Bellen gegen Catcalling: Expertin beurteilt Tiktok-Trend

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Tiktok-TrendBellen gegen Catcalling: So verjagen Frauen aufdringliche Männer

Auf Tiktok kursieren etliche Videos, in denen Frauen aufdringliche Männer wie Hunde anbellen. Diese ungewöhnliche Methode scheint zu funktionieren. Doch wie sinnvoll ist dieser Ansatz wirklich? Eine Expertin schätzt ein.

In einem Video erzählt der Tiktoker Joris Sava, wie er miterlebt hat, wie Frauen aufdringliche Männer anbellen.

Tiktok jorissava

Darum gehts

  • Frauen auf Tiktok bellen aufdringliche Männer wie Hunde an, um sie abzuschrecken.

  • Diese Methode wird als Reaktion auf Catcalling genutzt und scheint zu funktionieren.

  • Expertin Brigitte Kämpf sieht das Bellen als mögliche Lösung – jedoch nicht in jeder Situation.

  • Alternativen sind laut der Expertin einfach Ignorieren, direktes Ansprechen oder Öffentlichkeit schaffen.

Jede Frau kennt das Gefühl: Ein fremder Mann macht einen auf der Strasse an, macht Sprüche oder pfeift einem hinterher. Wie verhält man sich da? Der Tiktoker Joris Sava kennt eine Lösung.

In einem Video erzählt er von einer Szene, die er beobachtet hatte: «Da waren drei Typen, die haben zwei Frauen angesprochen – so auf diese eklige Art. Beide Frauen haben sich darauf gleichzeitig umgedreht und gebellt.» Die Männer seien sogleich zurückgeschreckt. «Es funktioniert», meint er ungläubig und empfiehlt: «Wenn ihr von irgendwelchen Typen angesprochen werdet, bellt einfach.»

Männer pfeifen, Frauen bellen

In den Kommentaren tauschen sich zahlreiche Userinnen über ihre eigenen Erfahrungen aus. «Ich mach das schon immer so», oder «Das muss ich mal ausprobieren» sind häufig zu lesen. Eine Userin meint jedoch auch: «Anders geht es leider nicht.»

Beim sogenannten Catcalling handelt es sich meist um Männer, die Frauen auf der Strasse oder an anderen öffentlichen Orten mit anzüglichen Rufen oder Lauten belästigen. «Das ist eine Form der sexuellen Belästigung und eine Grenzüberschreitung», erklärt Brigitte Kämpf von der Frauenberatung sexuelle Gewalt.

Über die Expertin

Brigitte Kämpf ist Sozialarbeiterin FH und arbeitet bei der Beratungsstelle «Frauenberatung sexuelle Gewalt». Sie absolvierte diverse Ausbildungen im Bereich Soziale Arbeit mit Fokus auf Traumaberatung, Resilienz und Opferhilfe. Seit 2019 bietet sie auch Einzel und Paarberatung in ihrer eigenen Praxis an.

«Männer pfeifen, Frauen bellen – das kann durchaus funktionieren», meint Brigitte Kämpf von der Frauenberatung sexuelle Gewalt.

«Männer pfeifen, Frauen bellen – das kann durchaus funktionieren», meint Brigitte Kämpf von der Frauenberatung sexuelle Gewalt.

Privat

Aber sollen Frauen Männer in dieser Situation anbellen? «Wieso nicht? Es ist gewissermassen eine Reaktion auf der gleichen Ebene: Männer pfeifen, Frauen bellen – das kann durchaus funktionieren.»

Wie reagieren bei Catcalling?

Trotzdem würde sie diese Methode nicht allen Frauen empfehlen: «Wie man am besten reagiert, ist stark von der Situation und der eigenen Stimmung abhängig.» Bellen könne auch provozierend wirken – gerade wenn Alkohol im Spiel sei. Doch wie sollte man als betroffene Person mit einer solchen Situation umgehen? Kämpf nennt folgende Varianten:

  • Einfach Ignorieren: «Das Catcalling bewusst nicht beachten oder darauf eingehen.»

  • Direkt Ansprechen: «Die Person sofort darauf ansprechen und damit konfrontieren. Man kann etwa sagen, dass dieses Verhalten nicht akzeptabel ist – oder auch nachfragen, warum diese Person das mache.»

  • Öffentlichkeit schaffen: «Wenn es andere Personen in der Umgebung hat, könnte es helfen, die Situation laut anzusprechen. Zum Beispiel zu sagen: «Habt ihr gerade gehört, was er gesagt hat?!»»

  • Unerwartet reagieren: «In diese Kategorie fällt das Bellen. Es hält dem Gegenüber einen Spiegel vor und macht das absurde Verhalten sichtbar.»

«Wer sich im Vorfeld Gedanken darüber gemacht hat, wie man in einer solchen Situation reagieren könnte, fühlt sich im Ernstfall oft weniger überfordert», rät Kämpf. Sollte das Catcalling jedoch in sexuelle Gewalt übergehen, sei es wichtig, mit einer Beratungsstelle oder der Polizei Kontakt aufzunehmen.

Niemand muss sich an Catcalling gewöhnen, meint Brigitte Kämpf von der Frauenberatung sexuelle Gewalt. (Symbolbild)

Niemand muss sich an Catcalling gewöhnen, meint Brigitte Kämpf von der Frauenberatung sexuelle Gewalt. (Symbolbild)

IMAGO/Dreamstime

Für Kämpf steht fest: Niemand muss sich an Catcalling gewöhnen. «Wir sollten einen respektvollen Umgang einfordern und klare Grenzen setzen. Catcalling ist respektlos und wird hoffentlich von der Mehrheit der Gesellschaft als unangebracht anerkannt», betont sie.

Was hältst du von der Idee, aufdringliche Männer anzubellen?

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

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