Möglicher FlottenabbauStreicht die Swiss uns jetzt die Sommerferien?
Die Swiss prüft nach dem Millionenverlust die Verkleinerung der Flotte. Gewisse Ferienorte werden dann wohl nicht mehr jeden Tag angeflogen. Zudem werden Stellen gestrichen.
Darum gehts
2021 verzeichnet die Swiss einen Verlust von 201 Millionen Franken.
Die Folge davon könnte eine Verkleinerung der Flotte sein.
Der Flugplan könnte darum ausgedünnt werden.
Auch ist mit weiteren Entlassungen zu rechnen.
Die Swiss leidet unter der Corona-Pandemie. Nun könnte die Flotte verkleinert werden. Das hat Folgen für das Personal und den Flugplan. Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Was ist passiert?
Die Swiss ist nicht gut ins Jahr 2021 gestartet: Im ersten Quartal hat die Airline einen Verlust von 201 Millionen Franken geschrieben. Der Umsatz der Swiss hat sich gegenüber der Vorjahresperiode um 67,5 Prozent auf 299.6 Millionen Franken reduziert. Als Folge davon sieht sich die Fluggesellschaft gezwungen, eine Redimensionierung zu prüfen: Eine Verkleinerung der Flotte wäre eine mögliche Folge. Was genau geplant ist, darüber schweigt sich die Airline derzeit noch aus. Es werde aktuell noch analysiert, wie die zukünftige Grösse der Swiss aussehen werde, heisst es auf Anfrage.
Wie wirkt sich das auf den Flugplan aus?
Ein Flottenabbau muss nicht zwingend die Einstellung von Flugverbindungen bedeuten, sagt Aviatik-Dozent William Agius von der ZHAW. «Ich vermute, dass Swiss zunächst den Flugplan ausdünnt und die Flugfrequenz anpasst, also beispielsweise nicht mehr jeden Tag eine bestimmte Destination anfliegt, sondern vielleicht nur noch zwei, drei oder viermal pro Woche.» Das gäbe der Swiss auch die nötige Flexibilität, um auf Veränderungen der Einreisebestimmungen zu reagieren.
Muss ich mir jetzt Sorgen um die Sommerferien im Ausland machen?
Kurzfristig besteht keine Gefahr, dass die Swiss zu wenige Flugzeuge für den Sommerflugplan haben wird, sagt Thorsten Merkle, Tourismus- und Service-Innovations-Experte an der Fachhochschule Graubünden: «Das geht nicht von heute auf morgen – so schnell kann die Swiss ihre Flugzeuge gar nicht verkaufen.» Die Ausflottung, ob durch Verkauf, Leasing-Verträge oder Verschrottung, benötige viel Vorlaufzeit. Die Swiss habe momentan genügend Ressourcen, Maschinen und Mitarbeitende, um den Flugplan im Sommer flexibel zu erweitern. Momentan seien wegen der Pandemie auch mehr Flugzeuge am Boden, als die Swiss wohl ausflotten wird.
Steht den Sommerferien also nichts im Weg?
Ein grösseres Hindernis, als die mögliche Ausflottung bei der Swiss, sind diesen Sommer weiterhin die Restriktionen der verschiedenen Destinationen. Die Airlines bieten Flüge anhand der Nachfrage. Bei touristischen Reisen sind Flüge in Länder gut gebucht, in die man unkompliziert reisen kann, sagt Merkle. Wesentlich kleiner ist das Angebot an Flügen in Länder, in denen eine Quarantänepflicht gilt, oder die als Risikoländer eingestuft wurden. «Angebot und Nachfrage folgen sehr direkt den Reisebeschränkungen – die Quarantänepflicht ist in den meisten Fällen ein Dealbreaker.»
Braucht die Swiss noch mehr Geld vom Bund?
Die Swiss hat vom Bund einen Kredit in Höhe von 1.5 Milliarden Franken zugesprochen bekommen. Dank frühzeitig eingeleiteter Massnahmen, wie Kurzarbeit und Investitionsstopps, hat die Airline bisher weniger als die Hälfte Kredits bezogen. «Damit ist die Liquidität von Swiss weiterhin gesichert», sagt Finanzchef Markus Binkert. Ob die Fluggesellschaft erneut Geld vom Staat braucht, hängt laut Aviatik-Dozent Agius nun von den Sommermonaten ab – diese seien matchentscheidend. «Was eine Fluggesellschaft in den Sommermonaten nicht erwirtschaftet, wird sie im restlichen Jahr kaum mehr gutmachen können», so Agius.
Kommt es darum zu Entlassungen?
Die Swiss hat bereits angekündigt, dass von 2020 bis 2021 insgesamt 1000 Stellen abgebaut werden sollen. 500 Jobs wurden bis Ende letzten Jahres bereits gestrichen. Im Oktober hatte der damalige Swiss-CEO Thomas Klühr zudem angetönt, dass der Stellenabbau noch grösser werden könnte. «Wir befürchten Massenentlassungen», sagt eine Sprecherin der Gewerkschaft des Kabinenpersonals, Kapers. Denn weniger Flugzeuge bedeuten weniger Personal. Bordpersonal und Piloten wären von einem Abbau gleichermassen betroffen. Auch die Mitarbeitenden seien darum verunsichert: «Vor allem jüngere Personen melden sich bei uns, weil gemäss Gesamtarbeitsvertrag nach Seniorität entlassen wird», heisst es vonseiten Kapers. Jüngere Mitarbeitende müssen darum zuerst gehen. Ältere Mitarbeitende fürchten sich hingegen vor Zwangspensionierungen.
Welche Flugzeuge verschwinden aus der Flotte?
Einige Abbaupläne sind bereits bekannt. So will die Swiss dieses Jahr fünf Flugzeuge vom Typ A32xceo ausflotten. Im Februar erfuhr 20 Minuten von einer mit der Sache vertrauten Person, dass die Ausflottung der Boeing 777 in Erwägung gezogen wird. Die Airline stritt jedoch ab, dass es solche Pläne gebe. Aviatik-Dozent William Agius geht davon aus, dass die Flugzeuge des Typs Airbus A330-300 von einer Ausmusterung betroffen sein könnte. Denn zwei Maschinen dieses Typs wurden von der Edelweiss bereits bei Eurowings platziert. «Damit würde die Langstreckenflotte ausschliesslich die Boeing B777-300 und Airbus A340-300 umfassen», so Agius. Bei Kurzstrecken geht der Aviatik-Experte davon aus, dass die Modelle Airbus A320 und A321 ausgeflottet werden könnten.
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