FaktencheckDas Bild ist ein Fake, aber die Geschichte dahinter nicht
Elf Mädchen vor einem Atompilz: Laut den Posts, die das Bild verbreiten, stammt es vom Trinity-Test. Das Bild ist KI-generiert, die Geschichte dahinter aber weitestgehend wahr.

Die Behauptung
Laut zahlreichen Posts auf Social Media sollen 1945 elf nichtsahnende Mädchen beim Baden im US-Bundesstaat New Mexico radioaktivem Niederschlag des Trinity-Tests ausgesetzt gewesen sein. Die herabfallenden Flocken sollen sie für Sommerschnee gehalten und damit gespielt haben. Bis auf eines, Barbara Kent, soll keines der Mädchen das 30. Lebensjahr erreicht haben. Die Erzählung wird mit einem Bild begleitet.
Die Bewertung
Den Trinity-Test hat es gegeben. Auch Barbara Kent ist eine reale Person. Sie hat in der Vergangenheit mit mehreren US-Medien über den Sommer 1945 und die Explosion gesprochen. Die Schilderung in den Posts deckt sich weitestgehend mit ihren Aussagen.
Ein Post, zwei Ebenen
Die Caption
Am 16. Juli 1945 wurde in der Wüste von New Mexico die erste Atombombe der Welt gezündet. Der sogenannte Trinity-Test fand im Rahmen des geheimen «Manhattan Project» statt. Rund um den 80. Jahrestag tauchten im Sommer 2025 auf Social Media plötzlich Posts auf, die von elf 13-jährigen Mädchen berichten, die damals in einem nahen Fluss badeten (zum Beispiel hier, hier, hier, hier und hier). Nichtsahnend, dass «das Manhattan-Projekt in der Nähe gerade eine Atombombe als Test gezündet hatte». Das Mädchen vorne auf dem Bild sei Barbara Kent. Die dann folgenden Zitate werden ihr zugeschrieben. Die Posts werden bis heute geteilt.
So wird Barbara Kent im Post zitiert
Weiter heisst es, Kent und ihre Freundinnen seien alle später an Krebs erkrankt. Bis auf Kent habe keines der Mädchen das 30. Lebensjahr erreicht.
Das Bild
Ebenfalls Teil des Posts: ein Bild, das elf Mädchen lächelnd in einem Fluss zeigt. Hinter ihnen steigt in einiger Entfernung ein Atompilz auf. Dafür, dass das Bild 1945 aufgenommen sein soll, ist es verdächtig scharf.
Die Geschichte stimmt weitestgehend, das Bild ist ein Fake
Der Post liefert einige Anhaltspunkte zur Überprüfung: zum Beispiel der Name Barbara Kent. Gibt man diesen zusammen mit dem Schlüsselwort «Trinity Test» in den verschiedenen Suchmaschinen ein, findet man mehrere Artikel in seriösen Medien, in denen Barbara Kent Auskunft über die Geschehnisse am 16. Juli 1945 gibt. Unter anderem gegenüber dem «National Geographic» (21. September 2021, hier archiviert) und den Portalen vice.com (24. Juli 2016, hier archiviert) und santafenewmexican.com (12. Juli 2015, hier archiviert).
«Es war ungefähr fünf Uhr morgens» – das erzählte Kent den Medien
In den Artikeln heisst es übereinstimmend, dass Kent sich damals in der Nähe der Wüste aufhielt, in der die weltweit erste Atombombe gezündet wurde. Anders als in den viralen Posts dargestellt, badeten die Mädchen aber nicht im Fluss, sondern lagen in ihren Etagenbetten, was zum Zeitpunkt der Detonation – 5.29 Uhr und 45 Sekunden – passt. «Es war ungefähr fünf Uhr morgens … und wir alle in den oberen Betten fielen zu Boden, als die Bombe explodierte», zitiert santafenewmexican.com Kent. «Wir», das waren den Artikeln zufolge neben Kent elf weitere Mädchen sowie die Tanzlehrerin Karma Deane, die zusammen im Carmadeans Tanzcamp in der Wüste nahe Ruidoso, New Mexico, waren. Die Etagenbetten befanden sich laut nationalgeographic.com «in einer Hütte am Fluss».

Niemand habe verstanden, was los war. Die Gruppe ging nach draussen, da Deane dachte, der Warmwasserbereiter sei explodiert, so Kent zu vice.com. Was sie in den Artikeln danach erzählt, gleicht der Schilderung in den Social-Media-Posts. Der Wortlaut dort ist fast identisch mit dem im «National Geographic»-Artikel:
«Wir waren alle total geschockt … und dann, ganz plötzlich, war da diese grosse Wolke über uns und Lichter am Himmel», erinnert sich Kent. «Es schmerzte sogar in unseren Augen, als wir nach oben schauten. Der ganze Himmel sah seltsam aus. Es war, als käme die Sonne gewaltig heraus.» Ein paar Stunden später, erzählt sie, begannen weisse Flocken vom Himmel zu fallen. Aufgeregt zogen die Mädchen ihre Badeanzüge an und begannen inmitten des Schneegestöbers im Fluss zu spielen. «Wir schnappten uns all das Weiss, das wir für Schnee hielten, und schmierten es uns ins Gesicht», sagt Kent. «Aber das Seltsame war: Es war nicht kalt wie Schnee, sondern heiss. Und wir dachten alle: ‹Na ja, es ist heiss, weil es Sommer ist.› Wir waren erst 13 Jahre alt.»
Was waren die weissen Flocken?
Kanntest du die Geschichte des Trinity-Tests?
Verwirrung ums Altwerden, aber grob stimmen die Angaben
In den Artikeln äussert sich Kent auch zu den Folgeerkrankungen von sich und ihren Begleiterinnen. Alle hätten mit der Zeit Krebs bekommen. Die anderen seien alle früh gestorben. In welchem Alter, darüber gehen die Schilderungen in den Artikeln auseinander. Bei «Vice» heisst es, «zehn der zwölf starben vor ihrem 40. Geburtstag». Auch laut santafenewmexico.com «wurden nur zwei 40 Jahre alt». Gegenüber «National Geographic» sagte Kent, sie sei mit 30 Jahren die «einzige Überlebende von allen Mädchen in diesem Camp» gewesen. Da die Namen der anderen Mädchen und ihr damaliges Alter nirgendwo erwähnt werden, lässt sich dies nicht weiter überprüfen. Die Medien schreiben jedoch übereinstimmend, dass Kent selbst mehrere Krebserkrankungen überlebt habe, darunter Gebärmutter- und Hautkrebs. Auch ihre Schilddrüse habe entfernt werden müssen, so nationalgeographic.com. Als Kent mit den Medien sprach, war sie bereits über 80 Jahre alt.
Beim viralen Bild war KI am Werk
Was auffällt: In keinem der Artikel – und auch nicht in weiteren – taucht das mit den Posts verbreitete Bild auf. Wohl aber ein anderes, das ebenfalls in einem Fluss badende Mädchen zeigt und das auch in einigen Social-Media-Posts auftaucht, die die Geschichte von Barbara Kent und ihren Freundinnen erzählen (etwa hier, hier und hier).
Bei der zweiten Aufname (siehe Facebook-Post) handelt es sich sicher um ein echtes Foto vom Nachmittag des 16. Juli 1945. Im Vordergrund ist die damals 13-jährige Barbara Kent zu sehen. Es wurde dem «National Geographic» von Kent selbst und für später erschienene Berichte von Kents Tochter Kaysie (etwa hier, hier archiviert) zur Verfügung gestellt. Das andere Bild, das verbreitet wird, wurde dagegen mithilfe von KI erstellt. Darauf deuten gleich mehrere Punkte hin:
- Die erste Atombombe der Welt wurde frühmorgens gezündet, um eine Uhrzeit, zu der die meisten Menschen und vor allem Kinder noch im Bett liegen.
- Selbst wenn die Mädchen um kurz vor sechs Uhr schon gebadet hätten, hätten sie wohl eher in Richtung der bis dato noch nie gesehenen Wolke geschaut und nicht in die Kamera gelächelt. Die Szene ist also schon aus logischer Sicht unplausibel.
- Auf dem Bild sind nur elf Mädchen zu sehen. Laut Kents Erzählungen waren sie aber zu zwölft. Unwahrscheinlich, dass nur elf für die Kamera posiert hätten.
- Keine der abgeblideten Personen ähnelt der jungen Barbara Kent. Ein Foto, das sie Anfang der 1940er-Jahre zeigt, ist auf santafenewmexico.com zu finden.
- Der Trinity-Test ereignete sich 1945. Für die Qualität der damals verfügbaren Kameras wäre das Bild viel zu scharf.
- Ausser in den Social-Media-Posts taucht das Bild nirgendwo auf. Eine Quellenangabe fehlt.
- Der Atompilz sieht anders aus als der, der auf Fotos und Videos des Trinity-Tests zu sehen ist.
Das Bild weist zudem für KI typische Auffälligkeiten auf:
- Der Hintergrund mit der Wolke ist schärfer und kontrastreicher als die Figuren im Wasser. Das deutet auf eine Montage oder KI-Komposition hin.
- Einige Gesichter sehen sehr ähnlich aus, fast klonartig – ein typisches Muster bei KI-generierten Gruppenbildern.
Fazit
Die viral verbreitete Geschichte über Mädchen, die beim Baden in New Mexico 1945 dem radioaktiven Fallout des Trinity-Tests ausgesetzt wurden, enthält wahre Elemente: Barbara Kent ist eine reale Zeitzeugin, die mehrfach von ihren Erlebnissen während der ersten Atombombenexplosion berichtete. Sie und andere Mädchen erlebten die Detonation und den späteren radioaktiven Niederschlag, den sie zunächst für Schnee hielten. Viele ihrer Begleiterinnen erkrankten später an Krebs und starben früh. Wie früh, ist unklar. Sicher ist: Kent erreichte als Einzige aus der Gruppe ein hohes Alter. Das in den Posts verbreitete Bild ist jedoch nicht authentisch, sondern wurde mithilfe von KI generiert: Es weist typische Unstimmigkeiten auf. Während die Erzählung also weitgehend auf wahren Aussagen beruht, dient das Bild als manipulatives Element, das die Geschichte dramatisiert.
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Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen, History & Digital und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.
