Bespuckt und geschlagen: Jude (19) von zwei Männern angegriffen

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Davos GRBespuckt und geschlagen: Jude (19) von zwei Männern angegriffen

In der Nacht auf Freitag kam es in Davos zu einem Angriff auf einen jüdisch-orthodoxen Mann: Die Täter hätten ihn bespuckt, geschlagen und dabei «Free Palestine» gerufen.

Ein jüdisch-orthodoxer Mann wurde in der Nacht auf Freitag in Davos angegriffen. (Symbolbild)
Zwei Angreifer hätten ihn bespuckt und immer wieder ins Gesicht geschlagen, berichtet er.
Jonathan Kreutner vom SIG sagt: «Vor zwei Jahren hätte man dies noch als gravierend wahrgenommen.»
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Ein jüdisch-orthodoxer Mann wurde in der Nacht auf Freitag in Davos angegriffen. (Symbolbild)

IMAGO/Photo News

Darum gehts

  • In Davos kam es zu einem Angriff auf einen jungen jüdisch-orthodoxen Mann.

  • Die Täter hätten das Opfer mehrfach ins Gesicht geschlagen, bespuckt und dabei «Free Palestine» gerufen.

  • Experten sagen: Aufgrund des Gaza-Krieges nehmen Hassverbrechen gegen Juden zu.

Das ist passiert

In der Nacht auf Freitag wurde der jüdisch-orthodoxe Brite Eli K. (19) auf der Promenade von Davos von zwei Männern angegriffen, mit 20 Minuten sprach er über die Attacke: «Ich lief die menschenleere Strasse entlang, als auf einmal zwei Männer aus dem Nichts auftauchten. Sie schlugen mich ins Gesicht, bespuckten mich und riefen ‹Free Palestine›.» K. habe versucht, zu flüchten, die zwei Männer seien aber hinter ihm hergerannt. Auch eine weitere Person, die hinzugestossen sei, habe die Täter nicht aufhalten können. K. schätzt sie auf 25 bis 30 Jahre. «Ich bin zurück ins Hotel gelaufen, wo mir auch sofort geholfen wurde und die Angreifer abgewehrt wurden. Die beiden flüchteten dann aber», so K. Dann sei die Polizei informiert worden und auch zum Hotel gekommen. Im Anschluss sei K. mit auf den Posten, um seine Aussage zu machen.

«Ich fühle mich in der Schweiz nicht mehr sicher.»

Eli K.

K. hatte sich in der Schweiz stets sicher gefühlt – bis zu besagtem Angriff: «Ich habe in Davos an der Talmudschule studiert, nie ist mir etwas passiert. Jetzt fühle ich mich hier nicht mehr sicher. Die Schweiz ist nicht mehr sicher», sagt er. Generell sei es für Juden sehr schwierig geworden. «Nach dem Angriff fühle ich mich traumatisiert. Ich habe Angst, auf die Strasse zu gehen», sagt K. Er hoffe, die Täter würden bald gefasst. Die Kantonspolizei Graubünden bestätigt, dass es in der Nacht auf Freitag zu einer Tätlichkeit kam. Derzeit werde nach den Tätern gefahndet.

Das sagt das SIG: «Solche Angriffe haben massiv zugenommen»

«Solche Angriffe kommen zum Glück selten vor – doch seit dem 7. Oktober haben sie massiv zugenommen», sagt Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds SIG. Was sich geändert habe: «Vor zwei Jahren wäre ein solcher Vorfall als besonders gravierend wahrgenommen worden, doch heute reiht er sich in eine Serie von Vorfällen ein.» Juden würden angegriffen, weil sie Juden sind. «Das darf nicht sein.»

Was sollte deiner Meinung nach zur Bekämpfung von Antisemitismus in der Schweiz unternommen werden?

Davos ist seit Jahrzehnten ein beliebtes Ferienziel für orthodoxe Jüdinnen und Juden. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Unstimmigkeiten zwischen der Bevölkerung und den Juden, woraufhin im Juli 2024 eine Taskforce «Verständigungsprozess in Davos» eingeführt wurde. «Was ich bis jetzt weiss, ist, dass der Angriff auf die Situation im Gazastreifen zurückzuführen ist – mit dem jüdischen Tourismus in Davos hat das wenig zu tun.» Es sei besorgniserregend, dass solche Vorfälle in der Schweiz nun auf einem ähnlichen Niveau stattfinden würden wie in anderen Ländern.

Lage im Nahen Osten sei keine Rechtfertigung für Gewalt

Philip Bessermann, Geschäftsleiter der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA), sagt: «Es ist unbestreitbar, dass die Situation im Nahen Osten starke emotionale Reaktionen hervorruft, die oft von Wut und Frustration begleitet werden.» Viele Menschen empfänden es als notwendig, ihre Entrüstung über die schrecklichen Ereignisse auszudrücken. Es müsse jedoch klar zwischen dem Geschehen im Nahen Osten und den Konsequenzen für die jüdische Gemeinschaft in der Schweiz unterschieden werden. «Es ist extrem problematisch und ein gefährlicher Fehlschluss, die Gewalt und den Konflikt im Nahen Osten als Rechtfertigung für Angriffe auf die jüdische Gemeinschaft oder andere Minderheiten in der Schweiz zu nutzen.»

Auch wenn es unmöglich sei, extremistische Ideologien vollständig zu verhindern, sei es umso wichtiger, dass die Gesellschaft auf die Einhaltung von Rechtsstaatlichkeit achtet und couragiertes Handeln fördere, sagt Bessermann. Der Vorfall in Davos mache deutlich, dass die Bemühungen im Rahmen des Dialog-Projekts allein nicht ausreichen: «Solche Ereignisse zeigen, dass dies möglicherweise nicht der einzige Weg ist, um langfristige Lösungen zu finden.» Wichtiger sei es, die Bevölkerung und die Gäste zu schützen. «Diese Verantwortung liegt bei der Gemeinde und nicht bei den Gästen.»

Doch auch auf politischer Ebene müsse gehandelt werden, vor allem in Bezug auf das Internet: «Der Bund plant, Regeln zur Kontrolle der sozialen Medienplattformen wie Facebook oder Tiktok einzuführen. Wir fordern, dass dabei auch die Moderation diskriminierender und hetzerischer Inhalte beachtet wird. Es scheint offensichtlich, dass in der Schweiz und weltweit Inhalte, die Diskriminierung und Radikalisierung fördern, gefiltert und moderiert werden müssen, ohne dabei die Meinungsfreiheit zu beschneiden.»

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Antisemitismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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