WetterSo dramatisch ist die Trockenheit in der Schweiz wirklich
Nach einem trockenen Sommer sollte die kalte Jahreszeit Schnee und Regen bringen. Diese bleiben seit Wochen aus – nun droht in weiten Teilen der Schweiz extreme Trockenheit.
Darum gehts
Das Wasserschloss Schweiz trocknet aus.
Schon jetzt gilt im Süden teils ein Feuerverbot im Freien, die Waldbrandgefahr ist enorm.
Mit dem Wetterphänomen El Niño dürfte auch der Sommer 2023 wieder sehr heiss werden.
Die momentane Wintersaison dürfte für viele Wintersportler und Schneebegeisterte eine herbe Enttäuschung sein. Viele Gipfel und Berghänge zeigen sich statt im weissen Kleid grün-braun. Doch dafür sind nicht nur hohe Temperaturen, sondern auch der geringe Niederschlag verantwortlich.
Denn grosse Teile der Schweiz trocknen derzeit aus. Im Februar fiel besonders im Süden der Schweiz nur ein Bruchteil des Niederschlags, der in vergangenen Jahren gemessen wurde. In Genf fielen im ganzen Monat 0,5 Millimeter Niederschlag, während der Durchschnittswert der Niederschlagszahlen von 1961 bis 1990 mehr als 160 Mal höher liegt.
0,1 Millimeter Niederschlag in Sion
Noch deutlicher wird die akute Trockenheit anhand der Werte von Sion. Von 1961 bis 1990 fielen im Schnitt 56,64 Millimeter. Im Februar 2023 ist dieser Wert nun auf 0,1 Millimeter eingebrochen – dieses Jahr fiel also 566 Mal weniger Wasser als in den Vorjahren.
Massimiliano Zappa von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft sagt gegenüber SRF News: «Derzeit verzeichnen wir in der ganzen Schweiz ein hohes Niederschlagsdefizit.» Schon jetzt ist die Waldbrandgefahr im Bündnerland erheblich, in den Südtälern herrscht ein absolutes Feuerverbot.
Freust du dich auf den Sommer?
Auch die Böden, die über die Winterzeit nebst Gletschern als wichtige Wasserspeicher dienen, sind vielerorts stark ausgetrocknet, wie Daten von Drought.ch zeigen. Besonders kritisch ist die Lage im Tessin, wo die relative Bodenfeuchte im Vergleich zu den Werten von 1981 bis 2010 fast flächendeckend zu tief liegt. Auch die Walliser und Bündner Böden sind derzeit sehr trocken.
«Leute kennen Wasser als unendliche Ressource»
«Um das aktuelle Defizit auszugleichen, müsste es etwa einen Monat lang moderat regnen», sagt Zappa. Doch Wettermodelle prognostizieren keine Besserung im nächsten Monat. Mögliche Massnahmen gegen die Wasserknappheit wären etwa eine Einschränkung der Wasserentnahme und die Erschliessung neuer Quellen. «Die Leute sind mit dem Begriff Wasserschloss aufgewachsen – sie kennen Wasser als unendliche Ressource.» Auch sei es «psychologisch schwierig», die Leute vor «gutem» Wetter zu warnen.
Als wäre dies nicht schlimm genug, droht der Schweiz erneut ein trockener und heisser Sommer. Die Wahrscheinlichkeit solcher Hitzesommer steigt durch den Klimawandel stetig an, ausserdem kommt dieses Jahr noch ein weiterer Faktor hinzu. So dürfte im ersten Quartal 2023 eine La-Niña-Phase, die die letzten drei Jahre angedauert hatte, zu Ende gehen und durch El Niño ersetzt werden. Im Gegensatz zu La Niña bringt das Wetterphänomen heisse Temperaturen mit sich.
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