnstrom vorgesehen. Er hat eine andere Frequenz als normaler Hausstrom. Geht es jedoch um Weichen, den Betrieb von Bahnhöfen oder Leitstellen, dann ist die SBB auf normalen Strom angewiesen.
Michael Frank vom Verband der Schweizerischen Elektrizitätsunternehmen (VSE) warnte bereits im Juli vor Netzabschaltungen. Im schlimmsten Fall hätten dann einzelne Gemeinden oder Stadtteile für vier Stunden keinen Strom mehr, danach wären andere Ortschaften dran. «Da wären alle im abgeschalteten Verteilnetzgebiet betroffen, Private, Unternehmen und Bereiche des öffentlichen Lebens, wie unter Umständen der lokale ÖV», sagt Frank zu 20 Minuten. Auch der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) warnt bei Netzabschaltungen davor, dass der Eisenbahnverkehr zum Erliegen kommen könnte.
Grosse Uhr am Bahnhof Wankdorf abgestellt
Die SBB erarbeite deshalb derzeit unter Einbezug der ÖV-Branche und des Bundes eine Branchenlösung als Grundlage für die Vorbereitungen auf eine Limitierung des Stromverbrauchs. Voraussichtlich im Herbst soll es belastbare Resultate dazu geben, wie es beim Verband öffentlicher Verkehr (VöV) heisst. Das Ziel sind laut einem Sprecher der SBB konkrete Vorbereitungsmassnahmen.
Bereits jetzt geht die SBB aber schon als Beispiel voran. So haben die Bundesbahnen die grosse Uhr am Bahnhof Bern-Wankdorf abgestellt. Ein Sprecher der SBB gegenüber dem «Tages Anzeiger»: «Als symbolisches Zeichen.» Weiter möchte man SBB-Logos nicht mehr beleuchten und in Bürogebäuden die Klimatisierung, respektive die Beheizung reduzieren.
Wie gross ist die Gefahr, dass Züge ausfallen oder das Angebot teilweise eingestellt wird? Dazu will die SBB sich derzeit nicht äussern. «Diese Frage können wir heute noch nicht beantworten. Die SBB wird die Mobilität als Grundversorgung auf jeden Fall sicherstellen», sagt eine Sprecherin gegenüber dem «Blick».
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