Sarkastische Flyer pro Bundesasylzentrum in Arth-Goldau

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Arth-GoldauProvokante Flyer in allen Briefkästen – wer steckt dahinter?

Die Bewohner von Arth-Goldau staunen, als sie Flyer im Briefkasten entdecken, die angeblich von der Gemeinde sein sollen. Doch sie steckt nicht dahinter.

In Goldau landeten am Mittwochmorgen Flyer zum Bundesasylzentrum in vielen Briefkästen.
Wer diese verteilt hat, weiss niemand. 
Die Gemeinde und die SP erklären auf Anfrage, dass sie mit der Aktion nichts zu tun hätten.
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In Goldau landeten am Mittwochmorgen Flyer zum Bundesasylzentrum in vielen Briefkästen.

20Min/News-Scout

Darum gehts

  • Die Bewohnerinnen und Bewohner Goldaus fanden am Mittwochmorgen Flyer, in welchen der Bau des Bundesasylzentrums Arth-Goldau befürwortet wird.

  • Doch es ist ziemlich offensichtlich, dass das bloss sarkastisch gemeint ist.

  • Niemand weiss aber, wer hinter der Aktion steckt.

  • Auch die SVP, die sich aktiv gegen den Bau des Bundesasylzentrums wehrt, will mit den Flyern nichts zu tun gehabt haben.

Hunderte Flyer ohne Absender wurden in der Nacht auf Mittwoch in Briefkästen der Gemeinde Goldau verteilt. Diese thematisieren das geplante Bundesasylzentrum Arth-Goldau: «Wir wollen den öden Fleck, den unsere Gemeinde darstellt, in ein buntes Zentrum der offenen Gesellschaft umwandeln», heisst es darin etwa. 

Sarkastische Aussagen

Viele Bürgerinnen und Bürger sind vom geplanten Bundesasylzentrum, das für 170 Personen mit einem negativen Aufenthaltsbescheid als Überbrückung gedacht ist, nicht begeistert. Im Flyer stehen Sätze wie etwa: «Die Schweiz hat leider immer noch ein Rassismus-Problem» oder «Fast alle Einwohner sind schon lange oder leider schon immer Teil der eingesessenen Dorfgemeinschaft. Glücklicherweise wird sich das Dasein als kulturell grauer Fleck auf der Schweizer Karte bald ändern.» Der Sarkasmus ist im Text kaum zu übersehen.

«Es sind alle dagegen»

Eine Anwohnerin, die einen Flyer erhalten hat, sagt: «Hoffe nur, dass nichts über unsere Köpfe hinweg entschieden wird.» Sie wohnt schon ihr Leben lang in Arth-Goldau und freut sich nicht besonders über das geplante Asylzentrum: «Die Asylsuchenden kommen dann ja auch zu uns in die Gemeinde.» Ein weiterer Anwohner sagt: «Es sind alle dagegen.» Das Bundesasylzentrum soll in einem Naturschutzgebiet gebaut werden. Der Mann sagt: «Es sollten nicht Millionen von Steuergeldern für einen Neubau fürs Asylzentrum ausgegeben werden.» Ausserdem ärgert er sich darüber, dass das «Keine Werbung»-Schild an seinem Briefkasten nicht beachtet wurde.

Gemeinde distanziert sich 

Der Look des Prospektes soll offenbar den Eindruck erwecken, er stamme von der Gemeinde. Das vermutet auch ein News-Scout gegenüber 20 Minuten. Aber Markus Betschart, Gemeindeschreiber-Stellvertreter von Arth, weist das klar zurück: «Die Gemeinde hat keine Ahnung, wer der Absender ist, und distanziert sich von diesem Flyer.» Beim Bundesasylzentrum handle es sich um ein Vorhaben des Bundes, deshalb habe die Gemeinde nur bedingt Mitspracherecht.

Betschart sagt: «Uns ist bewusst, dass viele Leute diverse Bedenken bezüglich des Zentrums haben.» Auf ihn wirkt der Flyer denn auch eher sarkastisch und nicht wirklich zustimmend. So steht im Text zum Beispiel: «Freuen Sie sich auf ein multikulturelles Miteinander, wie es schon in vielen Schweizer Städten wie beispielsweise Spreitenbach oder Schwamendingen gelebt werden darf.» Ein offenkundiger Seitenhieb auf Orte, in denen es zu Streit über die Integration von Immigranten gekommen ist.

«Jemand möchte für Aufruhr sorgen»

Jonathan Prelicz, Sektionspräsident von der SP Arth-Goldau, sagt auf Anfrage von 20 Minuten: «Mit dem Flyer versucht allenfalls jemand, für Aufruhr gegen die Linken zu sorgen.» Denn bei oberflächlichem Durchlesen könne man den Eindruck gewinnen, dass eine linke Partei wie die SP den Flyer verteilt habe. 

Im Verlauf des Mittwochmorgens seien auch prompt einige Personen auf ihn zugekommen, um zu fragen, ob die SP für den Flyer verantwortlich sei. Prelicz betont jedoch: «Der Flyer wurde effektiv nicht von uns verfasst.» Fraglich sei, was für ein Motiv die Verfasser hätten. «Die Flyer haben einer sachlichen Diskussion nicht geholfen, und das ist schwierig», sagt Prelicz.

Die SVP distanziert sich

Eine präzise Vermutung über die Verfasser hat Prelizc bisher noch nicht, denn: «Die Flyer wurden nicht im ganzen Dorf, sondern sehr gezielt verteilt.» Beispielsweise in Briefkästen heimischer Journalisten.

War es die politische Konkurrenz der SP? 20 Minuten fragte bei der SVP Arth-Goldau nach, und diese macht deutlich: Sie hat nichts mit der Flyeraktion zu tun.

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