«Wer andere wegen ihrer Religion attackiert, hat hier keinen Platz»

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Angriff in Davos«Wer andere wegen ihrer Religion attackiert, hat hier keinen Platz»

In Davos wurde ein orthodoxer Jude von zwei Männern angegriffen und antisemitisch beleidigt. Nun äussert sich der Davoser Gemeindepräsident zum Fall.

Darum gehts

  • In Davos wurde ein 19-jähriger orthodoxer Jude von zwei Männern angegriffen und antisemitisch beleidigt.
  • Die Täter hätten das Opfer mehrfach ins Gesicht geschlagen, bespuckt und dabei «Free Palestine» gerufen.
  • Der Davoser Gemeindepräsident verurteilt die Tat.

In der Nacht auf Freitag wurde der jüdisch-orthodoxe Brite Eli K. (19) auf der Promenade in Davos von zwei Männern angegriffen. «Sie schlugen mich ins Gesicht, bespuckten mich und riefen ‹Free Palestine›.» Der Vorfall hat K.s Sicherheitsempfinden hierzulande schwer erschüttert. Der Davoser Gemeindepräsident Philipp Wilhelm ist bestürzt über den Angriff.

Die Gemeinde Davos verurteile jede Form von Gewalt sowie rassistische und antisemitische Aussagen und Taten. In Davos träfen sich seit bald 150 Jahren Menschen mit ganz unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründen. «Dass Menschen derart angegriffen werden, erschüttert mich. Wer andere Menschen aufgrund von Herkunft oder Religion beschimpft oder sogar attackiert, hat keinen Platz in Davos.» Die Sicherheit aller Menschen vor Ort habe für die Gemeinde hohe Priorität.

Tat im Zusammenhang mit Situation im Nahen Osten

Laut Wilhelm liegen bis am Montagmittag keine detaillierten Informationen über den Hergang des konkreten Vorfalls oder die Täterschaft vor. «Ersten Medienberichten zufolge soll es sich um eine Tat im Rahmen der Ereignisse im Nahen Osten handeln und nicht im Zusammenhang mit dem Tourismusbetrieb stehen», heisst es vonseiten des Gemeindepräsidenten.

Der 19-Jährige hat Anzeige erstattet. Aufgrund der laufenden Ermittlungen gibt die Kantonspolizei Graubünden derzeit keine Informationen bekannt.

«Keine Rechtfertigung für Angriffe auf Juden oder andere Minderheiten»

«Solche Angriffe kommen zum Glück selten vor – doch seit dem 7. Oktober haben sie massiv zugenommen», sagte Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds SIG, am Sonntag gegenüber 20 Minuten.

Was sollte deiner Meinung nach zur Bekämpfung von Antisemitismus in der Schweiz unternommen werden?

Laut Philip Bessermann, Geschäftsleiter der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA), muss klar zwischen dem Geschehen im Nahen Osten und den Konsequenzen für die jüdische Gemeinschaft in der Schweiz unterschieden werden. «Es ist extrem problematisch und ein gefährlicher Fehlschluss, die Gewalt und den Konflikt im Nahen Osten als Rechtfertigung für Angriffe auf die jüdische Gemeinschaft oder andere Minderheiten in der Schweiz zu nutzen.»

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Antisemitismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:
GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus
Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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Anja Zobrist (zoa) ist Redaktorin und Content Creator im Ressort News und Gesellschaft. Das Journalistenhandwerk erlernte sie an der Ringier Journalistenschule in Zürich. Anschliessend absolvierte sie den CAS Innovation im Journalismus an der ZHAW Winterthur und dem MAZ Luzern.

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