US-Wahlen«Ich bin eine Kapitalistin» – Harris stellt sich endlich den Medien
Seit letzter Woche trat Kamala Harris für mehrere Interviews auf. Bei «60 Minutes» sprach sie über aussenpolitische Herausforderungen und die US-Wirtschaft.
Darum gehts
Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris war bisher relativ medienscheu.
Seit letzter Woche trat sie aber in mehreren Shows und Interviews auf.
Bei der CBS-Sendung «60 Minutes» nahm sie Stellung zu aussenpolitischen und ökonomischen Fragen.
Nachdem Kamala Harris lange keine Interviews gegeben hat, hat sie in der letzten Woche eine ungewöhnlich robuste Medienkampagne gestartet.
Sie trat in populären Podcasts, Talk-Radio-Shows, in einer Town Hall und in verschiedenen TV-Talk-Shows auf. Am Montag gab die US-Vizepräsidentin ein 60-minütiges Interview in der CBS-Sendung «60 Minutes». Darin gab sie zu erkennen, wie sie zu den beiden Kriegen (Nahost und Ukraine) steht und was sie an der US-Wirtschaft ändern will.
Ist Netanjahu ein Verbündeter der USA?
Im Hinblick auf den Konflikt im Nahen Osten steht sie zu Bidens momentaner Strategie. «Israel hat das Recht, sich zu verteidigen. Wir würden das auch tun.» Allerdings fügte sie an, dass die Art, wie dabei vorgegangen wird, wichtig sei. «Es sind viel zu viele Palästinenser gestorben. Der Krieg muss enden.»
Die Biden-Administration kommuniziert seit Monaten, dass sie sich für eine Waffenruhe einsetzen. Bisher waren diese Bemühungen ohne Erfolg. Der israelische Premierminister scheint nicht auf die US-Regierung zu hören. Der Interviewer konfrontiert Harris damit, doch sie weicht mit typisch politischem Gerede aus. «Die Arbeit, die wir auf diplomatischer Ebene mit der israelischen Führung leisten, ist ein ständiges Bestreben, unsere Grundsätze deutlich zu machen», sagt sie.

Ob Netanjahu ein Verbündeter der USA ist, wollte Harris nicht direkt beantworten.
IMAGO/UPI PhotoDie Frage, ob die USA einen Verbündeten in Netanjahu hat, beantwortet Harris nicht. «Die bessere Frage ist, ob es eine Allianz zwischen den amerikanischen Bürgern und den Bürgern Israels gibt. Und die Antwort auf diese Frage ist ja», weicht sie aus.
«Wir unterstützen die ukrainische Verteidigung»
Beim Thema Ukraine wird Harris konkreter. Sie will sich nicht mit Putin bilateral treffen, um ein Ende des Ukrainekrieges zu verhandeln. «Das ukrainische Volk muss mitsprechen können, wenn es um die Zukunft der Ukraine geht.» In dem Kontext attackiert sie auch ihren Kontrahenten. Trump sagte mehrmals, er könne den Krieg in einem Tag beenden. «Du weisst, was das heisst», sagt Harris rhetorisch. «Das heisst Kapitulation.»
Einzig die Frage, ob die Ukraine der Nato beitreten soll, beantwortet die Vizepräsidentin nicht. «Das sind Fragen, um die wir uns kümmern, wenn es so weit ist. Im Moment unterstützen wir die Fähigkeit der Ukraine, sich zu verteidigen.»
Der ökonomische Wettbewerb mit China
Auch China kommt zur Sprache, aber nur kurz. Die Frage um China war ursprünglich der Fokus der Aussenpolitik der Biden-Administration, ehe der Ausbruch des Ukrainekrieges und nun der Nahost-Konflikt die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt haben.
Harris meint zu China nur: «Die USA müssen den ökonomischen Wettbewerb mit China unbedingt gewinnen.»
«Ich bin eine Kapitalistin»
Zum Thema Wirtschaft konfrontiert der Interviewer Harris damit, dass die US-Wirtschaft nach allen Massstäben zwar floriert, die Endverbraucher dies aber nicht mitbekommen, da die Preise hoch bleiben.
Harris verweist auf die tiefste Arbeitslosenquote seit Jahren, ehe sie einräumt, dass das Problem mit den Preisen tatsächlich existiert. Allerdings verweist sie darauf, dass sie in ihrer Strategie eine Lösung habe, die sie durch den Kongress bringen will. Genaue Details gab sie nicht bekannt dazu.
Was hältst du von Kamala Harris?
Der Interviewer fragt sich auch, wie sie ihre Vorhaben finanzieren möchte. Harris will die Steuergutschrift für Kinder erhöhen, und Steuern beim ersten Hauskauf oder bei der Gründung eines Unternehmens vermindern.
Die 59-Jährige will zur Finanzierung höhere Steuern für «Milliardäre und Mega-Unternehmen» einführen. Wenn der Interviewer aber einwendet, dass das nicht sehr realistisch ist, meint sie nur, sie habe bereits mit mehreren Kongressabgeordneten gesprochen, die ihr Vorhaben unterstützen würden. Harris beharrt dabei darauf, eine Kapitalistin zu sein.
Eine unabhängige Instanz, die die ökonomischen Pläne beider Kandidaten analysierte, kam zum Schluss, dass Harris die Schulden der USA um drei Billionen Dollar erhöhen würde. Bei Trumps Plänen kamen sie auf sieben Billionen Dollar.
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