Tierschutz«Milch oder Brot sind Gift»: So hilfst du einem Igel in Not
Bald heisst es für Igel: Endspurt vor dem Winterschlaf. Doch nicht alle sind fit genug für die kalten Monate. Wie du einem Igel hilfst – und was du besser bleiben lässt.
Eigentlich sollten sich Igel im Herbst ein kuscheliges Nest bauen und sich ein Fettpolster anfressen. Doch die stacheligen Tiere wandern noch bis Ende Oktober auf ihren kurzen Beinchen durch Parks, Gärten und über Strassen – was kein gutes Zeichen ist.
Manche Igel suchen fieberhaft nach Nahrung, andere sind zu jung oder zu schwach, um die kalte Jahreszeit allein zu überstehen. Wir haben mit Wildtierpflegerin Patrizia Luchsinger von Igel-Hilfe Schweiz gesprochen und geben dir Tipps, wie du einem Igel in Not helfen kannst – und was du besser lassen solltest.
Hast du schon mal einen Igel gerettet?
Warum Igel zu spät ins Bett gehen
Der Hauptgrund liegt im Futter. Denn je kälter es wird, desto weniger Insekten finden Igel im Garten. «Durch das Insektensterben verhungern die Igel schlicht», erklärt die Wildtierpflegerin. Stattdessen weichen sie auf Schnecken aus – die zwar satt machen, aber Parasiten übertragen und das Immunsystem schwächen.
Dazu kommen die immer wärmeren Winter. «Wenn Igel auch im Winter aufwachen und ihr Winterschlafquartier verlassen, verbrennen sie enorm viel Energie, ohne an Nahrung zu kommen,» sagt Luchsinger. Das schwäche die Tiere zusätzlich.

Wann du helfen sollst – und wann nicht
Nicht jeder Igel, der noch unterwegs ist, braucht Hilfe. Ausschlaggebend ist seine Form. Grosse, runde Igel, welche im Herbst in der Dämmerung und nachts aktiv sind, darf man getrost weitertapsen lassen. «Eingefallene Flanken, hochbeiniges Laufen, Apathie oder tagsüber aktiv sein – das sind Alarmzeichen, bei denen man eingreifen sollte», so Luchsinger.
Die Regel lautet: Für einen gesunden Winterschlaf sollten Igel zwischen 500 und 600 Gramm wiegen. Manche bringen es aber gerade mal auf ein Paket Butter. «Herbstigel mit unter 400 Gramm oder Tiere, die am Tag aktiv sind, gehören in eine Igelstation», betont Luchsinger. «Aber auch grosse Igel mit über 700 Gramm können mager sein und dringend Hilfe benötigen», erklärt Luchsinger.

Erste Hilfe für das Igeli
Viele Menschen meinen es laut Expertin gut, machen aber aus Unwissen Fehler. Findest du ein schwaches oder verletztes Tier, zählt erst einmal Wärme. «Zuerst den Igel sichern – eine ausbruchssichere Box mit Zeitungspapier oder trockenem Laub ist ideal», erklärt die Wildtierpflegerin. «Bitte kein Brot oder Milch geben», rät Luchsinger, «das ist Gift für die Tiere.»
Bitte dem Igel kein Brot oder Milch geben.
Eine Wärmeflasche kann helfen, Wasser ist immer gut. Zuerst soll das Tier zur Ruhe kommen. Futter gibts erst, wenn der Igel nicht mehr unterkühlt ist – und nur in kleiner Menge.
Igel sind Fleischfresser, die sich von tierischer Kost ernähren. Auf dem Speiseplan von Igeln stehen hauptsächlich Käfer, Schnecken und Würmer. Auch Katzennassfutter mit hohem Fleischanteil (ohne Sauce und Gelee) kann dem Igel gut angeboten werden. Igel fressen auch gerne gekochtes Poulet, angebratenes Hackfleisch und getrocknete Insekten. Manche Igel mögen sogar Fisch. Je abwechslungsreicher, umso besser.

Igel im Herbst und Winter: Die grössten No-Gos
- Den Igel nicht in den Wald bringen. Igel leben im Siedlungsraum und können im Wald nicht überleben.
- Keine Milch, Früchte oder Nüsse anbieten.
- Nicht lange herumprobieren, sondern frühzeitig Fachleute kontaktieren.
- Laub nicht wegräumen! Das ist ein wichtiger Unterschlupf für den Winterschlaf.
Wer einen kleinen Stachelfreund im Garten hat, muss nicht viel tun: Laub liegen lassen, Hecken und Totholz als Versteck stehen lassen und offene Lichtschächte oder Kellereingänge absichern.
Bei Unsicherheit kannst du den Igel wiegen und bei einer Igelstation nachfragen, was man in seinem spezifischen Fall genau tun sollte.
Über Igel-Hilfe Schweiz

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Martine Anastasiou (man), Jahrgang 2001, arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Lifestyle
