Schweizer EntwicklungKünstliche Intelligenz erleichtert Imkern die Bienenpflege
Die Schweizer Firma BeeSmart entwickelt ein Bienen-Babyfon, das Imkern die Pflege ihrer Bienen erleichtern soll. Zudem will das Unternehmen die Bevölkerung mit einer App über die Bedeutung der Bienen informieren.
Darum gehts:
Die App BeeSmart erleichtert Imkern das Management ihrer Bienenvölker. Mit wenigen Klicks wissen Imker wie Dominik Zosso alles über ihre Bienen.
Die App soll aber auch die Schweizer Bevölkerung über die Bedeutung der Bienen informieren und sensibilisieren. Die Biene ist ein wichtiges Insekt für den Erhalt der Biodiversität.
«Fast 90 Prozent der weltweit wild wachsenden Blütenpflanzenarten sind ganz oder zumindest teilweise auf die Bestäubung durch Tiere angewiesen», schreiben die Vereinten Nationen. Die Sterblichkeitsrate der Bienen sei inzwischen 100- bis 1000-mal höher als normal.
Naturnahe und digitale Imker wie Zosso helfen also, die Artenvielfalt zu erhalten.
Der Jungimker Dominik Zosso zückt sein Smartphone. Er tippt auf eine Wabe, die auf dem Display erscheint. Alle Informationen über seine Bienen sind dort in einer App abrufbar. Der 38-Jährige gehört zu einer neuen Generation von Imkern, die die Bienenhaltung anders angehen: naturnah und digital.
Bienen für die Biodiversität
Das Interesse an Bienen wurde in Zosso durch eine Begegnung mit einem Vertreter von Free the Bees geweckt. Der Verein will neben der gängigen Honigimkerei eine frei lebende Bienenpopulation aufbauen. «Die Honigbiene ist nach Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier», heisst es in den Statuten. «Das Aussterben der Biene hätte für Mensch und Natur gewichtige Konsequenzen.»
Das sehen auch die Vereinten Nationen so: «Fast 90 Prozent der weltweit wild wachsenden Blütenpflanzenarten sind ganz oder zumindest teilweise auf die Bestäubung durch Tiere angewiesen», schreiben sie zum Weltbienentag. «Ebenso wie mehr als 75 Prozent der weltweit angebauten Nahrungsmittel und 35 Prozent der weltweit landwirtschaftlich genutzten Flächen.» Das Bienensterben sei inzwischen 100- bis 1000-mal höher als normal.
21 Bienenvölker
Zosso wurde aktiv: In einem Waldstück in Bern, das seiner Familie gehört, schuf er einen naturnahen Lebensraum für Bienen. Ein Jahr später zogen die ersten Bienen ein – und zwei Jahre später waren sie tot. «Ich wusste nicht, woran das lag», sagt der Imker. «Und begann, mich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen.» Sein Fazit: Er will den naturnahen Ansatz von Free the Bees beibehalten, aber nicht ganz auf Behandlungen verzichten.
Seit März 2024 hat Zosso 21 Bienenvölker in Kästen an drei Standorten im Kanton Freiburg aufgestellt. «Die meisten Bauern haben sich gefreut, als ich sie gefragt habe, ob ich ihr Land nutzen darf», sagt er. Bienen gehören zur Natur und fördern die Biodiversität. Als Dankeschön hat Zosso ihnen diesen Sommer ein paar Gläser seines ersten Honigs geschenkt.
Organisiert über Schweizer App
Die App, die Zosso beim Imkern nutzt, stammt aus der Schweiz. BeeSmart will nicht nur die Imker bei ihrer Arbeit unterstützen, sondern auch den Austausch zwischen ihnen und der Bevölkerung fördern: «Wir möchten die Schweizer Bevölkerung über die Wichtigkeit der Bienen aufklären und sensibilisieren.» Auf einer Karte kann jeder sehen, welche Imker in der Region registriert sind. Auch Schwärme können über die App gemeldet werden.
Zosso nutzt BeeSmart hauptsächlich für das Management seiner 21 Bienenvölker. «Die App ist hammer», sagt er. Mit wenigen Klicks behält er den Überblick, bei welchem Volk welche Aufgabe ansteht.
BeePhone statt Babyfon
Jede Woche besucht Zosso seine Bienen für eine Kurzkontrolle. Jeden Monat muss er sich einen halben Tag Zeit nehmen, um jede Wabe einzeln zu inspizieren. Die Imkerei ist komplex: Verschiedene Schädlinge können den Insekten zu schaffen machen, die Bienen durchleben jedes Jahr verschiedene Phasen. «Selbst Imker mit jahrzehntelanger Erfahrung lernen noch dazu», sagt Zosso. Imkern ist in gewisser Weise wie Kinder grossziehen.
Das hat sich auch BeeSmart gedacht. Die Entwickler der App haben ein Gerät entwickelt, das sie «BeePhone» nennen. Das gelbe Kästchen wird im Bienenstock platziert und liefert dem Imker Live-Daten. «Während der Schwarmsaison müssen Bienenstöcke häufig geöffnet werden, um das Schwärmen rechtzeitig zu erkennen», erklärt BeeSmart. Jedes Öffnen eines Bienenstocks stellt eine Belastung für das Bienenvolk dar.
Schwarminfos per Push-Nachricht
Mit Hilfe künstlicher Intelligenz analysiert das BeePhone die Daten aus dem Bienenstock. Sobald die Daten anzeigen, dass die Bienen bald schwärmen, erhält der Imker eine Push-Nachricht. «So verpassen Imker keinen Schwarm mehr und sparen sich unnötige Fahrten zum Bienenstand», heisst es bei BeeSmart. Zusätzlich zu den Schwarmdaten liefert das BeePhone Informationen über die Innentemperatur und die relative Luftfeuchtigkeit. Derzeit sind die ersten 100 Geräte im Testeinsatz. Ihre Weiterentwicklung wird unter anderem von Swisscom und der Klimastiftung Schweiz unterstützt.
«Bei den Bienen musst du immer entspannt und ruhig arbeiten», antwortet Dominik Zosso auf die Frage, was ihm am Imkern besonders gefällt. «Sonst merken sie es sofort.» Apps wie BeeSmart helfen ihm, die nötige Ruhe zu bewahren.
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